Levetzow (Albert Erdmann Karl Gerhard von), Präsident des Deutschen Reichstags 1881—84, geb. 12. Sept. 1828 auf Gossow bei Königsberg in der Neumark, besuchte das Marienstiftsgymnasium zu Stettin, studierte Jura und Kameralia in Berlin, Heidelberg und Halle, trat 1849 in den preuß. Justizdienst, wurde 1855 zum Gerichtsassessor, 1856 zum Regierungsassessor ernannt und 1857 als Hilfsarheiter ins Kultusministerium berufen. Die übernahme des väterlichen Gutes Gossow veranlaßte ihn 1860 aus dem Staatsdienste auszuscheiden und sich der Landwirtschaft zu widmen. Im J. 1866 nahm er als Führer einer Landwehrschwadron an dem Deutsch-Osterreichischen Kriege teil und wurde 1867, nachdem er vorher bereits in ständischen und Gemeindeämtern, sowie im Kommunal⸗ und Provinziallandtage thätig gewesen, von seiner Heimat in den Norddeutschen Reichstag gewählt, wo er sich der konservativen Partei anschloß. In demselben Jahre erfolgte seine Ernennung zum Landrat des Kreises Königsberg in der Neumark. Aus diesem Amte, das ihn 1871 veranlaßte, auf eine Wiederannahme seines Reichstagsmandats zu verzichten, schied er 1876 infolge seiner Wahl zum Landesdirektor der Provinz Brandenburg. Seit 1877 wieder Mitglied des Reichstags, wurde er von diesem im November 1881 zum ersten Präsidenten erwählt und behauptete diese Würde bis zum Ablauf der Session 1883/84. Bei der Neuwahl des Reichstags im Herbst 1884 unterlag er einem fortschrittlichen Gegenkandidaten, nachdem er kurz Nitall bei der Reorganisation des Staatsrats zum Mitglied dieser Körperschaft auf Lebenszeit berufen worden war.