FeedLivius (Titus)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Livius (Titus), einer der ausgezeichnetsten röm. Geschichtschreiber, geb. zu Padua 59 v. Chr., kam unter Augustus, dessen beständigen Schutzes er Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. sich später erfreute, nach Rom; im höhern Alter kehrte er in seine Vaterstadt zurück, — er I n. Chr. starb. Er besaß eine vielseitige Bildung und Emasis auch Schriften rhetorischen und philos. Inhalts; sein Hauptwerk aber ist seine röm. Geschichte (gewöhnlich als Historiarum ab urbe condita libri qui supersunt bezeichnet), welche den Zeitraum von der Erbauung der Stadt bis zum Tode des Drusus (9 v. Chr.) umfaßte und deren Ausarbeitung ihn, wie es scheint, über 40 Jahre bis an seinen Tod beschäftigte. Dieses Geschichtswerk 6, an⸗ wenn auch sein Verfasser an polit. Einsicht, an gründlicher Sachkenntnis, an kritischer Benutzung der Quellen andern Historikern des klassischen Altertums nachsteht, doch rücksichtlich seiner anmutigen und kunstvollen, von edler Humanität und gesundem Gefühl für das Sittliche durchdrungenen, in reiner und wohlklingender Sprache dahinfließenden Darstellung zu den Meisterwerken der röm. Litteratur, dessen Glanz einzelne Mäkeleien, wie schon im Altertum des Asinius Pollio Vorwurf der «Patavinitäto (paduanischer Provinzialismen in der Sprache), nicht zu trüben vermögen. Das Werk bestand ursprünglich aus 142 Büchern, die L. anfangs selbst in Dekaden und Halbdekaden egliedert hatte und die man später, obwohl der Verfasser im Verlaufe des Werks diese Einteilung verließ, durchaus nach Dekaden, d. h. Abteilungen von zehn Büchern, bezeichnet. Erhalten sind von denselben aber nur 35 Bücher, nämlich die 10 ersten und das 21. bis 45., während von den übrigen Büchern, mit Ausnahme von Buch 136 u. 137, außer zahlreichen Fragmenten nur kurze Inhaltsanzeigen oder Auszüge, die sog. Periochaev, vorhanden sind, die in neuerer Zeit von Freinsheim (s. d.) zur Verfertigung seiner Ergänzungen oder Supplementay benutzt worden sind. Von Ausgaben sind außer der großen Sammelausgabe von Drakenborch (7 Bde., Amsterd. 1731 —46; neuer Abdruck, 15 Bde., Stuttg. 1820—28) zu nennen: die von Alschefski (Bd. 1—3, Berl. 1841 —46) und Madvig und Ussing (Kopenh. 1861 fg.; 2. Aufl. 1873 fg.), ferner die Handausgaben von Weissenborn (Lpz. 1850 fg.; 2. Aufl. 1860fg.) und von Hertz (Lpz. 1857fg.) und die Ausgaben mit deutschen Anmerkungen von Weissenborn (Berl. 1854 fg. und seitdem in wiederholten Auflagen, die seit dem Tode Weissenborns von Müller besorgt werden) und von Frey und Wölfflin (Lpz. 1865fg.). Gute deutsche Übersetzungen 1 singer (5 Bde., Braunschw. 1821), Ortel (3. Aufl., 8 Bde., Stuttg. 1844), Klaiber (27 Bdchn., Stuttg. 1826—34; zum Teil neu bearbeitet von Teuffel, 1854 fg.) und Gerlach (in wiederholten Auflagen, zuerst Stuttg. 1856 fg.). Wichtige Beiträge zur Herstellung eines reinern Textes lieferten Madvig, Emendationes Livianaen (2.Aufl., Kopenh. 1877), Wölfflin, Livianische Kritik und livianischer Sprachgebraucho (Berl. 1864), Mommsen und Studemund, „Analecta Livianao (Lpz. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 129Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6