Leo XIII., Papst seit dem 3. März 1878, früher Gioacchino Pecei, geb. 2. März 1810, aus wohlhabender bäuerlicher Familie zu Carpineto bei Anagni, ward zu Rom im Collegio romano erzogen, widmete sich in der Academia ecclesiastica den Studien, trat als päpstl. Protonotar in den Dienst der Kurie und wurde 1837 von Gregor XVI. zum päpstl. Hausprälaten und zum Delegaten in Benevent ernannt. Später erhielt er die Legation von Spoleto, dann diejenige von Perugia, wurde Erzbischof von Damiette in partibus und 1843 päpstl. Nuntius in Brüssel. Hier war er mit großem Geschickthätig, die Loslösung der kath. Kirche vom Staat zu ihrer innern Kräftigung zu verwerten. Im J. 1846 wurde er zum Erzbischof von Perugia erhoben und zum Kardinal ernannt, jedoch von dem neuen Papst Pius IX. erst w1853 bestätigt. Sein Bistum verwaltete er vortrefflich und wußte auch nach der polit. Umwälzung ein gutes Einvernehmen mit der ital. Regierung herzustellen. Im Nov. 1876 nach Rom berufen, wurde er Nov. 1877 zum päpstl. Kämmerer ernannt. Als solcher leitete er nach Pius' IX. Tode (7. Febr. 1878) die Geschäfte der Kurie und wurde 20. Febr. 1878 vom Kardinalskollegium zum Papst erwählt und am 3. März feierlich als L. gekrönt. Die öffentliche Meinung bezeichnete den neuen Papst im allgemeinen als friedliebend und erwartete, daß derselbe die obschwebenden Verwickelungen, besonders mit Italien und mit Preußen, ziemlich rasch erledigen werde. Diese Erwartung hat sich jedoch als eine irrtümliche erwiesen. In seiner ersten Encyclica, Ostern 1878, forderte er die Wiederherstellung des Kirchenstaats; dann schien er allerdings geneigt, die streitigen Prinzipien unerörtert zu lassen und in Verhandlungen über jeden einzelnen Fall einen Modus vivendi zu finden. Zum Staatssekretär ernannte er den sehr milden Franchi, der jedoch schon 1. Aug. 1878 starb. Ihm folgte der Kardinal Nina. In einem an diesen gerichteten Brief vom 27. Aug. 1878 führte L. gegenüber der Staatsgewalt eine recht gemäßigte Sprache. Auch knüpfte er durch Vermittelung des Nuntius Masella in München und des Nuntius Jacobini in Wien mit Preußen Unterhandlungen an, welche jedoch zu einem Resultat nicht führten. Die preuß. Regierung ergriff ihrerseits mehrere entgegenkommende Maßregeln, indem sie sich vom Landtage weitgehende diskretionäre Vollmachten für die Nichtausübung der Maigesetze erteilen ließ und davon reichlich Gebrauch machte. Auch wurde die preuß. Gesandtschaft beim Vatikan wiederhergestellt. In einem Schreiben an den frühern Erzbischof Melchers von Köln (24. Febr. 1880) erklärte L. auch die Anzeige der angestellten Geistlichen beim Oberpräsidenten zulassen zu können. Aber dies Zugeständnis nahm er wenige Monate nachher wieder zurück. Bergebens wartet Preußen bisher auf ein Entgegenkommen der Kurie, wenn man nicht etwa die Mitwirkung zur Wiederbesetzung einiger erledigter Kirchenämter als solches annehmen will. In Belgien entzog das Unterrichtsgesetz vom 1. Juli 1878 den Geistlichen die Aufsicht über die Volksschulen und überwies die Sorge für den Religionsunterricht dem Hause und der Kirche. Der belg. Klerus beschloß am 1. Sept. 1879 Maßregeln gegen alle Lehrer und Lehrerinnen an Staatsschulen und gegen alle Eltern, welche sie benutzten. L. lobte die belg. Bischöfe im geheimen wegen ihrer Haltung; öffentlich sprach er der Regierung seine Mißbilligung jenes Vorgehens aus. Als dies falsche Spiel an den Tag kam, schloß der Papst sich offiziell dem Vorgehen seines Klerus an (3. Mai 1880), worauf die diplomatischen Beziehungen zwischen Brüssel und Rom abgebrochen wurden. In Frankreich hat er die Dekrete vom 30. März 1880 weiche vie Lusweisung der Jesuiten und aller nicht anerkannten Kongregationen verfügten, wiederholt verdammt. In welchem Geiste L. die Kirche leitet, ergibt sich auch aus der wiederholten Ausschreibung eines Jubelablasses (15. Febr. 1879, 12. März 1881); aus der Encyklika vom Aug. 1879, welche zum Schutz gegen die verderbliche moderne Wissenschaft das Studium der Philosophie des heil. Thomas von Aquino empfiehlt und verlangt, daß die gesamte Wissenschaft sich die Aufgabe stelle, die Wahrheit der geoffenbarten Lehre der Kirche zu beweisen: aus der Encyklika vom 29. Juni 1881, in welcher die sog. Reformation als die Quelle des Kommunismus, Sozialismus und Nihilismus gebrandmarkt wird; aus dem Rundschreiben vom J. 1887, in welchem die prot. Missionare als trügerische Männer, Verbreiter von Irrtümern u. s. w. bezeichnet werden, und aus zahlreichen andern Kund⸗ %% des Papstes. Vgl. Anton de Waal, «Papst L.s XIII. Leben (Münster 1878); Vidien, XLe pape Léon XIII, sa vie, son avénement, ses écritso (Par. 1879).