FeedLessing (Karl Friedr.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Lessing (Karl Friedr.), einer der ausgezeichnetsten neuern deutschen Maler, geb. 15. Febr. 1808 zu Breslau. Sein Vater, ein Neffe von Gotthold Ephraim L., war Kanzler der Standesherrschaft Wartenberg. L. besuchte das kath. Gymnasium zu Breslau und später die Bauakademie in Berlin. Bereits 1825 erregte er durch sein erstes Bild: Kirchhof mit Leichensteinen und Ruinen, Aufsehen. L. hatte inzwischen die Bekanntschaft W. Schadows gemacht und folgte diesem nach Düsseldorf. Im J. 1829 führte er im Gartensaale des Grafen Spee zu Haltorf die Schlacht bei Jconium aus, womit ein Bildercyklus aus dem Leben Friedrichs des Rotbarts, der bei der Übersiedelung von Cornelius nach München unvollendet gelassen worden war, seinen Abschluß erhielt. Der seitdem beginnenden romantisch-sentimentalen Richtung der Düsseldorfer Schule neigte sich auch L. zu, aber die Strenge seines Wesens sicherten ihn vor Verirrung und bewahrten ihm die Selbständigkeit. Hierher gehören sein trauerndes Königspaar (gestochen von Lüderitz) und seine Leonore 1832 (lithographiert von Jentzen), malerische Behandlungen der betreffenden Gedichte von Uhland und Bürger. Mit F. von üchtritz hatte L. schon früher histor. Studien getrieben, wobei ihm vorzüglich die Geschichte Böhmens anzog. Das Resultat davon waren die Entwürfe zur Hussitenpredigt und zum Huß auf dem Konzil, entstanden 1831. In der nächsten Zeit malte L. eine Anzahl Landschaften, in denen elegische Stimmung vorwaltet, unter andern einen Klosterkirchhof im Winter mit einem offenen Grabe, in welches ein Mönch hineinschaut, eine Waldlandschaft, eine Spätherbstlandschaft etc. Diese Bilder zeugen von hochpoetischer Naturauffassung. Im J. 1836 wurde das eine Historienbild, die Hussitenpredigt (im Besitz des Königs von Preußen, jetzt in der Nationalgalerie, lithographiert von H. Eichens, gestochen von Hoffmann), vollendet. Das Bild machte auch 1837 in Paris Watalte Aufsehen und brachte L., der schon 1832 Mitglied der berliner Akademie geworden, die große goldene Medaille ein. Nebenher entstanden eine große Felsenlandschaft, ein Eichenwald im Spätherbst, ein See in der Vertiefung eines eingefallenen Kraters. Andere Landschaften (darunter die berühmte tausendährige Eiche 1837, radiert von Steifensand), sowie das Figurenbild Ezzelin von Mailand im Gefängnis kamen ins Städelsche Institut zu Frankfurt a. M. Nachdem L. noch die Gefangennehmung des Papstes Paschalis II. durch Kaiser Heinrich V. in kleinerm Maßstabe gemalt, ging er an die Darstellung von Huß vor dem Konzil zu Konstanz (1842 in Berlin ausgestellt), eins seiner durch Charakteristik und Gediegenheit des Vortrags ausgezeichnetsten Geschichtsgemälde, ebenfalls Eigentum des Städelschen Instituts in Frankfurt. Im J. 1846 entstand eine seiner edelsten und poesievollsten Stimmungslands chaften: der Klosterbrand (Galerie Liechtenstein in Wien), dann die Landsknechte auf der Höhe, welche sie verteidigen (1848, düsseldorfer Galerie). Im J. 1850 beendete er sodann das letzte Bild des Cyklus zur Geschichte des Huß, welches den Märtyrer der Böhmen vor dem Scheiterhaufen darstellt. Dieses sein umfangreichstes Bild besitzt die Nationalgalerie zu Berlin. Im J. 1853 malte er die Verbrennung der päpstl. Bannbulle durch Luther, ein Bild, welches voll sprechender Charakteristik die Scene vor dem Elsterthore in Wittenberg schildert. Es gelangte nach Neuyork. Für den König von Preußen wiederholte L. lebens-Reb. die Gefangennahme des Paschalis (1857). Reben diesen geschichtlichen Kompositionen gingen andere her, welche keinen bestimmten Vorgang schildern, sondern stimmungsvolle Orts- und Zeitcharakteristik geben, wie der Jäger (in der Galerie Ravené in Berlin) und die Kreuzfahrer, welche in der Wüste Wasser finden (leinmal für den Großherzog von Baden, ein zweites mal für Raczynski gemalt). Im J. 1858 ging L. als Galeriedirektor nach Karlsruhe, wo er 5. Juni 1880 starb. Außer Landschaften lieferte er auch mehrere Porträts, wie z. B. das des Großherzogs und mehrerer Personen des bad. Hofs (1864). Seit 1866 beschäftigte sich der Künstler wieder mit einem Reformationsbilde, welches die Disputation zwischen Luther und Eck 1519 darstellt. In seinen letzten Jahren wandte sich L. wieder der Landschaft zu und entlehnte seine Motive meist der Eifel. Hierher utet unter andern die Abendlandschaft an der Mosel mit der Klosterkirche (darmstädter Museum).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 28Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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