FeedLeo X.
GeschichteBrockhaus 1882

Leo X., einer der berühmtesten Päpste (1513— 21), geb. zu Florenz 11. Dez. 1475, hieß eigentlich Giovanni von Medici und war der zweite Sohn Lorenzos von Medici. Er erhielt in seinem siebenten Jahre die Tonsur und bald nachher eine Anzahl reicher Pfründen. Seine Studien machte er an der Platonischen Akademie zu Florenz und zu Pisa und ward 1492 Kardinal und päpstl. Legat in Toscana. Da er sich der Wahl Alexanders VI. zum Papst widersetzt hatte, vertauschte er Rom mit Florenz, bis die Vertreibung seiner Familie ihn nötigte, nach Bologna zu flüchten. Im J. 1499 besuchte er Venedig, Deutschland und Frankreich, dann kehrte er nach Rom zurück. Vom Papst Julius II. wurde er zum Statthalter von Perugia ernannt und 1511 unter dem Titel eines Legaten von Bologna an die Spitze des päpstl. Heers in der Heiligen Ligue wider Frankreich gestellt. In der Schlacht von Ravenna, 1512, wurde er von den Franzosen gefangen genommen, doch gelang es ihm, nach Florenz zu entkommen, wo die Mediceer die Herrschaft wiedergewonnen hatten. Nach Julius' II. Tod wurde er März 1513 zum Papst gewählt. Gegen das 40/ Aoett 1518 wußte er im Bunde zu Mecheln 6. April 1513) den deutschen Kaiser und die Könige von England und von Aragonien mit sich zu verbinden, und seine Heere warfen Frankreich und Venedig nieder. Als mit der Thronbesteigung Franz' I. 1515 neuer Krieg drohte, schloß L. mit dem jungen König zu Viterbo schnell Frieden und beredete ihn bald darauf bei einer Zusammenkunft in Bologna zur Aufhebung der Pragmatischen Sanktion, s owie zur Abschließung eines Konkordats, durch das die Früchte des Konstanzer und Baseler Konzils für Frankreich verloren gingen. Um die Macht seines Hauses zu vergrößern, benutzte er 1516 einen Vorwand, den Herzog von Urbino zu entsetzen, und belehnte seinen Neffen Lorenzo mit dem Herzogtum. Den vertriebenen Herzog von Urbino, der sich 1517 wieder in Besitz seines Landes gesetzt hatte, nötigte er bald von neuem zu einer Verzichtleistung. In demselben Jahre ließ er den Kardinal Petrucci, der einer Verschwörung gegen L.s Leben sich verdächtig gemacht hatte, ungeachtet des ihm gegebenen sichern Geleites erdrosseln; andere, deren Schuld nicht erwiesen war, wurden gefoltert, ihrer Würden entsetzt und verwiesen. Das Schisma wußte L. durch die Lateransynode vom J. 1513 zu beendigen. Seine Prachtliebe mußte seine Finanzen erschöpfen; um sich daher Geld zu verschaffen, besonders auch zur Vollendung der Peterskirche, ließ er der Christenheit Ablaßbriefe verkaufen. Dieser Mißbrauch gab den ersten Anstoß zur deutschen und schweiz. Reformation. Während offener Krieg in der Kirche ausgebrochen war, bemühte er sich vergeblich, gegen den türk. Sultan Selim, der Agyptens bemächtigt hatte, alle christl. Monarchen zu einem Kreuzzuge zu vereinigen. Nach dem Tode Lorenzos, der nur eine Tochter hinterlassen hatte, vereinigte L. Urbino mit den päpstl. Besitzungen; der Kardinal Giulio de Medici aber übernahm die Regierung von Florenz. Dabei verlor L. den Plan, die Macht Frankreichs in Italien zu brechen, nie aus den Augen. Zu dem Ende schloß er 1521 einen Bund mit dem deutschen Kaiser zur Wiedereinsetzung der Familie Sforza in Mailand und nahm ein Schweizerheer in Sold. Der Krieg begann; Parma und Piacenza wurden genommen und von dem Papst dem Kirchenstaate einverleibt; die Verbündeten zogen ohne Widerstand in Mailand ein und besetzten das Gebiet des Herzogs von Ferrara. L. war in Rom beschäftigt, die erfochtenen Siege zu feiern, als ihn 1. Dez. 1521 der Tod ereilte. L. war ein feingebildeter, mehr für Kunst und Wissenschaft als für Religion begeisterter Kirchenfürst, der beim ersten Auftreten der Reformation über sie als über ein Mönchsgezänk lachte. Ein echter Mediceer, prachtliebend, leichtsinnig und verschwenderisch, lebte er fast nur dem einen Interesse, sich die Mittel zur Bestreitung seines glänzenden Hofhalts zu verschaffen. Sein Nachfolger war Hadrian VI. Vgl. Roscoe, «Lite and pontificate of L. X.o (4 Bde., Liverp. 1805; neue Ausg., Lond. 1875; deutsch von Glaser, 3 Bde., pz. 1806—8); Ranke, „(Die röm. Päpster (Bd. 1, Berl. 1834; 7. Aufl. 1878): Audin,Geschichte des Papstes L. X.„(deutsch von Brug,‚, 2 Bde., Augsb. 1845); (Leonis X. Regesta (herausg. von Hergenröther, Freiburg 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 2Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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