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ErdkundeBrockhaus 1882

Frauenburg, Stadt und Sitz des Bischofs und des Domkapitels von Ermland im Kreise Braunsberg des Regierungsbezirks Königsberg der preuß. Provinz Ostpreußen, 68 km im SW. von Königsberg und 11 Kmeim WSW. von Braunsberg, am Frischen Haff und an der Mündung des Baudekanals, der einen kleinen, von zwei kurzen Steindämmen gegen Versandung geschützten Hafen (1675 angelegt) bildet, sowie an dem 25 mehohen Domberge gelegen, zählt (1880) 2621 CE. (2403 Katholiken, 204 Evangelische und 14 Juden), die Gerberei und Fischfang treiben, sowie auch Handel mit Kalk, Bier und Holz unterhalten, und hat ein Waarendepot der Reichsbank, Dampfmühle, Flachsbereitungsanstalt, Bierbrauereien Mumme) und Wasserleitung. Die hochgelegene bischöfl. Kathedrale mit sechs Türmen (ein schöner got. Backsteinbau aus den J. 1329 bis 1388) und ihrer Umgebung von allerlei Gebäuden und Türmen bildet eine Art Festung, indem eine gewaltige Mauer mit Türmen die Höhe umgibt, nach dem Haff hin der Steilabfall die Schwierigkeit eines Angriffs erhöht. Der Dom selbst enthält das Grabdenkmal des hier als Domherr 1543 gestorbenen Astronomen Kopernikus. Hinter dem Dome liegen der bischöfl. Palast und die unter Bäumen und Gärten versteckten Wohnungen der Domherren. Eine Merkwürdigkeit der Stadt war früher der längst unbrauchbar gewordene, der Sage nach von Kopernikus erbaute, in Wirklichkeit aber erst 1571 errichtete Wasserkunstturm, nach dessen Einrichtung Ludwig XIV. die berühmten Wasserkünste zu Marly anlegen ließ. F. wurde vor 1284 von Gerhard Flemming, einem Lübecker und ältestem Bruder des zweiten Bischofs Heinr. Flemming von Ermland gegründet, erhielt aber erst von des letztern Nachfolger Eberhard 8. Juli 1310 die Stadthandfeste, in der Lubisches Recht verschrieben wurde. ausschließlich für Frauen, resp. Mädchen und Kinder (auch kleinere Knaben) reservierten, von den andern Abteilungen durch bis zur Decke gehende Scheidewände 3.Das getrennten Coupés der Chenbahnen en. Das Betriebsreglement für die Eisenbahnen Deutschlands vom 11. Mai 1874 enthält darüber in §. 12 die Bestimmung: «Allein reisende Damen sollen auf Verlangen möglichst nur mit Damen in ein Coupé zusammengesetzt werden. In jedem Zuge muß sich mindestens je ein Damencoupé für die Reisenden der zweiten und dritten Wagenklasse befinden. Bei den nach amerik. System gebauten Wagen findet die letztere Bestimmung nur mit den durch dieses System gebotenen Modifikationen Anwendung.» Brancudurf, s. unter Silybum. rauendorf, Dorf in der preuß. Provinz Pommern, Regierungsbezirk Stettin, Kreis Randow, 5 km nördlich von Stettin, links an der Oder, wo eine liebliche Hügellandschaft mit fruchtbarem Boden bis an den Fluß herantritt, zählt 1776 E., welche Gemüsebau betreiben. F. ist beliebter Ver-Eiettin in ft der Stettiner und steht deshalb mit tettin in stetem Dampfschiffverkehr. Unfern steigt die Hügelregion im Juloberg zu 84 m, im Vogelsang zu 131 m Höhe auf. Fauendeei s. unter Rose. Zeit vom Feste Mariä Himmelfahrt (15. Aug.) bis zum Feste Mariä Geburt (8. Sept.), die im Volksglauben für heilig gilt. Braueulch oder Marienglas, s. u. Gips. Thurgau, liegt 418 m über dem Meere, 33 km nordöstlich von Zürich, von Wiesen und Fruchtfeldern, Obstgärten und Weinbergen umgeben, am rechten Ufer der Murg, die sich 2½ km weiter nördlich in die Thur ergießt, und an der Linie Zürich-Romanshorn der Schweizerischen Nordostbahn. Der freundliche, regelmäßig gebaute Ort besitzt ein Schloß mit uraltem Doppelturme, ein 1513 erbautes Rathaus, ein Zeughaus, eine kath. Kirche, 1286 erbaut, und eine protestantische von 1685, ein Gymnasium (Kantonsschule), ferner als Waffenplatz der Artillerie für die Schweiz eine große Kaserne und zählt (1880) als Gemeinde 5811 E., worunter 4466 Protestanten, 1309 Katholiken, 21 Israeliten und 15 Andersgläubige. Die Haupterwerbsquellen sind der Acker⸗, Obst⸗ und Weinbau und die Baumwollindustrie. — Der Bezirk Frauenfeld umfaßt 129 aEm mit 14531 C. Der älteste Teil von F. ist unzweifelhaft der mächtige Doppelturm des Schlosses, der wahrscheinlich im 11. Jahrh. erbaut wurde. Um die Burg bildete sich dann allmählich die Stadt, die zuerst 1255 urburg⸗ erwähnt wird. Von den Grafen von Kyburg, denen die Landgrafschaft Thurgau gehörte, ging dieselbe 1264 an die Grafen von Habsburg über und blieb bei Osterreich bis 1460, wo die Eidgenossen den Thurgau eroberten und in eine gemeine Herrschaft der Alten Orte verwändelten, deren Landvogt im Schlosse zu F. seinen Sitz hatte. F., das auch unter der neuen Herrschaft eine bevorrechtete Stellung und Selbstverwaltung genoß, wurde 1500 auch Sitz des thurgauischen Landgerichts und 1713—98 Versammlungsort der Tagsatzungen. Seit 1803 ist F. die Hauptstadt des durch die Mediation neugeschaffenen Kantons Thurgau der schweiz. Eidgenossenschaft, wie es auch 17981803 Hauptort des Kantons Thurgau der Helvetischen Republik war. Bei F. fand 25. Mai 1799 ein blutiges Gefecht zwischen den Osterreichern und den von helvet. Truppen unterstützten Franzosen statt, in welchem der helvet. General Weber siel. Vgl. Pupikofer, „(Geschichte der Stadt F.» (Frauenf. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 244Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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