Lesghier, auch Lesghinen, bei den Georgiern, Armeniern und Osseten Leki, ist der Name eines Volks in Kaukasien, welches in vielen Stämmen den größten Teil der Landschaft Daghestan (. d.) bewohnt. Die unter diesem Namen benannten Stämme gelten als die Urbewohner ihres kahlen, von furchtbaren Abgründen und tiefen Schluchten zerrissenen, wenig fruchtbaren Gebirgslandes. Von jeher den Verheerungen des Kriegs ausgesetzt, haben diese Stämme sich in große Dörfer (Aule) zusammengezogen, die nicht selten mehrere tausend Einwohner zählen. Gewöhnlich sind diese Ortschaften an schwer zugänglichen Stellen erbaut, sodaß sie leicht als Festung dienen können. Die L. sind ein mannhaftes, kampftüchtiges und kriegerisches Volk, welches wiederholt das ihm auferlegte Joch der Fremdherrschaft abschüttelte. In neuerer Zeit gelang es Schamyl (s. d.), alle lesghischen Stämme des Gebirgsdaghestan zu vereinigen und sich hierdurch die Stütze seiner Macht zu begründen. Seit dessen Sturze jedoch (1859) haben die Russen, welche schon vorher in einzelnen Teilen des Landes festen Fuß gefaßt, alle lesghischen Stämme mehr oder minder von sich abhängig gemacht und das ganze Daghestan unter militärische Verwaltung gestellt. Man schätzt die Zahl der L. auf 461000. Vom Christentum, das wiederholt in Daghestan eingeführt, aber nie recht einheimisch wurde, sind bei den L. nur wenige Spuren übriggeblieben. Der herrschende Glaube des Landes ist der von Schamyl in neue Formen gefaßte Islam (Muridismus). Die kleinen einheimischen Fürsten, welche die Russen anfangs noch bestehen ließen, sind jetzt größtenteils beseitigt, vielfach bestehen freistaatliche, bisweilen zu Genossenschaften vereinigte Gemeinden. Die Gesamtzahl der verschiedenartigen Gemeinwesen wird auf 39 angegeben. Die sehr voneinander abweichenden Sprachen der lesghischen Stämme bilden einen eigenen Sprachtypus. Die wichtigsten derselben sind die Awarische, Kasikumüksche, Akuschinsche, Udische, Hürkanische und Kürinsche. Von allen diesen hat Baron von Uslar (s. d.) Sprachproben veröffentlicht, welche A. Schiefner in den Schriften der petersburger Akademie der Wissenschaften (1863—73) verarbeitet hat und worauf Fr. Müller in seinem (Grundriß der Sprachwissenschafto» (Bd. 3, Wien 1885) seine lichtvolle systematische Darstellung gegründet hat. (S. Kaukasische Bergvölker.)