Leopardi (Giacomo, Graf), bedeutender ital. Dichter und Philolog, geb. zu Recanati 29. Juni 1798, war von Jugend auf kränklich und körperlich verbildet. Im väterlichen Hause erzogen, gab er sich mit größtem Eifer dem Studium der alten klassischen Litteratur hin. Die Anschauungen, welche er sich von der Alten Welt bildete, dienten dem Schmerze, den ihm der klägliche Zustand des neuern Italien verursachte, zur Folie. Sein Gesang an Italien (Rom 1818) machte tiefen Eindruck. Es folgten die an Ang. Mai bei Gelegenheit der Auffindung der Bücher Ciceros De republicas gerichteten Verse, die zu dem Ausgezeichnetsten gehören, was die Lyrik der Italiener aufzuweisen hat. L. besuchte 1822 Rom, wo er sich philol. Studien widmete. Infolge seiner körperlichen Leiden sah er sich jedoch nach seiner Rückkehr nach Recanati genötigt, seinen philol. Studien fast ganz zu entsagen. Der Schmerz über seine unglücklichen Verhältnisse erregte eine pessimistische Stimmung in ihm, welche, verwebt mit der Trauer über die Gesunkenheit seiner Nation, auch in seinen Gedichten sich kundgibt. Die erste Sammlung derselben erschien 1824 zu Bologna. Im J. 1825 besuchte L. Oberitalien und verweilte längere Zeit in Mailand, dann in Florenz. Hierauf erschien die zweite Sammlung seiner Canzonen (Bologna 1826), der eine Sammlung vermischter Aufsätze unter dem Titel «Operette moralip (Mail. 1827), eine Ausgabe von Petrarcas lyrischen Gedichten mit einem vortrefflichen Kommentar und eine Auswahl seiner «Cantio (Flor. 1831) folgte. L. an 1833 nach Neapel, wo er 14. Juni 1837 starb. Seine Werke gab Ranieri heraus (EOperen, 4Bde., Flor. 1846 — 80), wozu noch die von Cugnoni herausgegebenen Opere inediter (2 Bde., Halle 1878 —80) kamen. übersetzungen seiner Lyrischen Dichtungeno lieferten Kannegießer (Lpz. 1837) und, mit einer vortrefflichen Einleitung über L.s Leben und Wirken versehen, Hamerling (Hildburgh. 1866) und G. Brandes (Hannov. 1869). Auskunft über alle Ausgaben und übersetzungen gibt Cappelletti, Bibliografia Leopardiana (Parma 1882). Vgl. Bouché-Leclerg, Giacomo L. Sa vie et ses uvreso (Par. 1874); Teresa Leopardi, «Notes biographiques sur L. et sa familles (Par. 1881); Montefredini, La vita e le opere di Giacomo L.„ (Mail. 1881); Piergigli, «Nuovi documenti intorno agli scritti ed alla vita di Giacomo L.o (Flor. 1882); Ranieri, «Sette anni di sodalizio con Giacomo L. (Neap. 1880).