Hiller (Ferd.), ausgezeichneter Komponist, Pianist und Dirigent, sowie musikalischer Schriftsteller, eb. 24. Okt. 1811 zu Frankfurt a. M. von wohlhabenden israel. Eltern, erhielt erst von Hofmann, A. Schmitt, Vollweiler, dann aber besonders durch Hummel in Weimar seine musikalische Bildung. n seinem 10. Jahre trat H. zum ersten mal öffentich auf; seine erste Komposition, ein Quartett für Pianoforte, Violine, Bratsche und Cello, gab er als 15jähriger Jüngling zu Wien heraus. Während eines siebenjährigen Aufenthalts zu Paris (seit 1829) wirkte er mit Erfolg für Anerkennung gediegener Musik, namentlich Bachs und Beethovens. Im Winter 1836 —37 leitete er in seiner Vaterstadt den Cäcilienverein, ging hierauf nach Italien, wo jedoch seine Oper „Romildev zu Mailand kein Glück machte, und lebte dann im Winter 1839 —40 zu Leipzig, wo er zum ersten mal sein Oratorium Die Zerstörung Jerusalemso unter großem Erfolge zur Aufführung brachte. Nachdem er sich im Sommer 1841 in Italien vermählt, nahm er seinen Aufent⸗ + abwechselnd in Frankfurt, Leipzig, wo er im Winter 1843 — 44 die Gewandhauskonzerte dirigierte, und in Dresden. In letzterer Stadt verweilte er vier Jahre und führte die beiden Opern „Der Traum in der Christnachtz (1844) und Konradin, der letzte Hohenstaufer (1847) auf. H. nahm 1847 die Stelle eines Musikdirektors in Düsseldorf an, von wo er nach einer dreijährigen Wirksamkeit einem Rufe als städtischer Kapellmeister nach Köln folgte. Hier brachte er das bestehende Konzertinstitut auf eine bedeutende Höhe und gründete außerdem die Rheinische Musikschule (das kölner Konservatorium), die unter seiner Direktion zu anerkannter Blüte gelangte. In diesen Wirkungskreis kehrte H. auch im Nov. 1852 zurück, nachdem er im Winter 1851—52 die Italienische Oper zu Paris dirigiert und die Kunstsaison von 1852 in London zugebracht. Im J. 1884 legte H. seine Amter in Köln nieder. Von seinen Kompositionen sind außer den genannten besonders zu erwähnen: viele Liedersammlungen (namentlich die Drei Bücher neue Gesänger), Sonaten, zwei Klavierkonzerte, die trefflichen Etuden für Pianoforte und Violine, die geistvollen Impromptus, die Ihne Worter Studien, die vierhändige Operette ohne Worter, Solostücke für Violine und Violoncell, Duette, Terzette und Quartette für Piano und Streichinstrumente, Konzertouverturen u. s. w.; von Gesangstücken für Solo, Chor und Orchester der Gesang der Geister über dem Wasser- und „O weint um sier (nach Byron), die Christnacht, Heloise, Lorelei, die Nacht, Palmsonntagmorgen, der 93. Psalm, Pfingsten; von großen Vokalwerken die Oratorien Ver saerumy und Saulo, ferner Mal und Damayantis und der „Gefesselte Prometheuso, endlich die Opern Die Katakombeno (1862), Der Deserteur » (1865), «Der Advokat v. H.s „Zerstörung von Jerusalem läßt sich neben die Oratorien Mendelssohns stellen. Unter bouie Instrumentalkompositionen ist die Symphonie in E-moll hervorzuheben. Als Pianist gehört H. der klassischen Schule Schmitts und Hummels an, mit welcher er die neuere Romantik des Pianofortespiels verbindet. Zu seinen bedeutendsten Schülern in der Komposition gehören Max Bruch und Jos. Brambach. Als musikalischer Schriftsteller hat sich H. namentlich einen Namen erworben durch: «übungen zum Studium der Harmonie und des Kontrapunktes o (Köln 1860; 10. Aufl. 1882), «Aus dem Tonleben unserer Zeiteo (Lpz. 1868; neue Folge 1871), „Ludwig van Beethoven. Gelegentliche Aufsätzer (Lpz. 1871), Felix Mendelssohn-Bartholdy. Briefe und Erinnerungenp (2. Aufl., Köln 1878), «Musikalisches und Persönliches (Lpz. 1876), Briefe an eine Ungenanntey (Köln 1877), «Künstlerleben » (Köln 1880), «Wie hören wir Musik» (Lpz. 1881).