FeedHarkort (Friedr. Wilh.)
TechnikBrockhaus 1882

Harkort (Friedr. Wilh.), Industrieller und Politiker, geb. 22. Febr. 1793 auf dem Familiengute Harkorten in der Grafschaft Mark, kam, 15 J. alt, als Lehrling in ein Handelshaus zu Barmen. Seit 1813 Lieutenant im Füsilierbataillon des 1. westfäl. Landwehrregiments, nahm er 1814 unter Bülow am Feldzuge in den Niederlanden und Belgien und 1815 an der Schlacht bei Ligny teil, in der er zwei Schußwunden erhielt. Nach dem Frieden wandte er sich der gewerblichen Thätigkeit zu. Er errichtete nacheinander ein Kupferwalzwerk 4816) eine Maschinenwerkstätte (1819), einen Hohofen (1826), einen Eisenhammer und Walzwerk (1827) in Wetter und führte daselbst 1827 das engl. Puddlingsverfahren ein. Dazu kam 1830 bei Olpe ein Hohofen mit eisernem Mantel. Einer der ersten, der die Bedeutung der Dampfkraft erkannte, befürwortete bereits 1827 beim Freiherrn von Stein die nlage von Eisenbahnen und wirkte 1833 bei den westfäl. Ständen für die Ausführung der Rhein-Weserbahn. Auch erwarb er sich um die Förderung der senste untd dab u auf dem Rhein wesentliche Verdienste und gab zu der auf der Weser 1836 den ersten Impuls. Ebenso förderte er das Associationswesen und gründete bereits 1820 eine Arbeiterkrankenkasse und später ähnliche Einrichtun⸗ — Seit 1848 war H. auch politisch thätig. In Nationalversammlung von 1848 stand er auf seiten des Königtums, gehörte aber im Abgeordnetenhause zu der Fraktion Vincke und gründete dann mit Bockum-Dolffs das linke Centrum. Später gehörte er der Fortschrittspartei an. Auch in lreichen Schriften entwickelte H. seine Grundätze und Ansichten. Sein Bürger⸗ und Bauernbriefs (1851) führte ihn auf die Anklagebank. Sonst sind noch hervorzuheben: «Die Zeiten des ersten westfäl. (16.) Landwehrregiments. Ein Beitrag zur Geschichte der ollsbantene 8 1813—15½ (Esen 1841), «Über Volksbanken » (1851), (Der westfäl. Flachsbauo (1850, Küber das Proletariat, Teilbarkeit des Grundbesitzes u. s. w.» (1853), »Altere Geschichte des Steinkohlenbergbaues und der Stahl⸗ und Eisenproduktion der Grafschaft Mark» (1855), 4Geschichte des Dorfes Wetterv ierzu kamen seit 1861 einige Schriften in Betreff der preuß. Kriegsmarine. Im J. 1857 begründete er mit andern eine Eisenhütte zu Kaltenbach, und 1860 brach er mit Hilfe seines Bruders Christian der Ausfuhr der westfäl. Steinkohlen nach Portugal Bahn. H. bearbeitete 1864 mit von Hartmann den Plan eines Gürtelkanals zur Verbindung von Rhein und Ruhr mit Lippe, Ems, Weser und Elbe und regte 1869 die Hebung der deutschen Seefischerei an. Bis 1867 war H. Mitglied des Abgeordnetenhauses, dann (für den Wahlkreis Hagen) Mitglied des Norddeutschen Reichstags, des Zollparlaments und des ersten Deutschen Reichstags. Hierauf zog er sich vom öffentlichen Leben zurück und lebte auf seinem Gute Hombruch bei Dortmund. Er starb daselbst 6. März 1880. Von den Geschwistern H.s war der älteste Bruder, Kaspar H. (geb. 1785, gest. im Aug. 1877 zu Harkorten), Erbherr des väterlichen Gutes auf Harkorten. — Die Brüder Karl H. (gest. 1856) und Gustav H. (geb. 3. März 1795, gest. 28. Aug. 1865) gründeten ein angesehenes Handlungshaus zu Leipzig mit Filialen in Norwegen, Nordamerika und China. Auch nahm Gustav an den öffentlichen Angelegenheiten Sachsens lebhaften Anteil. Er wirkte seit 1834 nicht nur wesentlich für das Zustandekommen der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, sondern erhob auch dieselbe als vollziehender Direktor während einer mehr als 30jährigen trefflichen Verwaltung zu hoher Blüte und Rentabilität. Auch war er seit 1853 Mitbegründer und Leiter der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt zu Leipzig. Als Abgeordneter zum sächs. Landtage stand er auf der liberalen Seite und gehörte 1850 zu denen, die sich weigerten, in die reaktivierte Ständekammer einzutreten. Sein Denkmal (Büste aus carrarischem Marmor von Ed. Lürssen) an der leipziger Promenade wurde 9. Juli 1878 enthüllt. Die Firma Karl & Gustav 5. erlosch 1868. — Ein vierter Bruder, Eduard H., geb. 18. Juli 1798, starb 11. Aug. 1834 als Oberst in Texas. — Der funfte, Christian H. (geb. 1799), Artilleriehauptmann a. D., war Bergwerksbesitzer in Hagen und starb in Lissabon 31. Okt. 1874. kürzung für Richard Harlan, Professor zu Philadelphia Zoolog und Geolog).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 845Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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