Hautstellen sitzende, getrocknetem Brotteig ähnelnde Borken verraten das Vorhandensein der Krankheit. Bei Hühnern zeigt sich die Favuskrankheit zunächst immer an dem Kamm, dem Kehl- und den Ohrlappen, greift aber dann auf den Rumpf über. Die Haare der vom Favus befallenen Tiere werden glanzlos, dann zerfasert und sonst zerstört, endlich aus dem Haarboden ausgehoben, sodaß Kahlwerden eintritt; beim Geflügel zeigen sich die vom Favussitz heimgesuchten Federn trocken, mürbe, brüchig, die Kiele oft wie mit Asbest umhüllt, sie fallen schließlich ebenfalls aus. Seifenbäder, Erweichen und vorsichtiges Abkratzen der Borken, Mischungen aus Kreosot und Öl (1: 20), oder Benzin mit Fett (1:4), oder Sublimatlösungen (1: 50 bis 1:5, je nach der Schwere des Falles), oder weiße auch rote Präcipitatsalben (1:4—8) können Hilfe bringen. Die Ställe, in welchen favuskranke Tiere sich aufgehalten, sind mit heißer Lauge auszuscheuern und dann mit der in Brennereien und Brauereien gebrauchten Lösung von doppeltschwefligsaurem Kalk (11 B.) oder mit 10 — 15prozentiger wässeriger Carbolsäurelösung zu desinfizieren. Die Ringflechte, der Ringwurm, die kahlmachende Flechte, die Borkenflechte (Herpes tonsurans) ist ebenfalls eine durch mikroskopische Pilze (Trichophyton tonsurans) hervorgerufene, sehr ansteckende, von kranken Tieren auf gefunde Menschen übertragbare H., welche bei Rindern und Hunden häufig, bei Pferden, Katzen, Ziegen seltener, am seltensten bei Schaf und Schwein beobachtet wurde. Das Trichophyton tonsurans, der kahlmachende Haarpilz, besteht aus sehr wenig Fäden und sehr vielen rundlichen oder vieleckigen (Conidien (0,027 bis O,ooss mm lang). Letztere finden sich im Haarbalg, in den Haarscheiden und im Haar selbst; erstere besonders auf oder in der Epidermisschichte des erkrankten Haares. Der Pilz zerstört, zerfasert das Haar, sodaß es in der Regel abbricht; jedoch zerstört er nie oder nur ausnahmsweise den Haarkeim. Kreisrunde oder ringförmige, haarlose Stellen, von der Größe eines Zwanzigpfennigstücks bis zur Größe eines Silberfünfmarkstücks, welche anfangs mit grauweißen, asbestähnlichen Schuppen bedeckt sind, während später sich gelbe oder gelbgraue, feste, lederartige Borken einstellen, kennzeichnen die kahlmachende Flechte. Die Schuppen bilden sich, nachdem gruppenweise zusammenstehende kleine Bläschen (Flechtenbläschen) auf der entzündeten Haut zum Vorschein gekommen sind, die endlich platzen und ihren Inhalt, eine gelbrote Lymphe, ausfließen lassen. Ein Juckreiz, der sowohl bei den mit der Favuskrankheit als bei den mit der kahlmachenden Flechte behafteten Tieren beobachtet wird, nötigt die Patienten zum Reiben, „Scheuern, Nagen, wodurch das Hautübel verschlechtert, namentlich pergamentartige Verdickung und Faltenlegung der Haut erzeugt wird. Auch der Maulgrind der Kälber ist nichts anderes als kahlmachende Flechte. Geheilt wird die Krankheit durch wiederholte Schmierseifenbäder und Entfernung der Borken, durch Einreibungen eines Gemisches von Carbolsäure in Glyzerin gelöst (1: 10), durch dieselben Mittel, durch welche die Favuskrankheit vertrieben wird, namentlich durch die weiße Präcipitatsalbe (1: 4), die nur bei Wiederkäuern,‚ inshesondere Rindern nicht gebraucht werden darf, da solche der Quecksilbervergiftung leicht anheimfallen. Auch die Ställe, in welchen Tiere mit lahlmachender Flechte gestanden haben, sowie die in solchen Ställen gebrauchten Geräte, Putzzeuge u. dgl. sind gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Die kranken Tiere müssen von den gesunden vollständig separiert und durch besondere Wärter gepflegt werden. Auch bei gewissen andern Flechten und ekzemartigen Ausschlägen der Haustiere (Schweifflechte des Pferdes, Ruß der Ferkel, Schlämpemauke u. s. w.) vermutet man Pilze als Ursachen. Derartige Krankheiten sind wie die kahlmachende Flechte zu behandeln. Eine Reihe von mit Fieber gepaarten H. (Exantheme) werden durch pflanzliche Parasiten, aus der Klasse der Spaltpilze (s. Schizomyceten), hervorgerufen. So die Pocken (s. d.), der Rotlauf (s. d.), besonders der Wundrotlauf, die echte Pferdemauke (. d.); wahrscheinlich ist solches auch der Fall bei Nesselfieber (s. d.) und Masern (s. d.) der Tiere. Weder durch schmarotzende Tiere noch durch Parasiten aus dem Pflanzenreich erzeugte H. der Haustiere sind folgende: Hautjucken mit oder ohne Knötchenausschlag (Pruritus, Prurigo). Enormes Juckgefühl charakterisiert diese H. zunächst; das Juckgefühl kann fast über den ganzen Körper verbreitet sein, meist wird es nur an einzelnen begrenzten Körperteilen (Ohr, Stirn, Nasenrücken, Kopf überhaupt, Mähne und Schweif, Scham) empfunden. Das Juckgefühl, welches den Patienten unwiderstehlich zum Reiben, Scheuern, Nagen, Beknabbern, Kratzen antreibt, ist fast das einzige Symptom des übels. Wo das Hautjucken mit Knötchenausschlag verknüpft ist, sieht man an den Stellen, wo die Tiere sich reiben, kleine, grieskornbis linsengroße Knötchen, aus denen eine äußerst geringe Menge Lymphe auszusickern scheint, die sich in dünne, bräunliche Schorfe umwandelt. Die Krankheit ist in der Regel eine chronische, sehr langsam verlaufende; die Ursache ist noch unbekannt. Verdauungsstörungen, Leberleiden insbesondere, ferner rascher und plötzlicher übergang von einer Fütterungsweise in die andere, Genuß zu vielen Viehsalzes, außerdem gewisse Krankheiten des Nervensystems, aber auch mangelhafte Hautpflege und Verschmutzung der Haut konnen Veranlassung zu dem Hautjucken geben. Das letztere wird haäusig verwechselt mit dem Jucken, welches gewisse Haustiere beobachten lassen, wenn sie von Eingeweidewürmern heimgesucht werden (Schwanzjucken der Pferde, wenn Spul⸗ oder Madenwürmer oder Gastruslarven in deren Darm sitzen, Spazierenfahren und After⸗ auch Nasenjucken der Hunde, wenn sie durch Eingeweidewürmer geplagt sind) und welches mit der Vertreibung der Entozoen aufhört. Oft wiederholte Seifenbäder, Einreibungen von Carbolwasser oder Carbolöl, Gebrauch von Teersalben und Teerseifen, von 2—4proz. Sublimatlösungen, führen bei Beseitigung der veranlassenden Ursache und bei Ausübung sorgsamster Hautpflege (Reinigen und Putzen) oftmals zur Heilung, auch ohne Anwendung innerlicher Mittel (Abführmittel und, wenn solche nicht helfen, Arseniklösung). Die Sommerräude der Pferde, ein in der wärmern Jahreszeit am Hals und Kopf, an der Brust, nur ausnahmsweise noch an andern Körperteilen des Pferdes vorkommender Knötchenausschlag, hat mit der echten, nur durch Milben hervorgerufenen Räude nichts zu thun, sondern ist eine leichte Hauterkrankung, die zwar, wenn sie einmal aufgetreten ist, in der Regel das üble an sich hat, alljährlich wiederzukehren, niemals aber ernstliche Folgen hat. Kleine Knötchen, gruppenweise beieinander stehend, zeigen den Anfang des Leidens an; die Knötchen verschwinden zeitweise und hinterlassen kleine, kahle, graue oder grauweiße, mit kleieartigen Schuppen versehene Hautstellen, die aber mit der kältern Jahreszeit in der Regel von selbst weggehen. Manche Pferde disponieren entschieden sür die Sommerräude, andere bekommen sie nach dem Genuß von Grünklee, grünem Getreide und bei mangelhafter Hautpflege. Häufiges Putzen, Waschen, Schwämmen, das Nichtverabreichen von Grünfutter, Abführmittel, Waschen mit schwachen Carbolsäurelösungen helfen zuweilen. den bei jungen Pferden, Schafen und Rindern, die in sehr warmen oder dumpfigen Ställen gehalten werden, zuweilen beobachtet. Auch bei dieser H. bilden gruppenweise zusammenstehende, oder auch einzelne Knötchen den Anfang des Ausschlags; die Haare fallen auf den Knötchen aus, die Knötchen selbst werden dann zurückgebildet und es bleibt ein fettiger, dünner, gelblicher Schorf oder Grind auf dem kahlen Fleck zurück. Stößt sich der Schorf ab, so nimmt man einen Schwindfleck, d. h. einen kahlen, gelblichen oder rötlichen, manchmal rissigen Fleck wahr. Meidung der Ursachen nebst ausgezeichneter Hautpflege (besonders Bäder und Was chungen) beseitigen die Krankheit. Die echten Flechten, soweit sie nicht Pilzflechten, also nicht Favus oder Herpes tonsurans sind, unterscheidet man in trockene und nässende Flechten. Das Allgemeinbefinden einiger von diesen H. heimgesuchter Tiere scheint nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden, bei andern ist der Ausschlag von Fieber begleitet. Manche Flechten haben einen langsamen Verlauf und eine lange Dauer, andere sind akut verlaufend. Zu den nässenden Flechten gehört das Ekzem (gewöhnlich Bläschenflechte, Salzfluß, nasse Flechte genannt), das bei allen Tieren, besonders aber bei langhaarigen, großen Hunden, als akutes und als chronisches übel auftritt, unter Umständen entschieden ansteckend ist und durch Mikroorganismen, die bei Hautverschmutzung in die Epidermis gelangen, erzeugt zu werden scheint. Kleine Knötchen stehen haufenweise auf der meist geröteten und juckenden, zum Kratzen und Nagen deshalb reizenden Haut; die Knötchen gehen in Bläschen über, oder bekommen Bläschen auf ihren Spitzen, die Bläschen platzen und entleeren eine Flüssigkeit, die schließlich wiederholt und in größerer Menge abgesondert wird von neu sich erzeugenden Bläschen und stets übel (süßlich) riecht, gelblich und klebrig ist und das Nässen des Ausschlags ermöglicht. Dicke, leder⸗ oder gummiartige, gelbe, gelbbraune oder braune Borken besetzen endlich die erkrankte Hautstelle, zwischen denen die erwähnte Flüssigkeit hervordringt, endlich werden durch das Kratzen, Scheuern und Nagen Hautverdickungen, Schrunden und Risse in der Haut, Blutrünstigsein u. s. w. hervorgerufen. Reinigung durch Seifenbäder (doch vermeide man Schmierseife), Anwendung milder Fette als einzureibende Mittel, besonders die zu Veterinärzwecken fabrizierte gelbe Vaseline, täglich ein-bis zweimal eingerieben, soll zunächst zur Anwendung kommen und längere Zeit gebraucht werden, ehe man zu eingreifendern und reizendern Mitteln seine Zuflucht nimmt. Solche sind Teersalben, namentlich eine Salbe aus je einem Teil Teer mit Schwefelblüte und je 2 Teilen Spiritus und Schmierseife hergestellt; Carbolöl 1: 20, Sublimatlösung (2: 100), die mit Vorsicht zu brauchende offizinelle Präcipitatsalbe. Auch Salicylsäuresalbe (1Teil Salicylsäure, 20—50 Teile Vaseline) wirkt oft sehr gut. Kann man Schmarotzer als Ursachen der Ekzeme vermuten, so ist Reinigung und Desinfektion der Aufenthaltsräume und Lagerstätten der Krankgewesenen geboten. Die trockenen Flechten sind im großen und ganzen gutartiger als die nässenden. Ihre Ursachen kennt man meist nicht. Ihre Behandlung ist eine analoge wie bei den Ekzemen. Hierher gehört der Gneis oder die Mehlflechte, bei welcher die kranke Haut mit kleinsten, dünnen, weißen Borken, die nur selten dick werden, besetzt ist, sodaß die Haut wie mit Mehl bestäubt aussieht; ferner die gutartige Glatzflechte (kahle, weiße oder rote Hautstellen, weich, mit leichter Abschilferung versehen), die Schilferflechte oder der Kleiengrind (runde, haarlose Stellen, anfangs mit dünnen, braunen Schuppen bedeckt, bräunliche Schorfe schuppen sich ab; schließlich Verdickung der Haut, Rissig- und Runzeligwerden derselben, dicke und braune Borken kommen zuletzt zum Vorschein), der Bläs-⸗ chengrind, der Pustelgrind, der Krustengrind u. s. w. Vgl. Zürn, Die Schmarotzer, die Krankheiten bei Haussäugetieren hervorrufen (2 Bde., Weim. 1872).