FeedHaselnußstrauch oder Hasel (Cor5lus)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Haselnußstrauch oder Hasel (Cor5lus), eine zur Familie der Näpfchenfrüchtler (Cupulikerae) gehörige Gehölzgattung mit wenigen Arten, welche auf der nördl. Erdhälfte, vorzugsweise in Europa und Asien vorkommen. Von den einhäusigen Blüten bilden die männlichen an besondern Zweigen schon früh im Sommer Kätzchen von waljlicher Form; unter jeder ihrer Schuppen befinden sich acht Staubgefäße. Die weiblichen Blüten entwickeln sich in besondern Knospen der Kätzhen tragenden Zweige und ragen mit ihren purpurroten Griffeln aus der geschlitzten Hülle heraus, welche sich später als Leife mit der Frucht stark vergrößert und diese rings umgibt (Fruchtbecher, cupula). Die Nuß schließt einen, selten zwei Samen ein, welche viel fettes Ol enthalten, und ist bei allen Arten wohlschmeckend. Von den verschiedenen Haselarten sind die erwähnenswertesten: 1) die gemeine Hasel (Corylus Avellana); ihre Frucht wurde schon im röm. Altertum geschätzt und in großer Menge bei der Stadt Avella in Unteritalien gewonnen. Diese Art ist durch ganz Europa, in Nordamerika und im nördl. Orient bis an das Kaspische Meer verbreitet. Die Fruchthülle überragt die Nuß wenig oder ist kürzer als diese, immer aber unregelmäßig gelappt, die Kernhaut weißlich. 2) Die Südhasel (C. maxima), in Mitteleuropa gegen Kälte empfindlich und deshalb in geschützter Lage anzupflanzen. Die rundlich-spitzen Früchte, Lamberts⸗(Langbarts-Nüsse, sitzen in einem über der Frucht zusammengezogenen und von der Einschnürung ab spitz zulaufenden Fruchtbecher mit lanzettförmigem, meist nicht weiter geteiltem Fruchtbecher. Kernhaut meistens rot. Nach einigen ist es diese Art, von welcher die berühmten Nüsse der Stadt Avella (etzt Avellino) stammten. 3) Die Pontushasel (C. pontica), von K. Koch in den wärmern Gegenden des Pontischen Gebirges von neuem entdeckt. Ihre Früchte, die herakleotischen Nüsse der alten Griechen, werden vom Fruchtbecher vollständig eingeschlossen; dieser ist breit, auf einer Seite bis zum Grunde geschlitzt, und die lanzettförmigen, bis zur Mitte herabgehenden Abschnitte sind mit groben, wagerecht abstehenden Zähnen besetzt. 4) Die Baumhasel (C. Colurna) stellt in der Kultur einen Baum von 10—12 m Höhe. Sie ist im Kaukasus und im Himalaja zu Hause. Die breitrundlichen Nüsse werden von einem lederartigen, tief geschlitzten, kurz behaarten Fruchtbecher eingeschlossen, deren lang ausgezogene, lanzettförmige Abschnitte von parallelen Längsnerven gestreift sind. 5) Die Spanische Hasel (C. barcelonensis Koch), Nuß groß, breit, kurz, stets mit einer scharfen Spitze versehen, nicht selten eckig, von einer tief geschlitzten Leife umgeben, aber in ihrem obern Teile frei. Außer diesen finden sich noch in Kultur die in China und Sibirien einheimische C. heterophylla, die Mutterpflanze der Mongolischen Nuß, C. ameéricana, C. rostrata, die Schnabelhasel, welche aber alle in Betracht ihrer Früchte eine nur geringe oder gar keine Bedeutung haben. Von den Kulturformen, welche vorzugsweise von der Lambertsnuß abstammen, sind zu nennen: Frühe lange Zellernuß, Landsberger lange Zellernuß, Mandelnuß, Minnas große Zellernuß, Gubener Zellernuß, Rote Lambertsnuß, Weiße Lambertsnuß, Frizzled Filbert. Die besten von der Spanischen Nuß abstammenden Nüsse sind die eckige Barcelona-, die Römische, die Hallesche Riesennuß. Außerdem werden als Blendlinge zwischen der Lamberts- und der Spanischen Nuß bezeichnet und empfohlen: Burchardts, Büttners und Große bunte Zellernuß. In England werden viele andere Filberts-, d. i. Lamberts⸗ und Cobnüsse kultiviert. Auch hat der gemeine H. mehrere als Parkgehölz wertvolle Spielarten hervorgebracht: die Bluthasel (var. atropurpurea) mit braunroten Blättern, die Goldhasel (ar. aurea) mit goldgelber Belaubung, die Schli iche sel Gar. laciniata) mit geschlitzten, und die Eichenhasel (var. quercikolia) mit mehr gelappten Blättern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 883Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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