FeedLeukämie
HeilkundeBrockhaus 1882

Leukämie (grch., von e*ss, weiß, und alua, Blut), auch Leuchämie, Leukocythämie oder Weißblütigkeit, heißt eine eigentümliche, erst in den letzten Jahrzehnten durch Virchow erkannte Krankheit, bei welcher die weißen Blutkörperchen außerordentlich vermehrt, die roten dagegen erheblich vermindert sind. (S. Blut.) Eine solche Beschaffenheit des Blutes kann vorübergehend eintreten (z. B. nach Blutverlusten), ohne daß L. besteht. Charakteristisch ist für die L. außer der eben angeführten Veränderung der Blutbeschaffenheit noch eine bald mehr, bald minder beträchtliche Anschwellung der Milz Lien) oder der Lymphdrüsen, wonach man eine lienale und eine lymphatische L. unterscheidet. Auch finden sich häufig Veränderungen des Knochenmarks (myelogene L.). Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine vermehrte Bildung der weißen Blutkörperchen, die nur zum geringsten Teile die normale Umwandlung in rote Blutkörperchen erfahren und dadurch eine wesentliche Beeinträchtigung der wichtigen physiol. Funktionen des Blutes hervorrufen. Die Krankheitssymptome lassen sich fast alle leicht aus diesen Verhältnissen ableiten. Die Kranken bekommen ein blasses, selbst wachsbleiches Aussehen, fast wie Bleichsüchtige, magern ab, haben Atemnot, fühlen Beschwerden von der geschwollenen Milz und den Lymphdrüsen (auch die Leber schwillt etwas an) und leiden nicht selten an Blutungen aus der Nase, dem Darme, der Haut. Geht der Patient nicht an den Blutungen rasch zu Grunde, so kann er sich mit diesem Leiden jahrelang hinschleppen, bis er endlich der Erschöpfung erliegt. Die L. ist eine nicht eben häufige Krankheit, welche fast nur im mittlern Lebensalter vorkommt und Männer häufiger als Weiber befällt. Eine Ursache der Krankheit ist noch nicht bekannt und alle Heilversuche waren bisjetzt vergebens. Vgl. Mosler, Die Pathologie und Therapie der L.v (Berl. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 37Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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