Hase (Lepus), eine zu den doppelzähnigen Nagetieren (s. d.) aPetent Säugetiergattung, die aus etwa 40 Arten besteht, mit Ausnahme Australiens in allen Weltteilen vorkommt und den Typus einer Wren. bildet, zu welcher auch die Kaninchen geören. Bei den hierher gehörigen Tieren sind die obern Nagezähne gefurcht mit keilförmiger Schneide, und hinter ihnen steht ein zweites, weit kleineres Zahnpaar. Die kurzen Vorderfüße sind fünfzehig, die verlängerten Hinterfüße vierzehig, die Sohlen behaart und der Schwanz sehr kurz. Die verbreitetste Art ist der gemeine Hase (L. timidus), welcher auf einem sehr großen Raume von Portugal bis zum Ural und Kaukasus sich befindet, in mehrern Spielarten vorkommt und sich von weichen Pflanzenteilen, besonders Blättern, im Winter auch von Baumrinde nährt. Seine große Furchtsamkeit, welche sprichwörtlich geworden, läßt ihn niemals sich gänzlicher Sorglosigkeit hingeben. Obschon er mit großer Schärfe der Sinne und ungemeiner Schnelligkeit ausgerüstet ist, würde er dennoch der Ausrottung nicht entgehen, wenn seine Fruchtbarkeit nicht so groß wäre. Die Häsin, welche bereits am Ende des ersten Jahres zur Fortpflanzung fähig ist, setzt drei⸗ bis viermal im Jahre drei bis fünf Junge, trägt nur vier Wochen und überläßt die Jungen bald ihrem Schicksal. Der männliche H. (Rammler) ist kürzer, mehr braunrötlich und hat kürzere Ohren (Löffel) und kürzern Schwanz (Blume oder Feder). Der H. läßt sich leicht zähmen und, obschon seine Intelligenz nicht bedeutend, selbst zu ungewöhnlichen Leistungen abrichten. Daß der H. mit offenem Auge schlafe, ist vollkommen richtig. übrigens ist sein Gesicht sehr schlecht, weshalb er sich nur auf Gehör und Geruch verläßt. Die H. werden zur niedern Jagd gerechnet. Ihr Fleisch ist zart und leicht verdaulich. Die Felle (Hasenbälge! werden zu Kürschnerwaren und die Haare zu Hüten u. s. w. verarbeitet. Eine besondere Art macht der Alpenhase (L. variabilis) aus, der in Mitteleuropa die höchsten Gebirge nicht verläßt und nur im äußersten Norden auf die Ebenen herabsteigt. Er unterscheidet sich durch die kürzern Ohren und den ganz weißen Schwanz. Im Winter wird er blendend weiß und behält nur die schwarzen —᷑1 spitzen. übrigens haben aber alle H. ganz dasselbe Familienansehen. H. sind besonders zahlreich in den nördlichen und gemäßigten Teilen der nördl. Hemisphäre; sie fehlen in Westafrika, Madagaskar, dem Indischen Archipel und Australien und sin selten in Südamerika. Fossil finden sich H. erst in den jüngsten Tertiärschichten Frankreichs.