Linne (Karl von), einer der berühmtesten Naturforscher aller Zeiten, geb. zu Rashult in Smäland 13. Mai 1707, war der Sohn eines armen Landpfarrers und verlebte seine erste Jugend unter dem Drucke großer Dürftigkeit. Auf der Schule zu Wexiö, die er von seinem 10. Jahre an besuchte, opferte er der Neigung zur Pflanzenwelt so viel Zeit, daß er in den gewöhnlichen Sprachstudien zurückblieb. Der Vater betrachtete ihn als ungeratenen Sohn und dachte ihn einem Schuhmacher in die Lehre zu geben. Ein Hausfreund, Dr. Rothmann, Arzt zu Wexiö, hatte aber des Jünglings Talent richtig erkannt. Derselbe rettete ihn der Wissenschaft, indem er den Vater bewog, der Neigung des Sohnes nachzugeben, und zugleich sich erbot, während eines n die Kosten seiner Er7 zu tragen. Au in der Phy Rothmann selbst seinen jungen Schüler in der Wrte in und Botanik und gab ihm Tourneforts Werke in die Hände. Im 5 1727 bezog L. die Universität zu Lund, um Medizin zu studieren, und im folgenden Jahre ging er nach Upsala, wo er ebenfalls fleißig arbeitete, aber in großer Armut lebte. Da gewann ihn der berühmte Theolog Olaf Celsius lieb, nahm ihn in sein Haus auf, stellte ihm seine zur Verfügung und machte ihn zum Gehilfen bei Bearbeitung seines Werks über die biblischen Pflanen. Auch empfahl ihn derselbe an Olaf Rudbeck, Professor der Botanik, dessen Gunst L. ohnehin schon durch eine Arbeit erlangt hatte, in welcher die Grundlagen des später vollendeten Sexualsystems (Botanik) entwickelt wurden. Von Rudbeck zwei Jahre später zum Aufseher des botan. Gartens und Demonstrator gewählt und sonst kräftig unterstützt, machte L. so rasche Fortschritte in seiner Wissenschaft, daß er im 24. Jahre einen Hortus Uplandicuso schrieb. Im Auftrage der Regierung durchreiste er nun Lappland allein, zu Fuß und Entbehrungen aller Art ertragend, vom Mai bis Nov. 1732. Das Ergebnis dieser beschwerlichen Reise legte er später in der KFlora Lapponicaop (Amsterd. 1737) nieder. Bald nach der Rückkehr aus Lappland begab er sich nach Falun, wo er Mineralogie lehrte. Er erlangte in Harderwyck 1735 die Würde eines Doktors der Medizin und l verlebte dann in Berührung mit van Royen nov, Boerhaave und Joh. Burmann .— Jahre teils in Leiden, teils in Hartekamp, wo ihm Georg Cliffort, ein reicher Bankier und Besitzer eines der schönsten Gärten jener Zeit, die Aufsicht über seinen Garten anvertraute. Der Aufenthalt in Holland trug viel zur Begründung von L.s Rufe bei. Er gewann hier die Gelegenheit, durch Benutzung des überaus reichen, in Gärten und Sammlungen aufgehäuften Materials, die Grundzüge eines Systems der drei Naturreiche aufzustellen, welches dem Bedürfnis der Zeit entsprach. In Holland war es auch, wo L. seine wichtigsten Werke rasch nacheinander herausgab. Er entwickelte in diesen eine einfache, leicht verständliche Methode des Sexualsystems, ersetzte die langen Phrasen durch Artennamen, stellte Gesetze für Nomenklatur der Organe und Gruppen auf, setzte eine glückliche Präcision an die Stelle der Unbestimmtheit der frühern Beschreibungen und führte diese Umwälzung gleichzeitig in allen drei Naturreichen durch. Zuerst erschien sein Systema naturae (Leid. 1735), dann Fundamenta botanicas (Leid. 1736), 4Genera plantarum v (Leid. 1737), &Corollarium generum plantarumo (Leid. 1737), mit Darstellung des Sexualsystems; ferner die obenerwähnte Elora Lapponicas, der Hortus Cliffortianus »(Amsterd. 1737) u. s. w. L. besuchte hierauf England und 1738 Paris, wo er häufig mit Antoine und Bernard de Jussieu (s. d.) zusammenkam. Er kehrte sodann über Göttingen nach Schweden zurück, wo er aus Not als Schiffsarzt in die Flotte eintreten mußte. Die Reichsräte Tessin und Höpken nahmen sich indessen seiner an und führten ihn beim schwed. Hofe ein, wo er bald sehr bedeutende Praxis erlangte. Durch Verwendung seiner Gönner wurde er 1739 seines Amts als Flottenarzt entbunden und 1740 zum Anführer einer vom Reichstage veranstalteten naturhistor. Expedition nach Sland und Gothland ernannt. Er erhielt 1741 eine mediz. Professur in Upsala, welche er 1742 mit der botan. Professur vertauschte. Vom König wurde er 1747 zum Leibarzt ernannt und 1757 in den Adelsstand erhoben. Im J. 1762 nahm ihn die pariser Akademie der Wissenschaften in die Zahl ihrer acht auswärtigen Mitglieder auf. Bis wenige Jahre vor seinem Tode lebte er in ziemlich einförmiger Weise in Upsala, bewies aber während dieses Zeitraums eine fast beispiellose Thätigkeit, indem er außer einer Reihe neuer Auflagen seiner frühern Werke nacheinander Beschreibungen seiner naturhistor. Reisen durch Schweden, eine Flora (1745) und eine Fauna von Schweden (1746), den „Hortus Upsaliensis o (1748), eine 4 Materia medica der drei Reiche (1749—52), seine berühmte „Philosophia botanicas (1751), die beschreibenden Verzeichnisse von mehrern großen Naturaliensammlungen, besonders aber das Hauptwerk, die Species plantarum (Stockh. 1753), herausgab. Neben diesen umfänglichen Werken lieferte er noch an 200 akademische Gelegenheitsschriften und eine sehr große Zahl von wichtigen und sorgfältig gearbeiteten Abhandlungen, die in den Schriften der Societäten zu Stockholm, Upsala, Petersburg, London u. s. w. sich befinden. Auf Kosten der Regierung schickte er elf seiner besten Zöglinge in entfernte Länder auf Reisen und erhielt schöne Sammlungen, welche er in seinem Museum zu Hammarby niederlegte. L. starb 10. Jan. 1778. L. gehört zu den großen Reformatoren der Wissenschaft. Begabt mit einem logischen Verstande von seltener Schärfe, einer Aundombie Gabe der Beobachtung, Auffassung und ombination, löste er die schwierige Aufgabe, ein großes, aber in gänzlicher Verwirrung liegendes aterial systematisch zu ordnen. Sein Hauptverdienst für die Botanik ist jedenfalls darin zu suchen, daß er zum ersten mal die sog. binäre Nomenklatur, die Benennung jeder Pflanze mit zwei Namen, einem Gattungsnamen und einem Speziesnamen, konsequent durchgeführt hat. Auch in der Zoologie hat L. diese Bezeichnungsweise eingeführt und auch in anderer Beziehung fördernd auf diese Wissenschaft eingewirkt. (liber L.s Bedeutung für die Botanik vgl. Botanik, Geschichte, Bd. III, S. 377.) Das sog. Linnésche System war für die botan. Systematik des 18. Jahrh. von großer Bedeutung; da es jedoch ein durchaus künstliches ist, welches die natürliche Verwandtschaft der einzelnen Familien sast gar nicht berücksichtigt, so kann es für die neuere Systematik nur noch historisches Interesse gewähren. (Räheres s. unter Systematik.) Noch wird in Upsala L.s Zimmer im ursprünglichen Zustande erhalten, und seine von Byström verfertigte Bildsäule ziert den einfachen Garten, während Karl XIV. Johann ihm zu Chren 1819 in Räshult eine Schule errichtete. L.s Herbarium enthielt über 7000 Arten, eine für jene Zeit sehr beträchtliche Menge. Es kam in den Besitz des Sohnes, der jedoch den Vater nur wenige Jahre überlebte. Die Witwe verkaufte nun die Sammlungen heimlich an den Briten Smith, welche so nach England kamen, wo sie gegenwärtig der Linnéschen Societät in London gehören. Vgl. Stöver, Lebensbeschreibung Karl von L.y (Hamb. 1792); “L.s Aufzeichnungen über sich selbsto, mit Anmerkungen von Afzelius (Ups. 1823; deutsch von Lappe, Berl. 1826); Fée, «Vie de Charles de L.» (Par. 1832); Gistel, «Carolus Linnäus. Ein Lebensbild » (Frankf. a. M. 1873). Sein Sohn, Karl von L., geb. zu Falun 20. Jan. 1741, seit 1760 Demonstrator am königl. botan. Garten zu Upsala, 1763 außerord. Prosessor der Medizin und Botanik daselbst, 1766 Substitut seines Vaters, 1778 Nachfolger desselben, gest. 1. Nov. 1783 zu Upsala, hat sich ebenfalls durch mehrere botan. Schriften bekannt gemacht.