FeedLette (Wilh. Adolf)
GeschichteBrockhaus 1882

Lette (Wilh. Adolf), ein besonders durch seine Arbeiten über Landeskultur ausgezeichneter preuß. Staatsbeamter, geb. zu Kienitz in der Neumark 10. Mai 1799, besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und widmete sich zu Heidelberg, Berlin und Göttingen dem Studium der Rechte. Nach dem Wartburgfeste in die sog. demagogischen Untersuchungen verwickelt, wurde L. zu einem Monat Gefängnisstrafe und zum Ausschlusse vom Staatsdienst verurteilt, jedoch schon 1821 als Auskultator in Frankfurt a. O. angenommen. Nach kurzer Amtsthätigkeit in Landsberg erlitt er wegen Verbreitung des Karl Follenschen Gedichts 430 oder 335 eine halbjährige Haft in der berliner Hausvogtei, wurde 1825 bei der Generalkommission zu Soldin angestellt, 1834 nach Stargard versetzt und 1835 Oberlandesgerichtsrat in Posen. Im J. 1840 zum Dirigenten der landwirtschaftlichen Abteilung der Regierung zu Frankfurt a. O. ernannt und 1. April 1843 als vortragender Rat in das Ministerium des Innern berufen, trat L. 1845 als Präsident an die Spitze des für das ganze Königreich neuerrichteten Revisionskollegiums für Landeskultursachen. Neben seiner Amtsthätigkeit wandte er der Begründung, Einrichtung und Leitung verschiedener gemeinnütziger Vereine, z. B. des Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen, des Kongresses deutscher Volkswirte, des Vereins zur Förderung der Erwerbsthätigkeit des weiblichen Geschlechts päter Lette-Verein genannt, s. unter Frau enfrage, Bd. VII, S. 247.), des berliner Handwerlervereins, der Pestalozzi-Stiftung u. s. w. eine fortdauernde Thätigkeit zu. Im März 1848 war er einer der Begründer und Leiter des Konstitutionellen Klubs zu Berlin; zum Mitglied der Deutschen Nationalversammlung erwählt, gehörte er in dieser zur sog. Casinopartei und war besonders im volkswirtschaftlichen Ausschuß thätig. L. trat 1851 für den Wahlbezirk Mühlheim in die Erste Kammer, 1852 —55 für Halle und seitdem für den Wahlbezirk Königsberg i. N. in das Haus der Abgeordneten. Hier gehörte er zu den Führern der liberalen Partei, welche seiner hervorragenden jurist. Befähigung eine Anzahl der gediegensten Gesetzentwürfe verdankt. Im J. 1867 wurde L. in Königsberg i. N. auch in den Norddeutschen Reichstag gewählt. Er starb 3. Dez. 1868 in Berlin. Von den Schriften L.s sind außer der Beleuchtung der preuß. Eherechtsreform (Frankf. a. O. 1842) besonders zu nennen: Die ländliche Gemeinde⸗ und Polizeiverfassung in Preußens östl. und mittlern Provinzeno (Berl. 1848), «Die Gesetzgebung über Benutzung der Privatflüsse zur Bewässerung von Grundstücken“ (Berl. 1850), „Die Landeskulturgesetzgebung des preuß. Staatso (mit Rönne, 3 Bde., Berl. 1853— 54), sein Hauptwerk.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 31Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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