Gobat (Samuel), anglikan. Bischof in Jerusalem, geb. 26. Jan. 1799 zu Cremine, einem Dorfe des Münsterthals in der Schweiz, wurde, 22 J. alt, in das baseler Missionshaus aufgenommen, von wo er 1825 nach Paris und später nach London eschickt wurde zur Erlernung der orient. Sprachen. Im Auftrage der londoner Common Church Missionary Society reiste er 1826 nach Abessinien, woelbst die Woendene christl. Bevölkerung sein erstes rbeitsfeld bilden sollte. Wegen der innern Kriege Abessiniens mußte G. drei Jahre lang in Kairo bleiben, und erst 1830 erreichte er das abessin. Gebirgsland, wo er sich das Vertrauen des Ras (Häuptlings) von Tigre und des Etschegua (Primas) erwarb; die von ihm überbrachte amharische Übersetzung der Evangelien wurde gern angenommen. Weitere Erfolge aber wurden durch die Ermordung des Ras und ein Wiederausbrechen der Bürgerkriege abgeschnitten; G. kehrte nach Europa zurück, wo seine Berichte, welche die erste sichere Kunde von dem eigentümlichen Geistesleben der äthiop. Christenheit boten, in deutscher und engl. Sprache zu Basel und London erschienen waren. Eine abermalige Expedition nach Abessinien in den J. 1835 36 verlief wegen schwerer Erkrankung G.s m nan resultatlos. Die Society versetzte ihn hierauf na Malta, wo er einem Missionsgymnasium vorstand und sich an der Herausgabe der Bibel in mehrern orient. Sprachen beteiligte. Inzwischen war die engl.⸗preuß. Stiftung eines anglikan. Bistums zu Jerusalem erfolgt, dessen Inhaber abwechselnd von den Kronen England und Preußen ernannt werden sollte. Durch den im J. 1846 erfolgten Tod des ersten, von England eingesetzten, Bischofs wurde Preußen zur Wahl berufen, welche, da der zu Wählende Anglikaner sein mußte, nicht ohne Schwierigkeit war, aber in der Ernennung des beiden Nationalitäten gleichmäßig gegenüberstehenden Schweizers ihre glücklichste Erledigung fand. G. traf im Dez. 1846 in Jerusalem ein, um von seinem Amte Besitz zu nehmen. Er betrachtete es als seine Lebensaufgabe, den Christen Palästinas, Griechen, Armeniern, Syrern, Kopten, die Kenntnis der evang. Lehre zuzuführen und dadurch eine innere Kirchenreform anzubahnen. Für die christl. Gemeinden Palästinas gründete er Schulen mit vorwiegend religiöser Aufgabe und war um Bildung anglikan. Gemeinden bemüht. G. starb zu Jerusalem 12. Mai 1879.