Ligne, ein altes Geschlecht in Belgien, das seit sieben Jahrhunderten seinen Stammsitz in Hennegau und vom Städtchen Ligne (jetzt Dorf im Arrondissement Tournai) seinen Namen hat. Herbrand, ein Nachkomme der Grafen von Elsaß, kam gegen 1090 nach Hennegau, heiratete Hermingarde, die Schwester Dietrichs von Leuze, und nahm den Namen L. an. Mehrere Jahrhunderte hindurch hatte dieses Geschlecht, zu dessen Verzweigungen die Häuser Arenberg (s. d.), Chimay (f. d.) und Barbangon gehören, Barone aufzuweisen, die als Krieger, als Marschälle von Hennegau und als Ritter des goldenen Vlieses sich hervorgethan. Der nachmalige Kaiser Maximilian I. verlieh w1479 seinem Rat und Kämmerer Johann, Baron von L., von dessen Bruder Wilhelm die heutigen Herzöge von Arenberg abstammen, für sich und seine Nachkommen das Prädikat Vetter in allen kaiserl. Schreiben. Anton von L., Graf von Fauckenberg, erhielt 1513 durch Patent König Heinrichs VIII. von England und Diplom des nachmaligen Kaisers Karl V. die Würde eines Fürsten von Mortagne. Später (1545) ernannte der Kaiser dessen Sohn, Jakob von L., zum Reichsgrafen. Unterm 2. Aug. 1602 wurde von Kaiser Rudolf II. der Graf Lamoral von L., Enkel des vorgenannten, Fürst von Epinoy, Souverän von Fagnolles, zum erblichen Fürsten des Römischen Reichs ernannt. Die Vermählung seines Sohnes, Florenz von L., mit Luise von Lothringen 1608 brachte das Fürstentum Amblise und andere beträchtliche Besitztümer des lothring. Hauses an die Familie. Nach Florenz folgten sich in gerader Linie Fürst Claude Lamoral, Generalgouverneur von Mailand, gest. 1679; Heinrich Ludwig Ernst, Gouverneur von Limburg, gest. 1702; Claude Lamoral II., Vizekönig von Sicilien und Grand von Spanien, gest. 1766. Letzterer war der Vater des berühmten österr. Feldmarschalls Karl Joseph, Fürst von L., geb. 12. Mai 1735 zu Brüssel. Schon sein Vater und Großvater waren Feldmarschälle in österr. Diensten. Auch er trat 1752 in ein österr. Dragonerregiment, stieg 1756 zum Hauptmann und zeichnete sich im Siebenjährigen Kriege vielfach aus. Nach der Schlacht bei Hochkirch wurde er Oberst. Als Kaiser bn n II. die Regierung antrat, ernannte er ihn zum Generalmajor und 1771 zum Generallieutenant. Im Bayrischen Erbfolgekriege führte er unter Loudon die Avantgarde. L. stand mit den hervorragendsten Geistern seiner Zeit, wie Rousseau, Voltaire, Laharpe, Friedrich d. Gr., Goethe, Wieland, Schlegel, in litterarischer Verbindung. Auf mehrern diplomatischen Sendungen nach Petersburg gewann er auch die Gunst der Kaiserin Katharina II. und wurde von derselben mit dem Titel eines russ. Feldmarschalls und einem Landgute in der Krim beschenkt. Kaiser Joseph verlieh ihm 1788 die Würde eines Großmeisters der Artillerie und schickte ihn an den Fürsten Potemkin, dem er in der Belagerung von Oczakow beistand. Im folgenden Jahre führke er ein österr. Armeekorps unter Loudon und befehligte mit Ruhm die Artillerie bei der Belagerung von Belgrad. Bei der Eroberung Belgiens durch die Franzosen wurde er aller seiner Güter beraubt. Im J. 1807 ernannte ihn der Kaiser Franz I. zum Hauptmann der Gardetrabanten und 1808 zum Feldmarschall, ohne ihm jedoch ein Kommando zu übertragen. Als Bonaparte 1803 die Sequestration der zahlreichen Güter des Hauses L. aufhob, übertrug der Fürst seine Rechte an seinen Sohn Ludwig Lamoral (gest. 10. Mai 1813). Von seiten des Deutschen Reichs erhielt er zur Entschädigung und als gefürstete Reichsgrafschaft die vormalige Abtei Edelstetten, die er 1804 an den Fürsten Esterhäzy verkaufte. Er starb zu Wien 13. Dez. 1814. Unter dem Titel Meélanges militaires, littéraires et sentimentaireso (34 Bde., Wien u. Dresd. 1795— 1811) gab er eine Sammlung seiner Schriften heraus, an welche sich die «Oeuvres posthumeso (6 Bde., Wien u. Dresd. 1817) anschließen. Außerdem erschien von ihm «Vie du priuce Eugène de Savoier (Weim. 1809); ferner Lettreso (2 Bde., Weim. 1812) und «Philosophie du catholicisme, aveéc une préface par Ph. Marheinekes (Berl. 1816). Frau von Staeél gab des Fürsten Lettres et penséeso (2 Bde., Par. 1809), Maltebrun „Ocuvres choisiesd (2 Bde., Par. 1809) heraus. Die militärischen Werke wurden vom Grafen Albert von Pappenheim ins Deutsche übersetzt (2 Tle., Sulzbach 1815). Sein Leben beschrieben Peetermans, Soubiran und Baron Reiffenberg in franz., Graf Thürheim (Wien 1878) in deutscher Sprache. Der Enkel des vorigen war Eugen Lamoral von L., Fürst von Amblise und Epinoy, geb. 28. Jan. 1804. Bei der Trennung Belgiens von Holland gedachte ihn eine Partei auf den belg. Thron zu setzen; allein er ging auf den Antrag nicht ein. Von 1842 bis 1848 war er Gesandter König Leopolds I. am franz. Hofe, und 1848—49 bekleidete er den diplomatischen Posten an den ital. Höfen. Im J. 1851 ward er Mitglied des belg. Senats, der ihn 1852 zum Präsidenten ernannte und dann stets in dieser Würde bestätigte. Er starb 20. Mai 1880. Von seinen drei Söhnen war der älteste, Prinz Heinrich (geb. 1824, gest. 1871), seit 1851 mit Margarete, der Tochter des Grafen Talleyrand, verheiratet und der Vater des jetzigen Familienhauptes, des Fürsten Ludwig, geb. 18. Juli 1854.