FeedLigny
ErdkundeBrockhaus 1882

Ligny, Dorf in der mer Provinz Namur, 40 km im SSO. von Brüssel, Station der Linie Tamines-Landen der Belgischen Staatsbahnen und Aerschot-Charleroi des Grand Central Belge, bekannt durch die Schlacht vom 16. Juni 1815. Napoleon I. hatte sich bei Eröffnung des Feldzugs von 1815 zuerst gegen Blücher gewandt. Dieser war mit Wellington übereingekommen, daß bei der Annäherung der Franzosen die brit.⸗ braunschw.⸗niederländ. Armee sich bei Quatre-Bras, 10 km vom linken Flügel der Preußen, versammeln sollte. Napoleon erkannte diese Absicht, griff 15. Juni die preuß. Vorhut bei Charleroi überraschend an und sendete Ney mit 50000 Mann auf Quatre-Bras, sodaß Wellington glaubte, Napoleon richte seine Hauptmacht gegen ihn, und am 15. trotz Blüchers Aufforderung keine Bewegung unternahm. Erst gegen Mitternacht, als des Kaisers Plan klar geworden, ließ Wellington sein Heer nach Quatre-Bras vorrücken. Blücher hatte drei Korps (80 000 Mann) in der Nacht vom 15. zum 16. Juni zusammengezogen (das Bülowsche stand weit entfernt bei Lüttich), nahm seine Stellung zwischen St.⸗Amand und Sombref und gedachte diese beiden Dörfer sowie L. und Bry zu behaupten. Navoleon traf mit 50000 Mann vor der Stellung ein und hielt ein Korps (Erlon) bei Frasnes. Am 16. Juni erst gegen 10 Uhr begann Napoleon seine Streitkräfte zum Angriff zu ordnen, blieb jedoch noch fünf Stunden unthätig stehen. Gegen 3½ Uhr nachmittags begann die Schlacht. Während Grouchy mit der Kavallerie den linken Flügel der Preußen beschäftigte, griffVandamme das Dorf St.⸗Amand an, das wiederholt genommen und verloren wurde und endlich zum Teil in den Händen der Franzosen blieb. Ebenso hartnäckig verteidigten die Preußen das sehr widerstandsfähige Dorf L. gegen Gérard, sodaß Napoleon gegen 5 Uhr die Garden auf L. anrücken ließ. Aber auch jetzt wurde kostbare Zeit verloren, weil er Erlons Korps, das sich im Rücken zeigte, für Engländer hielt. Als endlich die Garden egen L. den Hauptangriff richteten, gerade als Blücher von dort die Reserven gegen St.⸗-Amand gezogen hatte, mußten die Preußen der übermacht weichen. Milhauds Kürassiere mit reitender Artillerie gingen durch das eroberte L.: die preuß. Mitte war durchbrochen. Blücher sammelte noch alles zum letzten Widerstande und setzte sich selbst an die Spitze mehrerer Schwadronen zur Attacke; sein Pferd wurde ihm jedoch unter dem Leibe erschossen, und die Franzosen jagten an ihm vorüber; sein Adjutant, Graf Nostitz, half ihm, als die preuß. Kavallerie zurückkehrte, aus dem Getümmel und rettete ihn vor Gefangenschaft. Der Verlust der Preußen betrug 12000 Mann und 21 Geschütze, der Franzosen 8000 Mann. Der Rückzug wurde in der Nacht angetreten, und zwar, nach Gneisenaus augenblicklich gefaßtem Ents chluß, nicht in der Richtung zum Rhein, sondern zur Vereinigung mit Wellington, was die Entscheidung des ganzen Feldzugs 18. Juni herbeiführte. Napoleon hatte sich durch seinen verspäteten Angriff der Zeit beraubt, die preuß. Armee vollständig zu zertrümmern; er ließ sie auch jetzt nicht einmal energisch verfolgen. Grouchy erhielt erst am Mittag des 17. Juni Befehl dazu, hatte jedoch bereits die Fühlung am Gegner verloren. Vgl. von Treuenfeld, Die Tage von L. und Belle-Allianced (Hannov. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 72Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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