Cornelius (Peter von), einer der ersten Meister der neuern deutschen Malerei und hauptsächlicher Begründer des monumentalen Stils derselben, geb. 23. Sept. 1783 zu Düsseldorf, bildete sich zuerst auf der dortigen Akademie unter Langers Leitung aus. Doch führte ihn sein Genie schon das einen eigentümlichen Weg und öffnete ihm as Auge für die auf tiefster Wahrhafti keit beruhende Schönheit der Werke alter deutscher Meister, die infolge der Revolutionskriege massenhaft aus ihren alten Heimstätten in Kirchen und reliiösen Häusern verdrängt wurden. In dieser Richtung ward ihm die nahe Beziehung zu den Gebrüdern Boisserée, welche sich um Sammlung und Erhaltung der ältern Kunstwerke besonders verdient machten, fürs ganze Leben bedeutsam. In seinem 19. Jahre bern te er sich, auf Veranlassung des kunstsinnigen —.— in der Wandmalerei und schmückte die alte Kirche zu Neuß mit einigen heiligen Darstellungen. Im J. 1809 siedelte er nach Frankfurt über und begann hier den Cyklus von Darstellungen zum «Fausto (Eigentum des Städelschen Instituts zu 9, welch von Ruscheweyh und Thäter gestochen), welche trotz ihrer leichten Umrißzeichnung an Größe des Formgefühls, Tiefe der Auffassung und Gewalt des Ausdrucks alle gleichzeitigen Werke ihrer Gattung weit überragen und einen Charakter ankündigen, der sich dem gefallsüchtigen Wesen der Kunst des 18. Jahrh. mit sittlichem Pathos entgegenstellt. Die Reife empfing C. in Rom, wohin er 1811 zum ersten male kam. Hier entstanden zunächst die Kom⸗ — zum Ribelungenlied » (gestochen von Amsler, Barth, Lips und Ritter), die von patriotischer Empfindung durchweht, eine fast noch rücksichtslofere Energie der Formgebung bekunden. In der Gemeinschaft mit gleichgesinnten Genossen, unter denen namentlich Fr. Overbeck hervorragt, befestigte sich die aufs Bedeutende und Charaktervolle gerichtete Kunstanschauung des jungen sißt, sind unter K aufzusuchen. Meisters, die immer entschiedener auf monumentalen Ausdruck hindrängte. Um eine Probe abzulegen, erbat er sich gemeinschaftlich mit Overbeck, Veit und W. Schadow einen Saal der vom damalien preuß. Konsul Bartholdy, einem hochgebildeten Kunstfreunde, bewohnten Casa Zuccari auf Monte-Pincio, um denselben in der damals wieder ins Leben gerufenen Freskotechnik, deren sich die ältern ital. Meister bedient hatten, mit Bildern zur Geschichte Josephs auszumalen, von denen C. die Traumdeutung und die Wiedererkennung der Brüder übernahm (gestochen von A. Hoffmann). Diese Werke, die in ihrer erhabenen Einfachheit den glücklichen Einfluß erkennen lassen, welchen die großen Historienmaler Italiens, namentlich Masaccio und Rafael auf C. ausgeübt, bezeichnen den Beginn einer zu immer großartigern Aufgaben emporsteigenden Laufbahn. Sie hatten zunächst die Folge, daß der Marchese Massimi C. und seine Freunde mit Ausschmückung seines in der Nähe des Lateran in Rom gelegenen Gartenhauses betraute. Zu diesem Zwecke entwarf C. die Deckenkompositionen zu Dantes «Paradieso (lithographiert von Eberle), wurde aber an der Ausführung durch den Ruf des damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern verhindert, der die Säle der neu erbauten Glyptothek in München monumental geschmückt sehen wollte. Im J. 1819 verließ C. Rom, um diese Malereien zu beginnen, gleichzeitig aber sollte er die Leitung der Akademie zu Düsseldorf übernehmen, zu welcher er besonders auf Betrieb Niebuhrs, der seine hohe Bedeutung erkannt und durch seinen persönlichen Einfluß viel zur Entwickelung des Meisters beigetragen hatte, von der preuß. Regierung ausersehen war. Winter und Sommer den Aufenthalt wechselnd, entfaltete nun C. eine erstaunliche Thätigkeit. Auf der düsseldorfer Akademie, wo sich zahlreiche talentvolle Schüler um ihn sammelten, wurden Vorstudien betrieben und die Kräfte geübt, die sich an den münchener Arbeiten bewähren sollten. Hier füllten sich unter eifriger Bethätigung der Schüler die Decken und Lünetten der Glyptothek mit den in reicher architektonischer Gliederung angeordneten Darstellungen zur griech. Göttermythe und zum trojanischen Sagenkreise, deren Kartons in der königl. Nationalgalerie zu Berlin aufgestellt sind, während die Gemälde selbst meist von Schlotthauer und Zimmermann nach den Vorlagen des Meisters vollendet wurden, den König Ludwig 1825 zum Direktor der Akademie in München ernannte. Die Säle der Glyptothek enthalten in der Vorhalle einleitende Mythendarstellungen, sodann die Geschichten der Götter, in denen die Gemieinschaft der Götter und Menschen geschildert, der Sieg der Liebe über Natur und Gottheit verherrlicht wird. Die Hauptgemälde der obern halbrunden Wandflächen sind: Zeus als Herrscher des Olymp, Poseidon als König der Wasserwelt, Pluto in der Unterwelt, durch Orpheus zur Erlö6. Eurydices bewegt (letzteres gestochen von E. Schäffer); im Heroensaale bilden die Hauptgegenstände: Achills Zornausbruch gegen Agamemnon, Kampf um den Leichnam des Patroklos und Zerstörung der Burg Ilion (letzteres gestochen von Merz), während auf die Deckenfelder die wichtigsten übrigen Momente aus dem Trojanischen Kriege u. a. verteilt sind. An diese großen Gemäldecyklen, welche 1830 vollendet waren, schließen sich der Gattung nach die Kompositionen zum Deckenschmuck des Korridors der Pinakothek an, in welchen C. eine bildliche Erzählung der Geschichte der Malerei vom Mittelalter bis zur Neuzeit mit unerschöpflichem Reichtum der Phantasie entwarf (die Originalentwürfe von Merz gestochen und von E. Förster mit Text herausgegeben, Lpz. 1874). Das zweite Hauptwerk, welches C. im Auftrage des Königs von Bayern auszuführen hatte, war die Dekoration der neu erbauten Ludwigskirche in München mit Wandgemälden religiösen Inhalts. Die Kartons zu denselben (jetzt meist in der Nationalgalerie zu Berlin) wurden teilweise in Rom gezeichnet, wo C. öfters verweilte; sie enthalten Hauptmomente der neutestamentlichen Geschichte von der Geburt Christi (gestochen von Merz) bis zum Jüngsten Gericht (gestochen von demselben), sowie Gruppen Heiliger und die Einzelfiguren der Evangelisten in kolossalem Maßstabe. Die Ausführung der Gemälde siel größtenteils andern Händen zu, doch ist das Hauptbild Jüngstes Gericht, das größte I*+½ eristierende Freskogemälde, von C. ganz selbständig vollendet. Im J. 1841 wurde C. vom König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufen, wo ihm eine nicht minder großartige Thätigkeit bereitet werden sollte. Er übernahm die Aufgabe, in einem großen Wandgemäldecyklus die Hallen des neu zu erbauenden Campo-Santo, der preuß. Fürstengruft, mit Darstellungen des christl. Epos zu schmücken. Das große Unternehmen ist bisher unausgeführt geblieben, allein C. hat die Entwürfe zu sämtlichen Bildern gezeichnet (Originale im Museum zu Weimar, gestochen von Thäter) und die Kartons zu einer der Wände in der beabsichtigten Größe ausgeführt (seit 1876 in der Nationalgalerie zu Berlin), sodaß eine Vorstellung des gigantischen Werks ermöglicht ist. Der Inhalt dieser Kompositionen, welche auf die vier Seiten des oblongen Raums verteilt gedacht waren, ist: der Sieg Christi uber leiblichen und geistigen Tod, das Walten der Gnade Gottes über der sündhaften Menschheit, die der 5 Geschichte und das Ende der Dinge nach der Offenbarung. Sie sind so disponiert, daß eine Reihe von Bildergruppen entsteht, von denen jede drei nach Bedeutung und Maßstab verschiedene Bestandteile enthält; Hauptbild, Sockelbild und halbrundes Giebelbild (Lünette); dazwischen sollten in scheinbaren Nischen große grau in grau gemalte, in der Wirkung der Plastik entsprechende Gruppen die Seligpreisungen der Bergpredigt charakterisieren. Durchgeführt sind nur die Kartons zu den Gemälden Einer Wand: die Apokalyptischen Reiter (besonders gestochen von Thäter) und darüber die Engel des Zornes, der Sturz Babels und darüber der zur Ernte sich anschickende Menschensohn, die Auferstehung der Toten und darüber der weckrufende Weltrichter, die Erscheinung des neuen Jerusalem und darüber der Sturz Satans; unterhalb in vier Friesstreifen (Predellen) die Werke der eher Orsfartie In seiner Totalität und nvermöge der Großartigkeit der Gestaltung und des Reichtums tiefsinniger Bezüge muß das Werk als die bedeutendste Darstellung dieses Stoffs bezeichnet werden, die jemals von einem Maler unternommen worden ist. Die Mehrzahl der Kartons zeichnete C. in Rom, wo er zuletzt 1853 — 61 dauernd verweilte. Bis zum letzten Tage fast an der Vervollständigung der Kartons zum Campomißt, sind unter K aufzusuchen. Santo thätig, starb er 6. März 1867 in Berlin. Am 24. Juni 1879 wurde ihm in seiner Vaterstadt Düsseldorf ein Bronzedenkmal errichtet (von Donndorf) und 1881 seine Marmorstatue (von Calandrelli) in der Vorhalle des berliner Museums aufgestellt. Seine Kolossalbüste in Bronze (von Wittig) befindet sich in der Nationalgalerie in Berlin. Von C.' Einzelwerken, die neben den großen monumentalen Cyklen entstanden, sind hervorzuheben: Christus in der Vorhölle (Galerie Raczynsti), Lady Maebeth (gestochen von Burger), Hagen den Nibelungenhort versenkend (Nationalgalerie), Romeo und Julia (Städelsches Institut, gestochen von Schäffer), Zeichnungen zu Tasso (gestochen von Eichens), farbiger Entwurf zum berliner Dombilde, darstellend die Erwartung des Jüngsten Gerichts (Nationalgalerie), Zeichnungen zu dem von König Friedrich Wilhelm IV. dem Prinzen von Wales als Pathengeschenk gewidmeten „Glaubensschildey (modelliert von Fischer, gestochen von A. Hoffmann und L. Schubert). Vgl. über C.' Leben und Kunst: Riegel, «C. der Meister deutscher Malereis (Hannov. 1866; 2. Aufl. 1870); A. von Wolzogen, «Peter von C. » (Berl. 1867); Herm. Grimm, «Essaysso; Ernst Förster, „Peter von C. Ein Gedenkbuch aus seinem Leben und Wirkeno (2 Bde., Berl. 1874); Carriere, Peter C.y (in Bd. 7 des Neuen Plutarcho, Lpz. 1880).