Liezen-Mayer (Alexander), Maler, geb. zu Raab in Ungarn 24. Jan. 1839, besuchte die Akademien in Wien und München, wo Anschütz und Hiltensperger seine Lehrer waren, bis ihn 1862 Piloty in seine Komponierschule aufnahm. Damals entstand das Gemälde: Königin Maria und Clisabeth von Ungarn, ferner eine Reihe Entwürfe aus der Hohenstaufenzeit. Drei Jahre später gewann der Künstler den akademischen Preis und vollendete sein die Heiligsprechung der heil. Elisabeth vorstellendes Gemälde. Es folgte ein in geistreichster Weise durchgeführtes histor. Genrebild: Kaiserin Maria Theresia säugt das Kind einer Armen. Ge-Baron Stieglitz in Petersburg fertigte L. in Gemeinschaft mit A. Wagner ein großes Wandbild: Rückkehr von der zurd im Geschmacke der niederländ. Renaissance, für das königl. Theater am Gärtnerplatz zu München den Vorhang, die Poesie und die Musen vorstellend, ferner 32 Kartons zu dem Liede von der Glocke. Nach seinem Austritt aus Pilotys Schule, 1867, entstanden mehrere Porträts und hauptsächlich Illustrationsentwürfe für Verlägswerke, und 1870 das Porträt des Kaisers Franz Joseph. Nach Iuen Entfernung nahm L. seine Arbeiten in München von neuem auf und vollendete nun das Gemälde Imogen und Jachimo, Elisabeth unterzeichnet das Todesurteil der Maria Stuart (Museum Wallraf-Richartz zu Köln), viele Kartons und Zeichnungen, worunter die hochpoetischen Scenen aus Goethes „Fausto. L. wurde 1877 Mitglied der Akademie in Wien. Im J. 1880 übernahm L. die Leitung der stuttgarter Kunstschule, wo er den Kunstverein ins Leben rief, und wurde 1883 als Professor an die münchener Akademie berufen. L. besitzt einen ausrägten Schönheitssinn und Anmut in der Erhuwung, welche ganz besonders bei seinen Zeichnungen, so z. B. den Kartons zu Fausto und zu Scheffels Ekkehardo zu Tage treten. Zwei seiner neuesten Schöpfungen sind Keuschheit und Sinnlichkeit für das Gerlachsche Allegorienwerk in Wien.