Livigno (Valle di), deutsch Welsch-Livinen, heißt die obere Thalstufe des Spöl in der Landschaft Bormio der italien. Provinz Sondrid. Das L., im obern Teile ein stilles liebliches Hochthal mit schönen Weiden und Waldungen, im untern eine enge Schlucht, wird links von der Kette des Piz dels Lejs und des Piz Stretta (3108 m) und dem Massiv des Piz Fier, rechts von den Gebirgsstöcken des Corno di Campo (3305 m), des Monte-Foscagno und des Pizzo del Ferro umschlossen, erstreckt sich 24 Em lang, an der Sohle nirgends über 1 km breit, vom Pizzo Vago (3018 m) nordöstlich bis zur Mündung des Seitenthals Val del Gallo, bei welcher der Spöl ins Unterengadin übertritt, und zählt als Gemeinde (1881) in den Dorfschaften Sta. Maria und San-Rocco im Hauptthal, dessen Pfarrkirche San-Antonio 1860 müber dem Meere liegt, und Trepalle in dem gleichnamigen Seitenthal 837 E. Von den vielen Pässen, die L. mit den angrenzenden Thälern verbinden, sind die wichtigsten die Forcola di L. (2328 m), die aus dem Hintergrunde des Thals zur Berninastraße und ins Puschlav führt, der Casannapaß (2692 m), über den ein Saumweg aus dem Seitenthal Val Federia nach Zuz im Oberengadin geht und der Foscagno-Paß (2303 m) von L. durch Val Trepalle und Val Viola nach Bormio. Der Hauptweg des Thals mündet in die Ofenstraße (Zernez-Münsterthal) ein. Kriegsgeschichtlich ist L. durch den kühnen Zug Herzog Heinrichs von Rohan bekannt, der 26. Juni 1635 ber den Casannapaß in das Thal eindrang, am 27. die Kaiserlichen am Spöl schlug, am 28. über die Forcola ins Puschlav marschierte und am 3. Juli durch den Sieg von Mazzo Spanier und Osterreicher aus dem Veltlin vertrieb.