Hamerling (Rob.), deutscher Dichter, wurde 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde in Niederösterreich geboren. Nachdem er vier Jahre als Chorknabe in dem Cistercienserstift Zwetl zugebracht und das Gymnasium in Wien besucht hatte, ließ er sich 1848 in die mediz. Fakultät inskribieren. Neben naturwissenschaftlichen Studien trieb er auf der Universität mit Eifer klassische und orient. Philologie sowie Philosophie. Im J. 1855 wurde er Professor am Gymnasium zu Triest, eine Stellung, die ihm bei einem uge Unterleibsleiden bald lästig wurde. Seine Jugendgedichte erschie-1 nen gesammelt unter dem Titel „Sinnen und Minnenv (Prag 1859; in sehr vermehrter 6. Aufl., Hamb. 1877); sie zeigten den Schwung ernster Gedankendichtung. Noch mehr trat derselbe hervor in einer Reihe von Dichtungen: „Venus im Cxilo (Prag 1858; 4. Aufl., Hamb. 1873), «Ein Schwanenlied der Romantiko (Hamb. 1862; 4. Aufl. 1873), und der Canzone (Germanenzugo (Wien 1864; 4. Aufl., Hamb. 1873). Von diesen Dichtwerken erschien eine verbesserte Gesamtausgabe unter dem Titel «Gesammelte kleinere Dichtungeno (Hamb. 1871; 3. Aufl., Hamb. 1877). Größern e Erfolg hatte das Epos Ahasver in Romp (Hamb. f 1866; 13. Aufl. 1881. In demselben Geiste gehalten sind seine spätern größern epischen Dichtungen Der s König von Siono» (Hamb. 1868; 7. Aufl. 1876) und „Die sieben Todsünden » (5. Aufl., Hamb. 1876). u Schon nach «Ahasver in Romo» hatte H. um die f Enthebung von seiner Lehrerstelle in Triest gebeten; ein kaiserl. Gnadenakt erhöhte 1866 seine Pension, und eine edle, dem Dichter persönlich fernstehende d Dame in Wien that einen weitern Schritt, um dem i Dichter die ausschließliche Hingabe an die Poesie — ermöglichen. H. hat seitdem Graz zu seinem Wohnort gewählt. Auf dramatischem Gebiete versuchte er sich in der Tragödie Danton und Robespierrer (Hamb. 1871; 4. Aufl. 1877), einer kraftgenialischen Studie, die an Büchner und Griepenkerl erinnerte, ferner in dem Lustspiel Lord Lucifero (Hamb. 1880). Außerdem sind zu erwähnen das zweiaktige Scherzspiel Teuto (3. Aufl., Hamb. 1877), ferner eine übersetzung der Gedichtex des Leopardi (Hildburgh. 1866), der Roman «Aspasiao (2. Aufl., 3 Bde., Hamb. 1876), eine geistreiche und feinsinnige Schilderung des Perikleischen Zeitalters, die Novelle Die Waldsängerin» (Berl. 1880) und Amor und Psyche. Dichtung in sechs Gesängend (mit Illustrationen von Thumann, 3. Aufl., Lpz. 1883). Ein Denkmal wurde ihm 23. Juli 1883 auf dem Vereinsberge bei Schrems enthüllt.