FeedLustgas
HeilkundeBrockhaus 1882

Lustgas oder Lachgas (lengl. laughing gas) ist Stickstoffoxydulgas, eine 1776 von Priestley entdeckte und 1809 von H. Davy untersuchte gasförmige Oxydationsstufe des Stickstoffs, welche früher nur in den Laboratorien als chem. Präparat im kleinen dargestellt wurde, gegenwärtig jedoch, seit seiner Einführung in die Therapie, im großen Betriebe fabriziert wird. Davy hatte bereits beobachtet, daß dieses Gas, eingeatmet, beim Menschen eine eigentümliche Erregung bewirkt, ein seltsames Trommeln in dem Gehörorgane verursacht und ein besonderes Wohlbehagen im Körper und dann die Erscheinungen der Heiterkeit hervorruft, bis allmählich die Sinne schwinden. Bei fortgesetzter Atmung erfolgt vollständige Bewußtlosig—⸗ keit und schließlich der Tod. Diese durch Davy bekannt gewordene Eigenschaft des Gases, Bewußtlosigkeit hervorzurufen, wurde indes erst später praktisch verwertet. Bereits 1844, also drei Jahre früher, als das Chloroform von Simpson eingeführt wurde, wandte Horace Wells das L. an sich selbst an, wobei ein Chemiker, Colton, die Narkose leitete. Verbreitung fand diese Methode jedoch erst 1867, wo durch den pariser Zahnarzt Evans die Narkose zur Zahnextraktion durch L. Verwertung fand. Das L. wird jetzt allgemein durch Erhitzen von salpetersaurem Ammoniak und Waschen des sich entwickelnden Gases durch Eisenvitriollösung, dann durch Natronlauge und endlich durch Kalkmilch dargestellt. Interessant ist die Kompression des Gases behufs kaufmännischer Verwertung. Das komprimierte Gas gelangt in eisernen Flaschen in den Handel. Im J. 1871 belief sich in London der Verkauf komprimierten L. auf 146211 Gallons, 1872 auf 214478 und 1873 auf 202 252 Gallons (die Abnahme von 1873 findet ihre Erklärung durch einen Todesfall während der Narkose); seitdem ist der Konsum wieder stetig gestiegen. In Deutschland wurde das komprimierte Gas durch die Firma Ash u. Son, London, eingeführt. Für die Anwendung des Gases wurden zahlreiche Apparate konstruiert, um die Inhalationen zu erleichtern. Es finden sich einfache Mundstücke, durch welche das Gas ohne weiteres hindurchströmt, und kompliziertere, welche das gleichzeitige Eintreten von Luft gestatten. Was die Applikation des L. betrifft, so steht jetzt fest, daß die Narkose nur in solchen Fällen benutzt werden kann, in welchen es sich um eine nur kurze Schmerzstillung handelt. Für zahnärztliche Operationen ist deshalb das L. besonders geeignet. (S. Anästhesieren.) Vgl. C. Grohnwald, «Das Stickstofforxydulgas als Anästhetikumo (Verl. 1872); O. Kappeler, (Anästhetikar (Stuttg. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 264Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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