Frankfurt an der Oder, Hauptstadt des din Bramer Regierungsbezirks der preuß. Provinz Brandenburg, liegt nebst der Gubener und Lebuser Vorstadt auf dem linken Ufer der Oder, wird durch eine 274 m lange hölzerne Brücke mit der Dammvorstadt auf dem rechten Ufer verbunden, ist Knotenpunkt der Linien Kottbus-F., F.⸗ Posen, Berlin-Sommerfeld, F.⸗Küstrin und Eberswalde-F. der Preußischen Staatsbahnen und zählt (1880) 51147 meist prot. E. Die Stadt ist der Sitz einer königl. Regierung, eines Amts⸗ und Landgerichts, der Generalkommission für die Provinzen Brandenburg und Pommern, einer Reichsbankstelle, einer Handelskammer, sowie der neumärkischen Ritterschaftsdirektion und hat fünf evang. Kirchen, unter denen die vor Erweiterung der Stadt (1253) erbaute St. Niklas⸗, jetzt reformierte Kirche und die im 14. Jahrh. vollendete Ober- oder Marienkirche architektonisch bemerkenswert, eine kath. ein und eine Synagoge, ein schönes Rathaus, ein städtisches Krankenhaus, drei Hospitäler und zwei Waisenhäuser. Die 27. April 1506 vom Kurfürsten Joachim I. gestiftete Universität wurde 1811 nach Breslau verlegt. Das Universitätsgebäude ist gegenwärtig dem Realgymnasium überwiesen. Außer dieser und andern Schulen befindet sich in der Stadt das Friedrichs-Gymnasium mit reichhaltiger Bibliothek. Die Hauptnahrungsquelle für F. ist der Handel. Die drei zu Reminiscere, Margaretha und Martini stattfindenden Messen bringen jährlich etwa 200000 Ctr. Waren zum Verkauf, doch hat die Bedeutung derselben sehr abgenommen. Die Industrie ist nicht unbedeutend und erzeugt uamte tlich Maschinen, Eisengußwaren, Porzellan⸗- und Töpferwaren, Stärke, Zucker, Dachpappe, Knochenmehl, Liqueure, Chokolade, Papier, Leder, Cigarren, Bier, Seiden- und Wollwaren. — F. erhielt 1253 Stadtrechte und war früher mit Mauern und Wällen umgeben, über deren Umkreis hinaus es sich bedeutend erweitert hat. Kaiser Karl IV. belagerte es während der Unruhen des falschen Waldemar 1348 vergeblich, ebenso 1432 die Hussiten. Gustav Adolf nahm es 3. April 1631 mit Sturm, und 1759 wurde es von den Russen besetzt. Der in der Schlacht bei dem nahen Kunersdorf 12. 28 1759 verwundete Major Ewald von Kleist, der Sänger des «Fruhlings», starb 24. Aug. in F., wo seine Ruhestätte im jetzigen Park seit 1779 mit einem Denkmal geziert ist. Daneben befindet sich das von Schadow gefertigte Denkmal des Prof. Daries (gest. 1791), in der Dammvorstadt das Denkmal des am 27. April 1785 in der Oder ertrunkenen Herzogs Leopold von Braunschweig. F. ist der Geburtsort des Dichters Heinr. von Kleist. Vgl. Hausen, «Geschichte der Universität der Stadt F.» (Frankf. a. O. 1806); Sachse, «Geschichte der Stadt . Ceaauft 1830); Spieker, «Geschichte der Stadt F.» (Frankf. 1853). Der Regierungsbezirk Frankfurt a. O zählte 1880 auf 19195 qkm 1105 493 E., worunter 24990 Katholiken und 6873 Juden, und bildet den östl. Teil der Provinz Brandenburg. Nach seiner 192 Zusammensetzung umfaßt er die ursprünglich zur Kurmark gehörigen Kreise Lebus und Sternberg, die Neumark mit Ausnahme der zu Pommern gezogenen Kreise Schievelbein und Dramburg, die Herrschaften Kottbus und Peitz, das Herzogtum Krossen, den ursprünglich zum Fürstentum Glogau gehörigen Kreis Schwiebus, endlich die Niederlausiz. Gegenwärtig zerfällt er in den Stadtkreis F. und in die 17 Landkreise: Lebus, West- und Oststernberg, Königsberg, Soldin, Arnswalde, Friedeberg, Landsberg, Krossen, Züllichau, Kottbus, Lübben, Guben, Luckau, Kalau, Sorau, Spremberg.