FeedFritillaria
PflanzenreichBrockhaus 1882

Fritillaria, Becherblume, eine Liliaceen-Wurselte deren Name (abgeleitet von Fritillus, ürfelbecher), sich auf die Form der Blume und die sechs elfenbeinweißen Honiggruben innen am Grunde bezieht. Die Fritillarien sind in den temperierten Ländern Europas einheimisch und charakterisiert durch einen beblätterten Stengel, an dem die stets hängenden Blumen aus den Achseln der Deckblätter entspringen oder an der Spitze doldenartig gesammelt sind oder auch wohl einzeln stehen. Die Blumen haben die Form einer halbgeschlossenen Glocke und unterscheiden sich von denen der eigentlichen Lilien durch eine weiße Nektargrube, wie schon erwähnt, am Grunde jedes der sechs Abschnitte des Perigons. Die in den Gärten verbreitetste Art ist F. imperialis, die Kaiserkrone. Sie ist die schönste ihrer Gattung und in der Türkei zu Hause. Ihre großen, schön ponceauroten Blumen stehen an der Spitze des Stengels in einer Art von Dolde, überragt von einem für diese Art charakteristischen Blätterschopfe, in dem diese Lilie der Ananas ähnlich ist. Aus den Blumistengärten. Hollands sind mehrere Spielarten mit zum Teil größern Blumen von roter, gelber oder orangeelber Färbung in unsere Gärten übergegangen. Die Einführung der Kaiserkrone aus Konstantinopel datiert von 1570. Eine zweite in den Blumengärten häufige, zwar weniger schöne, aber interessante Fritillarie ist F. Meleagris, in Europa weit verbreitet und auch in Laubwäldern Deutschlands nicht selten, gekennzeichnet durch die einzeln oder nur paarweise am Stengel sitzenden, glockigen, purpurroten, abwechselnd mit dunklern und hellern, in der Weise eines Schachbretts gefleckten Blumen. Diese Flecken finden sich vorzugsweise auf der Innenseite der Perigonblätter, und sie sind es, auf welche sich die Namen Brettspielblume und Kibitzei, sowie das lat. Meleagris, Perlhuhn, beziehen. Kaspar Bauhin in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. kennt schon früh⸗ und spätblühende Spielarten, und die Blumistengärten Hollands führen Varietäten mit reinweißen, weißen gefleckten und in verschiedenen Nuancen gefärbten Blumen. Die frühblühenden, im Oktober gepflanzt, anfangs in einem gegen Frost gesicherten Raum aufbewahrt und später in das Wohnzimmer gebracht, bringen hier bis zum Ausgang des Winters ihre Blumen zur Entwicke⸗ —— 6— Von besonderm Interesse ist F. Kamtschatcensis, die Saranahlilie, wegen ihrer nickenden, glockenformigen, schwarzpurpurnen Blumen. Außer den Arten: E. finden sich in den Gärten noch folgende rten: F. persica, Blumen in einer pyramidalen Traube, bläulich⸗-violettpurpurn, weitglockig, F. pallidiflora mit großen, blaßgelben, innen bräunlich gefleckten, F. graeca mit braunroten, auf der Außenseite der Abschnitte mit einer grünen Linie bezeichneten Blumen u. a. Die Becherblumen verhalten sich alle gegen das Klima Deutschlands mehr oder weniger hart und bedürfen keiner Pflege weiter, als daß man die Zwiebeln alle 3—4 Jahre, wenn Blätter und Stengel abgestorben, aus dem Boden nimmt, einige Wochen lang im Schatten trocken werden läßt und in Töpfen mit Sand bis Ende September aufbewahrt und, nachdem man die Brutzwiebeln abgenommen, in frisch bereiteten Boden pflanzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 366Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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