FeedLiutprand
GeschichteBrockhaus 1882

Liutprand, einer der wichtigsten Quellenschriftsteller des 10. Jahrh., ein Italiener aus vornehmem longobard. Geschlecht, bildete sich am Hofe König Hugos zu Pavia, ward 931 Diakon daselbst und trat nach dessen Vertreibung 945 in die Dienste seines Nachfolgers Berengar II. Er ging in dessen Auftrage 949 als Gesandter nach Konstantinopel, fiel aber um 955 bei Berengar in Ungnade, worauf er sich zu Otto I. nach Deutschland begab und sich hier mit Abfassung der Antapodosis o (d. h. der „Vergeltung v,‚ nämlich für Berengar und dessen Gattin Willa) beschäftigte, einer Geschichte seiner Zeit. Im J. 961 folgte er Otto I. nach Italien. Dieser erhob L. zum Bischof von Cremona. über die Entsetzung Johanns XII. und die übrigen Vorgänge in Rom 960—-964, an welchen er in hervorragender Weise beteiligt war, hat L. eine eigene Schrift verfaßt. Im J. 968 sandte ihn der Kaiser nach Konstantinopel, um vom Kaiser Nicephorus dessen Tochter Theophania für Otto II. und als Mitgift den Verzicht auf Unteritalien zu erlangen. Seine Bemühungen scheiterten vollständig, und voll Erbitterung gegen die Griechen schrieb er einen ausführlichen Bericht über diese Gesandtschaft (Legatio). Erst auf einer dritten Reise nach Konstantinopel 971 erlangte er die Zusage der Prinzessin; auf der Rückreise von dort scheint er 972 gestorben zu sein. Seine Schriften, alle drei unvollendet, sind leidenschaftlich und parteiisch, entstellt durch eingestreute Verse und griech. Ausdrücke. Durch ihren Inhalt aber sind sie sehr wertvoll und im wesentlichen doch auch zuverlässig. Die beste Ausgabe ist die von Pertz in den Monumenta Germaniaen (4Scriptoreso, Bd. 3, Hannov. 1839) und in besonderm Abdruck, der 1877 von Dümmler erneut ist. Teilweise übersetzte sie K. von der Osten-Sacken (Berl. 1855). Vgl. Köpke, «De vita et scriptis Liudprandi, episcopi Cremonensiso (Berl. 1842); Dändliker und J. J. Müller, 4L. von Cremona und seine Quellen » (in Büdingers «Untersuchungen v, Bd. 1); Köhler im »Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtes (Bd. 8).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 124Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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