FeedSteffens (Henrich)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Steffens (Henrich), Philosoph, Naturforscher und Dichter, geb. 2. Mai 1773 zu Stavanger in Norwegen, kam mit seinen Eltern 1779 nach Helsingör, wo er die gelehrte Schule besuchte, 1785 nach Roeskilde und 1787 nach Kopenhagen. Im J. 1790 bezog er die Universität, anfangs zum Theologen bestimmt, später wesentlich für das Naturstudium begeistert, und 1794 erhielt er ein Stipendium zu einer Reise nach Norwegen, wo er den Sommer 1794 in Bergen zubrachte. Im Herbst litt er auf einer Reise nach Deutschland in der Mündung der Elbe Schiffbruch, aus dem er nichts als sein Leben rettete. Den Winter von 1794 bis 1795 verlebte er in Hamburg, und 1796 ging er nach Kiel. Hier hielt er Vorlesungen über Naturgeschichte und gab zugleich Privatunterricht. Das Bedürfnis einer spekulativen Begründung der Naturwissenschaft führte ihn nach Jena, wo Schellings Schriften und persönlicher Umgang ihn ganz in Anspruch nahmen. Jener erkor ihn 1800 zum Recensenten seiner naturphilos. Schriften, und so wurde er einer der begeistertsten Anhänger der damals aufblühenden Naturphilosophie. Nachdem er in Jena Adjunkt der philos. Fakultät geworden, wandte er sich über Berlin nach Freiberg, wo Werner sein Lehrer und Freund wurde. Er schrieb daselbst seine 4«Geognostisch-geolog. Aufsätze Gamb. 1810), die er später in dem «Handbuch der Oryktognosier (3 Bde., Halle 1811—19) weiter ausführte. Nach seiner Rückkehr nach Kopenhagen 1802 erregte er durch seine Vorlesungen große Teilnahme, sah sich aber durch die Ungunst einiger bedeutender Personen in seiner Thätigkeit gehemmt. S. folgte deshalb 1804 einem Rufe zu einer Professur nach Halle, wo er die «Grundzüge der philos. Naturwissenschafto (Berl. 1806) herausgab. S. verlebte 1807—9 bei seinen Freunden in Holstein, Hamburg und Lübeck und kehrte dann nach Halle zurück. Nicht ohne eigene Gefahr beteiligte er sich hier an den geheimen Unternehmungen der Patrioten in Hessen und Preußen. Im Herbst 1811 ging S. als ord. Professor der Physik nach Breslau, wo er, als die Zeit der Befreiung erschien, mit dem lebendigsten Eifer in Wort und That in die Begeisterung des Volks einstimmte. Mit Flammenworten regte er die Studierenden an; auch trat er selbst in die Reihen der Freiwilligen und kämpfte mit bis zur Einnahme von Paris. Hierauf kehrte er zu seinem akademischen Lehrberufe nach Breslau zurück, bis er 1832 einem Rufe nach Berlin folgte. Er starb daselbst 13. Febr. 1845. Seine naturphilos. Studien ergänzte S. teils durch seine Anthropologie (2 Bde., Bresl. 1822), teils in den KPolemischen Blättern zur Beförderung der spekulativen Physiko (2 Hefte, Bresl. 1829—35). Außerdem aber hat S. mehrmals nicht nur auf das Wissen, sondern auch auf die Gesinnung des Zeitalters einzuwirken gesucht. Hierher gehört die Schrift «über die Idee der Universitätenv (Berl. 1809), sowie die «lüber geheime Verbindungen auf Universitätens (Berl. 1835), mehr noch das Werk „Die gegenwärtigeZeit undwie siegewordenv(2Bde., Berl. 1817), vor allem die «Karikaturen des Heiligsten v (2 Bde., Lpz. 1819—21). Seine Ansichten vom Turnwesen, sowie seine Abneigung gegen die kirchliche Union verwickelten ihn in mancherlei Streitigkeiten, über welche die Schrift Von der falschen Theologie und dem wahren Glauben (Bresl. 1823; neue Aufl. 1831) Kunde gibt. Seine religiöse Auffassung legte er in der Schrift Wie ich wieder Lutheraner wurde und was mir das Luthertum iste (Berl. 1831) in Form einer persönlichen Konfession dar. Mit diesen religiösen Zuständen und Erlebnissen in einer innigen Wechselwirkung stehen auch die poetischen Produktionen, ein Novellencyklus, die S. seit 1827 veröffentlichte. Es erschien zuerst »Die Familien Walseth und Leitho (3 Bde., Bresl. 1827), hierauf „Die vier Norweger » (6 Bde., Berl. 1828) und »Malcolm (2 Bde., Bresl. 1831), gesammelt unter dem Titel „(Novellen o (16 Bdchn., Bresl. 1837—38). Ein interessantes Fragment einer Autobiographie ist das „Fragment aus meinen Knabenjahren», welches einen Teil der Schrift „Wie ich wieder Lutheraner wurdes bildet. In seinen letzten Lebens ahren schrieb S. eine .„Bresl Biographie: «Was ich erlebter (10 Bde., Bresl. 1840—44; 2. Aufl., 1844—46). Nach seinem Tode erschienen Machgelassene Schrifteno mit einer Vorrede von Schelling (Berl. 1846). Vgl. Tietzen, «Zur Erinnerung an Henrich S.» (Lpz. 1871); Petersen, «Henrik S. laus dem Dänischen von Michelsen, Gotha 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 178Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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