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ErdkundeBrockhaus 1882

Minden (zu unterscheiden von Münden (s. d.) in der preuß. Provinz Hannover), Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Westfalen, bis 1873 Festung, liegt in einer angenehmen Gegend unmittelbar am linken Ufer der schiffbaren Weser, über welche eine 1871—74 erbaute Brücke führt, Station der Linie Berlin-Hannover-Köln der Preußischen Staatsbahnen. Während 1858 —59 wurde ein geräumiger Hafen am Strome angelegt. Die Stadt zählt (1880) 17867 meist prot. C., ist Sitz einer Regierung, eines Landratsamts, Amtsgerichts, Hauptsteueramts, einer Handelskammer und einer Reichsbankstelle und hat teilweise enge, unregelmäßige Straßen, ist aber größtenteils massiv gebaut. Seit Auflassung der Festung hat sich dieselbe nach Westen und besonders nach Norden ausgedehnt, wo ein völlig neues Stadtviertel mit schönen Häusern entstanden ist. Die Stadt ist ringsum von schönen, parkartigen Glacisanlagen eingeschlossen. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnet sich aus das in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh. aufgeführte Gebäude des Doms oder der ehemaligen bischöfl. Kathedralkirche, welches seit der Aufhebung des Domkapitels (1811) den kath. Einwohnern zum Gottesdienst dient und ganz von Quadersteinen auf einem pilottierten Grunde erbaut ist. Das Gewölbe ruht auf zehn mächtigen Rundpfeilern, wovon sechs frei stehen. Das Innere des Doms wurde 1832, der Chor 1864 —65 restauriert, Decken und Wände sind neuerdings mit gut ausgeführten Gemälden geschmückt. Auch die vier evang. Kirchen sind durch Alter und Architektur merkwürdig. Ferner sind das an dem schönen öffentlichen Domhofsplatze gelegene königl. Regierungsgebäude, dessen neuer Teil 1846 im geschmackvollen Baustile uDMiliin worden, wie die Eisenbahnhof⸗, Post⸗ und Militärgebäude bemerkenswert. Das 1530 gegründete Gymnasium, welches 1880 in einen Neubau vor dem Marienthore übergesiedelt ist, hat in seiner Aula zwei Bilder von Thumann (Armins Rückkehr aus der Varusschlacht und Wittekinds Taufe in Attigny). In industrieller Beziehung sind die Tabaks⸗ und Cigarrenfabriken, die Leder⸗, Lampen⸗, Seifenfabriken und Zündschnurfabrik, Färbereien, Bierbrauereien, Mühlenwerke, Sägewerke, chem. Fabrik, Glashütten, Papierfabrik, Lackfabrik, Hufeisenfabrik erwähnenswert. Die Stadt M. ward schon um die Mitte des 13. Jahrh. durch Aufführung einer Umfassungsmauer befestigt. Nachdem sie als Festung im 16. und 17. Jahrh. wiederholt belagert worden, besetzten sie 1635 die Schweden, welche sie bis zum 7. Sept. 1650 behielten und die Festungswerke wesentlich verstärkten. Von den Franzosen 1757 besetzt, wurde M. im nächsten Jahre von den hannov. Truppen, im Juni 1759 aber wieder von dem Marschall Broglie eingenommen. Kurz darauf (1. Aug.) fand hier eine Schlacht zwischen den Franzosen unter dem Marschall Contades und den verbündeten Engländern und Braunschweigern unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig statt, in welcher die Franzosen eine solche Niederlage erlitten, daß sie alle den Verbündeten gehörigen Länder räumen mußten. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde 1. Aug. 1859 auf dem Schlachtfelde ein Denkmal errichtet. Nach dem Siebenjährigen 9— ließ der König Friedrich II. die Festungswerke schleifen, die 1816 verstärkt wiederhergestellt, aber seit 1873 wieder geschleift wurden. M. war auch einst die Hauptstadt des von Karl d. Gr. gestifteten Bistums Minden. In dem Westfälischen Frieden 1648 wurde das Hochstift M. säkularisiert und kam als weltliches Fürstentum an Brandenburg-Preußen. Durch den 7. Juli 1807 zu Tilsit geschlossenen Friedensvertrag trat Preußen das Fürstentum M. an Frankreich ab. Dasselbe bildete nun einen Bestandteil des neuerrichteten Königreichs Westfalen. Durch das organische Senatskonsult vom 13. Dez. 1810 ward ein Teil des Fürstentums M. nebst der Stadt mit dem franz. Kaiserreiche vereinigt. Das Fürstentum M. kam 1814 wieder an Preußen. Der Regierungsbezirk Minden wurde 1816 gebildet aus den Fürstentümern M., Paderborn und Korvei, den Grafschaften Ravensberg und Rietberg, der Herrschaft Rheda und dem ehemaligen hannov. Amte Reckenberg, zählt auf 5253 akm (1880) 504 657 meist prot. E. und zerfällt in die elf Kreise: M., Lübbecke, Herford, Halle, Stadt und Land Bielefeld, Wiedenbrück, Paderborn, Büren, Warburg und Höxter. Der Kreis Minden zählt (1880) auf 588,4m 78 032 meist prot. E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 738Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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