FeedHavelberg
ErdkundeBrockhaus 1882

Havelberg, Stadt im Regierungsbezirk Pots-⸗ dam der preuß. Provinz Brandenburg, Kreis Westpriegnitz, auf einer durch drei Brücken mit dem Lande verbundenen Insel der Havel, 11 km oberhalb ihrer Mündung in die Elbe, 9 km südlich von Station Glöwen der Berlin-Hamburger Bahn, ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Oberförsterei, hat ein Realprogymnasium und zählt mit der Vorstadt, dem rechts an der Havel gelegenen Domstift und den 1875 der Stadtgemeinde einverleibten sechs Berggemeinden (1880) 7054 meist prot. E., die Fischerei, Bierbrauerei, Zuckerraffinerie, Ziegelbrennerei, lebhaften Speditions⸗ und Holzhandel, Schiffahrt und Schiffbau treiben. Der altertümliche Dom, auf einem Berge vor der Stadt, gehört zu den schönsten Kirchen der Provinz. Hier gründete Kaiser Otto I. 946 ein später dem Erzbischof von Magdeburg untergebenes Bistum, dessen Bischof gewöhnlich 15 km nördlicher in der Plattenburg oder in Wittstock residierte und welches 1548 aufgehoben wurde. Das Domstift wurde hierauf protestantisch und bestand bis zum königl. Edikt vom 30. Okt. 1810, das alle ehemaligen geistlichen Güter in der Monarchie einzog. Doch verzögerte sich die wirkliche Aufhebung des Domstifts bis 1819. H. war früher eine wichtige Festung. Im Dreißigjährigen Kriege wurde es 13. Aug. 1627 den Dänen von den Kaiserlichen, 9. Juli 1631 den letztern durch die Schweden unter Baneér, 22. Dez. 1635 sowie abermals im Juli 1636 durch Banér den Sachsen und im Juli 1637 durch den sächs. General Klitzeng den Schweden entrissen. Im J. 1870 legte eine Feuersbrunst einen großen Teil der Stadt in Asche. Vgl. Becker, «Geschichte des Bistums H.» (Berl. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 925Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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