FeedHasse (Joh. Adolf)
MusikBrockhaus 1882

Hasse (Joh. Adolf), berühmter Komponist, getauft 25. März (also 23. oder 24. geboren) 1699 zu Bergedorf bei Hamburg als Sohn des dortigen Organisten. Von seinem Vater gebildet, betrat er schon 1715 als Tenorist die hamburgische Bühne, kam 1720 als Sänger an den braunschweigischen Hof und ging 1722 nach Italien. In Neapel wurde er Al. Scarlattis Lieblingsschüler; von diesem in alle Finessen der ital. Bühnenmusik eingeweiht und mit unerschöpflichem Reichtum melodischer Gedanken begabt, gewann er durch seine Opern schnell die Gunst der Italiener, bei denen er lebenslang den früher auf Händel angewandten Namen ail caro Sassones trug. In Venedig lernte er seine spätere Gattin Faustina Bordonitkennen, eine der größten Sängerinnen ihrer Zeit. Beide wurden unter glänzenden Bedingungen 1731 vorläufig und seit 1740 dauernd an den dresdener Hof berufen. 3 Mitte seiner Wirksamkeit in Dresden galt er als Mittel⸗ und Höhepunkt der ital. Oper; seine Opern beherrschten vierzig Jahre lang die Bühnen, auch seine ital. Oratorien und lat. Kirchenstücke fanden die allgemeinste Verbreitung und wurden namentlich als Muster eines schönen gesanglichen Ausdrucks hochgeschätzt. H. hat gegen 50 Opern komponiert. Im J. 1763 wurde er nebst der Gattin beim Tode des Kurfürsten entlassen und ging nach Wien, 1770 nach Venedig, wo er 16. Dez. 1783 starb. Er komponierte hauptfächlich die Texte des Metastasio, welchem er eng befreundet sowie geistig verwandt und ebenbürtig war. Der Einfluß seines Stils war so groß, daß selbst Gluck, der gewissermaßen als sein Gegner angesehen werden muß, eine Reihe von Opern in H.s Weise geschrieben hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 889Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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