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GeschichteBrockhaus 1882

Leon, span. Königreich, im nordwestl. Teile Spaniens, wird im N. durch Asturien, im O. durch Altcastilien, im S. durch Estremadura und im W. durch Portugal und Galicien begrenzt und umfaßt einen Flächenraum von 39 475,4 qkm, der (1877) von nicht mehr als 885 625 Menschen bewohnt wird. L. wird in der Mitte in seiner ganzen Breite vom Duero durchflossen und ist ein sehr gebirgiges Land; vom Minhobecken scheidet es das von N. nach SW. als kontinuierliche Mauer hinziehende Leongebirge; an der Südgrenze erheben sich die höchsten Teile des castil. Scheidegebirges (Sierra de Gredos und Sierra de Gata), während die an der Nordgrenze liegenden schneebedeckten astur. Gebirge ihre Ausläufer weit hinein in das Königreich erstrecken. Der Boden ist meist fruchtbar und zu einem Drittel mit Wald bedeckt, namentlich im nordwestl. Teile, im Distrikt Vierzo, finden sich schöne Eichen- und Kastanienwälder, während das tiefer liegende Hochplateau von L. äußerst holzarm ist. Dagegen ist der Anbau dürftig. Merinoherden bilden den Hauptreichtum des Landes. Die Bewohner, Leonesen, sind in den untern Schichten im allgemeinen ungebildet und indolent, aber ehrlich, freimütig, wahrheitsliebend, gutmütig, gastfrei und tapfer und haben viele eigentümliche Sitten und Gebräuche. Im Süden von Salamanca leben auf dem Plateau noch Reste der Goten und bei Astorga Celtiberer (die Maragatos). In den ältesten Zeiten war das Land abwechselnd von Römern, Sueven, Westgoten und Sarazenen beherrscht, bis die Spanier hier um 910 ein eigenes Königreich gründeten, das, 1037 mit der Krone Castilien (s. d.) vereint, nach Alfons' VIII. Tode 1157 wieder davon getrennt, 1230 jedoch aufs neue damit verbunden wurde und seitdem die Schicksale dieses Reichs teilte. (S. Spanien.) L. wird in administrativer Hinsicht in die drei Provinzen Leon (15 971 akm, 1877 mit 350210 CE.), Zamora und Salamanca eingeteilt. Die Hauptstadt Leon, die Legio septima gemina der Römer, von der das Königreich den Namen erhalten, links an der Bernesga und dem Torio, sowie an den Linien Palencia-Coruna und L.⸗Gijon der Spanischen Nordwestbahn gelegen, mit (1877) 11515 E., ist der Sitz eines Bischofs und einer gelehrten Schule, hat einschließlich der prachtvollen got. Kathedrale 14 Kirchen, die mit ihren vielen Türmen der Stadt ein großartiges Aussehen geben, vier Hospitäler, ein prächtiges Rathaus und verschiedene Paläste alter Grandengeschlechter. Die 100 mlange, 42 mebreite, dreischiffige Kathedrale enthält die Grabmäler des heil. Isidro und vieler Könige von L. Die Stadt ist der Mittelpunkt des in neuerer Zeit freilich sehr gesunkenen span. Lein- und Leinwandhandels, war früher auch der Hauptstapelplatz des span. Wollhandels und hält jährlich einen sehr besuchten Pferdemarkt. L. wurde 742 von Don Pelayo, dem Gründer des Reiches L. und der span. Monarchie, den Arabern entrissen, denen es noch einmal 983 auf kurze Zeit in die Hände fiel. Infolge der Vereinigung des Reichs mit Castilien kam die Stadt in Verfall.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 5Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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