Havana (La), die H., eigentlich San-Christobal de la Habana, die Hauptstadt der span. Insel Cuba (s. d.), an deren nördl. Küste gelegen, der Mittelpunkt des span.⸗amerik. Handels und einer der belebtesten Handelsplätze der Neuen Welt, der wichtigste Westindiens, ist der Sitz des Generalkapitäns und Generalintendanten der Insel, des Kommandanten der Marine, eines Bischofs, eines Appellations- und Handelsgerichts, sowie einer Universität und zählt (1882) 208 041 E. Der Hafen der Stadt, einer der schönsten und sichersten der Erde, wird von der Lagida gebildet, einer kleeblattförmig in die drei Buchten von Regla oder Marimelena, Guanabacoa und Atares gespaltenen Bai, die gegen 23 akm einnimmt, bis 11 m Tiefe hat und an ihrem 2000 mlangen Quai selbst den größten Fahrzeugen das Anlegen gestattet. Der Eingang wird im Westen durch das Fort de la Punta, im Osten durch das Fort Morro mit dem Leuchtturm und die 1764 aufgeführte Citadelle La Cabana über dem Muelle (Dock) de Triscornia bei Casa-Blanca ares. Hrt während auf der Landseite die Forts Atares, Principe, San-Carlos und mehrere Batterien eine Kette von Befestigungen bilden. Die Stadt selbst ließt an der Westseite des Hafens auf einer Halbinsel in dem blühendsten Distrikt Cubas, in einer von Landhäusern, kleinen Ortschaften, Kaffeepflanzungen, Gärten und Palmenalleen bedeckten Gegend. Früher ward sie gegen die zahlreichen Vorstädte durch Festungsmauern und Wälle abgeschlossen, die 1863 abgetragen und planiert wurden. Seitdem sind auch wesentliche Verbesserungen in den Straßenbauten der Stadt zur Ausführung gekommen, die ihr im Innern ein schöneres, reinlicheres Ansehen gewähren und auf den durch das Gelbe Fieber gefährdeten Gesundheitszustand günstig einwirken. Die Häuser der Stadt zeichnen sich durch ihre Festigkeit und Massenhaftigkeit aus, doch gibt es auch geschmackvolle und namentlich kostbare, aber keine durch ihre Architektur hervorragenden Gebäude. Die 1724 von den Jesuiten erbaute Kathedrale zeichnet sich durch Einfachheit und Symmetrie des Innern aus. In ihr werden die überreste des Columbus aufbewahrt, die 1796 von Santo-Domingo hierher gebracht wurden. Außerdem zählt die Altstadt 3 Pfarr⸗ und 12 Klosterkirchen, und die Außenstadt hat neuerdings mehrere hübsche Kirchen erhalten. Unter den Gebäuden verdient der Palast des Generalkapitäns Erwähnung. Auf der Plaza de las Armas, der schönsten der Stadt, erhebt sich die Marmorstatue Ferdinands VII. Außerdem gibt es vier Marktplätze und ein großes Campo de Marte. Die Außenstadt besitzt zwei schöne Paseos oder Spaziergänge, von denen der eine am botan. Garten hinführt. Der Cirkus für Stiergefechte befindet sich an der Ostseite des Hafens, an dessen Südseite Guanabacoa, das wichtigste Seebad, liegt. Von den drei Theatern gehört das 1836 erbaute Tacontheater durch seine innere Ausstattung und Größe zu den ersten der Welt. Diesem gegenüber steht die Erzstatue der Königin Isabella am großen Paseo de Isabella. Die Stadt ist vor allem Handelsstadt und ihr einträglicher Verkehr hat großen Luxus hervorgerufen. In dem stets mit einem Mastenwald bedeckten Hafen sind alle seefahrenden Nationen vertreten, und in der Stadt befinden sich viele fremde, auch deutsche Handelshäuser. Im J. 1882 liefen 1424 Schiffe mit 1258 181 t Gehalt ein. Die Einfuhr beträgt etwa 70, die Ausfuhr 45 Proz. des Gesamthandels von Cuba. H. führte 1882 aus: 177659 Kisten und 217515 Fässer Zucker, 12464936 Pfd. Tabak, 153 141 Tausend Cigarren u. s. w. Börse und Bank machen bedeutende Geschäfte. Dampfboote verbinden H. mit den übrigen Häfen der Insel, sowie mit Neuyork, Neuorleans, Veracruz, Spanien und England, Eisenbahnen mit Guanajay, Batabano, Matanzas, Cardenas, Cienfuegos, Santa-Clara und Sagua la Grande. Die Stadt besitzt zahlreiche Zuckersiedereien, Rum- oder Tafiabrennereien, Tabak⸗ und Cigarrenfabriken, sowie mehrere Chokoladefahriken. Berühmt sind die Havanacigarren, für die es weit über 100 Fabriken und zahllose Läden gibt. Silva, Ugues, Upmann, Cabafas, dos Amigos, Hernanos, Cabargos u. s. w., die man in Europa als Cigarrennamen kennt, sind die Handlungsfirmen der großen havanesischen Fabriken. Die Thätigkeit der königl. Werfte, des Arsenals von H. ist für das Mutterland von großer Wichtigkeit. Durch die 1728 gegründete und 1818 erweiterte Universität zeichnet sich H. vorteilhaft vor den andern Hauptstädten des span. Amerika aus. Dazu kommen eine öffentliche Bibliothek, ein Museum, viele Unterrichtsanstalten, auch für Zeichenkunst und Malerei, ein botan. Garten, eine Schiffahrtsschule etc. Die 1793 gegründete Gesellschaft der Vaterlandsfreunde hat sich um die Förderung von Ackerbau, Industrie und Kunst große Verdienste erworben. Vgl. Larrinaga, «Die wirtschaftliche Lage Cubasv (Lpz. 1881). Die Stadt H. wurde 1519 an ihre jetzige Stelle verlegt, nachdem sie 1515 von Diego Velasquez an der Südküste in der Gegend des jetzigen Hafens Batabanb gegründet worden war. Die Flibustier zlünderten sie 1555, aber erst 1663 befestigte man sie gegen die Seeräuber. Am 14. Aug. 1762 nahmen sie die Engländer nach zweimonatlicher Belagerung ein, gaben sie aber 1763 zurück, seit welcher Zeit H. bei Spanien geblieben ist.