Ligurien, das Land der Ligurer, eines Volks, welches in ältester Zeit vor der Ankunft der Arischen Völker im südwestl. Europa neben den Iberern eine Hauptrolle spielte, und weder mit letztern noch mit Kelten und Italikern verwandt war. In viele kleine Stämme geteilt, wohnten die Ligurer ursprünglich im südl. Gallien und im nördl. Italien vom Busen des Mittelmeers viel weiter landeinwärts als später, wo sie namentlich durch die Kelten zurückgedrängt wurden, ja im Westen des Rhöne, wo sie mit Iberern gemischt gewohnt hatten, ganz untergingen. Im Osten des Rhöne waren ligurische Stämme, namentlich die Salyer oder Salluvier, noch lange Zeit den Massiliern gefährlich, bis sie von den Römern 125 v. Chr. unterworfen wurden und ihr Land den Anfang der galliblieb das Land südlich vom obern Po, wo die Ananen wohnten, ligurisch, und auch an den Cottischen Alpen saßen Ligurer, die Tauriner; auch hatten sich ligurische Stämme beim Sinken der etrurischen Macht im nördl. Etrurien verbreitet. Die letztern sowie die Bewohner der Seeküste wurden von den Römern 238 bis 235 v. Chr. (wischen dem ersten und zweiten Punischen Kriege) der Hauptsache nach unterworfen; gegen die übrigen aber, namentlich die Bewohner der Seealpen und Apenninen, hatten sie seit w193 v. Chr. zu kämpfen, ehe die Unterwerfung zunächst innerhalb der Grenze des heute Italien genannten Gebiets nach 154 v. Chr., beendet wurde. Die letzten Kämpfe schlossen erst 14 v. Chr. ab. Als Landesname erhielt L. erst durch Augustus, der die neunte Region Italiens so benannte, scharfe Grenzen; nämlich westlich gegen das narbonensische Gallien hin den Fluß Varus (Var) und die Alpen bis zum Berg Besulus (Viso), nördlich gegen das Transpadanische Gallien den Padus (Po) bis gegen Placentia (Piacenza), östlich gegen das Cispadanische Gallien einen Zweig des Apennin am Flusse Trebbia und gegen Etrurien den Fluß Macra, der im Osten des Portus Lunä (Golfo di Spezzia) mündet, südlich das Meer. An diesem lagen Nicäa (Nizza) und Portus Herculis Monöci (Monaco), massilische Niederlassungen, und Genua; im Innern Dertona (Tortona), Aquä Statiellorum (Acqui), Polentia (Pollenza) und Asta (Asti). Die Einwohner waren als treffliche Kletterer und tüchtige Krieger, namentlich für den leichten Krieg, besonders als Schleuderer geschätzt. Der Name L. ging seit Diocletian auf die elfte Region Italiens (Transpadana, mit der Hauptstadt Mediolanium) und die mit ihr zu einer Provinz verbundene ligurische Region (nunmehr Alpes Cottiä genannt, mit der Hauptstadt Augusta Taurinorum) über.