Donizetti (Ga'tano), beliebter ital. Opernlnmomis, geb. zu Bergamo 25. Sept. 1798, war von seinem Vater zum Advokaten bestimmt, entschied sich aber für die Musik und studierte seit 1815 zu Bologna unter Pilotti und Pater Mattei den Kontrapunkt. Zerwürfnisse mit seinem Vater veranlaßten ihn zum Eintritt in die österr. Armee. Mit seinem Regiment gelangte er nach Venedig, wo es ihm 1818 und 1819 gelang, seine Erstlingsopern Enrico di Borgogna und 411 Falegname di Livonia auf die Bühne zu bringen und vom Militär loszukommen. D. widmete sich nun der Komposition mit solchem Eifer, daß er bis zum J. 1831, außer den genannten, 28 Opern scuf, darunter &Olivo e Pasquale, 4Le convenienze teatrali o, 4II borgomestro di Saardamv (alle aus dem J. 1827), 4 Gianni di Calais o und 4L'esule di Roma v (1828), 4II castello di Kenilwortho (1829), Imelda de' Lambertazzih (1830). Einen wesentlichen Schritt vorwärts that D. 1831 mit der Oper „Anna Bolena, mit welcher er in die Periode seines reifern und weniger leichtfertigen Produzierens eintrat und auch außerhalb Italiens Ruf gewann. In den nächsten Jahren komponierte er unter anderm die Opern L'elisire quato Tasso, Lucrezia Borgia (alle aus dem J. 1833), 4Gemma di Vergi v (1834). Sodann wandte er sich nach Paris, wo sein «Marino Falierop (1835) neben Bellinis «Puritanerno nicht recht zur Geltung kam. Dagegen hatte «Lucia di Lammermooreo (ebenfalls 1835) in Neapel allgemeinen Erfolg und brachte ihm die Stelle eines Kontrapunktprofessors an der königl. Musikschule in Neapel ein. In dieser Zeit entstanden die Opern Belisariop (1836), Betlyo (1836), &Roberto Devereuxo (1837), Maria di Rudenzv (1838), (Gianni di Parigis (1839). D. trat 1840 wieder in Paris auf und brachte daselbst zwei seiner besten Schöpfungen, KLa fille du régimenty und 4La favoriten, sowie eine Umarbeitung des schon 1838 in Neapel komponierten, aber nicht die Bühne. Noch günstiger aufgenommen ward „Maria Padillao in Mailand (1841) und 1842 „Linda di Chamounixo in Wien, für welche Oper er den Titel eines k. k. Hofka derdhere erhielt. Auch 1843 kehrte er wieder nach der österr. Hauptstadt zurück, daselbst Maria di Rohano aufführend, nachdem zu Anfang des genannten Jahres in Paris der reizende Don Pasquale verdienten Beifall gefunden hatte. Dasselbe J. 1843 brachte noch für Paris den „Dom Sébastieno, welcher aber kein Glück machte. Mit «Caterina Cornarop (Neap. 1844) sollte seine Laufbahn beschlossen sein. Zwar begab sich D. mit Plänen für neue Arbeiten wieder nach Wien und Paris, aber schon Mitte 1845 hatte ihn der Irr-oder vielmehr Stumpfsinn völlig umfangen. Nach vielen vergeblichen Heilversuchen 3210 er an einer Gehirnkrankheit 8.April 1848 zu Bergamo, wo ihm 16. Juni 1855 ein Denkmal errichtet wurde. Die Gesamtzahl von D.s Opern beträgt 64. Nebenbei komponierte er aber auch noch verschiedene dramatische Cantaten, größere und kleinere Kirchensachen, viele Arietten, Canzonetten und Duetten u. s. w. Die Mängel seiner etwas leichtsertigen und oberflächlichen Komposition werden sehr häufig aufgewogen durch die Reichhaltigkeit und Schönheit der melodischen Erfindung und durch eine ungemeine dramatische Lebendigkeit, Eigenschaften, die einer Anzahl seiner Opern, z. B. „Lucia di Lammermoor v, «Lucrezia Borgiao, „La favorita v, Don Pasqualeo, Liebestranko, „Regimentstochter », «Belisar » u. s. w., noch auf nalch Zeit eine anziehende Wirkung sichern. Bezüglich des Stils nimmt D. seine . zwischen Rossini und Bellini ein. Er hat die Manieren dieser beiden, ohne direkt von ihnen 0 entlehnen, mit Glück zu verschmelzen gewußt. Vgl. Alborghetti und Galli, «Donizetti. Mayr. Notizie e documentis (Bergamo 1875). Sein Bruder, Giuseppe D., geb. um 1797 zu Bergamo, trat als Musikmeister in ein österr. Regiment und ging dann 1831 nach Konstantinopel, wo er die Militärmusik auf 47 Fuß einrichtete und, Amtern und Würden gelangt,‚, 10. Febr. 1856 tarb. Von seinen Kompositionen sind nur einige Märsche und kleinere Gesangs⸗ und Pianofortesachen durch den Druck bekannt geworden.