FeedMingrelien
GeschichteBrockhaus 1882

Mingrelien, d. h. das Land der tausend Quellen, ehemaliges Fürstentum, seit 1804 ein Teil des russ. Gouvernements Kutais in Kaukasien, zwischen Imeretien und Abchasien gelegen, grenzt im W. an das Schwarze Meer, im N. an den Fluß Ingur, im O. an den Tzchate oder Pferdefluß (Hippios der Alten) und die Hochkämme des Kaukasus, im S. an den Rion und bildet einen Teil des alten Kolchis (. d.. Das Land ist nur an der Küste flach, sonst von Mittel⸗ und Hochgebirgen erfüllt, sehr wasserreich, mit kräftiger, üppiger Vegetation, hat ungemein fruchtbaren Boden, aber ungesundes Klima, namentlich in der heißen Zeit, wo Fieber in hohem Grade herrschen. Mais, Holz, Wolle und Wachs sind die bedeutendsten Handelsprodukte. Doch gibt es auch Eisenminen und Schmelzöfen, und 1865 wurde im Thal des Ingur ein Goldlager entdeckt. Das eigentliche M. zerfällt in drei Bezirke: Sugdidi, Senak und Letschgum, welche 1881 zusammen auf 9137 qkm 211215 CE. zählten. Die Einwohner bekennen sich durchweg zur orthodoxen griech. Kirche. Die Mingrelier gehören zum georgischen Stamm, nennen sich selbst Kadsariah und gelten für sehr roh und unkultiviert. Nachdem der Fürst (Dadian) von M. sich 1804 unter Rußland zu Lehn begeben, blieb das Land mit seinem Fürsten in Witteldarem Verhältnis zum Russischen Reiche; nur das Recht der militärischen Besetzung des Landes und die Todesstrafe behielt sich der russ. Kaiser vor. Fürst Nikolaus (geb. 4. Jan. 1847) entsagte 4. Jan. 1867 seinen Souveränetätsrechten zu Gunsten des Kaisers von Rußland und erhielt den Titel Fürst von Mingrelienv und Durchlauchty. Die Stadt Redut-Kaleh, eine 1821 von den Russen angelegte Befestigung an der Mündung des Chopi, hat außer den Befestigungswerken eine Kaserne, einen Bazar- und 620 E. Nur 15—20 km südlicher liegt links an der Mündung des Rion (Phasis) die früher zu Guria gerechnete Stadt Poti mit 3320 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 748Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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