FeedLorenzstrom
ErdkundeBrockhaus 1882

Lorenzstrom oder Sankt Lorenzstrom lengl. St.⸗Lawrence, frz. St.⸗Laurent), der wasserreichste Strom Nordamerikas und einer der größten Ströme überhaupt, führt die ungeheuere Wassermasse der fünf großen Seen von Canada in nordöstl. Richtung dem Atlantischen Ocean zu und hat, wenn man den 260 km langen St.⸗Louis, den größten der in den Obern See fallenden Flüsse, als Quellstrom annimmt und jene Seen als Stromerweiterungen ansieht, eine direkte Länge von 1870, mit den Krümmungen aber von 3450 km und ein Gebiet von 1320 000 akm. Mit Stromschnellen und Wasserfällen stürzen die Wassermassen des einen der fünf großen Seen in den andern, und unter diesen ist der Fall des Niagara (s. d.) mittels dessen die Gewässer des Erie in den Ontario sich ergießen, der berühmteste und der großartigste der Erde. Der eigentliche L., der Abfluß des Ontariosees, bis zur ½ 1140 km lang, 560 km von derselben schon 15 km breit, wetteifert an Breite und Tiefe mit dem Amazonenstrom und trägt Kriegsschiffe 520, große Kauffahrteischiffe 600 km stromaufwärts. Bei seinem Austritt aus dem Ontario ist sein Bett so breit, daß man ihn den See der Tausend Inseln nennt, nach einer Gruppe von 1692 zum Teil mit Hochwald bestandenen Eilanden. Weiter abwärts liegen abermals Eilande im Strom, der hier die Stromschnellen Long-Sault und Big-Pitch bildet, über welche die Schiffe pfeilschnell hinwegfliegen. Unterhalb Cornwall und St.⸗Regis, bis wohin das rechte Ufer des L. zu den Vereinigten Staaten gehört, und wo der Strom ganz in das Gebiet von Britisch-Canada tritt, erweitert sich derselbe zu dem fast 15 km breiten Sankt Francissee, an dessen Ende eine Reihe von Stromschnellen die Schiffahrt für große Fahrzeuge auf eine Strecke von 20 —25 Km unterbrechen, wührend weiter unterhalb der Wasserfall des St.⸗Louissees durch den Kanal Lachine umgangen wird. Bald darauf mündet von Norden her links der Ottawa und bildet mit dem L. mehrere Inseln, auf deren einer die Stadt Montreal liegt. Von hier an erscheint der Strom als ein majestätisches und freies Wasser, das auch für Schiffe von 600 Tonnen Gehalt fahrbar ist und jener Stadt, obwohl sie 915 Em vom Ocean liegt, alle Vorteile eines Seeplatzes gewährt. Weiter abwärts, zwischen den Mündungen des Richelieu und des St.⸗Maurice, bildet er den 48 km langen, 20 km breiten Sankt Peterssee mit Spuren von Ebbe und Flut. Bei Quebec teilt er sich dann in zwei Arme, wodurch die Insel Orleans entsteht; 150 km weiter befindet sich die letzte Stromschnelle Richelieu. Das Wasser des Stroms wird 37 km unterhalb derselben durch Mischung mit der Meeresflut schon brackig, und nach weitern 135 Em seines Laufs, bei Kamouraska, durchaus salzig. Als äußerste Endpunkte des L. bezeichnet man Kap Rosier im Süden und die Inseln Mingan auf der Nordseite, oder auch Kap Chat und Monts Pelés. Hier geht er, nachdem er gegen 60 Nebenflüsse aufgenommen, unter welchen links der Ottawa, St.⸗Maurice und Saguenay, rechts der Richelieu oder Chambly (auch Sorel oder St.⸗John genannt) die wichtigsten sind, in einer 150 km breiten Mündung in den Sankt Lorenzbusen, das größte Ästuarium der Erde, das, im N., W. und SW. vom Festlande, im O. von Neufundland, im S. von der Insel Cape-Breton begrenzt, in seiner Haupterstreckung von SW. gegen NO. 820 km lang und 370 km breit ist, viele Inseln (wie Anticosti im N., Prinz Edward oder St.⸗ John im S., die Magdaleneninseln in der Mitte, die Shippeganinsel im W.) umschließt und durch drei Meerengen mit dem Atlantischen Ocean in Verbindung steht. Diese Engen sind: die Straße von Belle-Isle im NO., zwischen Labrador und Neufundland, nach einer vor derselben liegenden Insel benannt, die Südstraße zwischen Neufundland und Cape-Breton, und Gat von Canso zwischen Cape-Breton und Neuschottland. Die hydrogr. Verhältnisse des L. sind ganz eigentümlicher Art. Die Wasserscheide zwischen den canad. Seen und dem Mississippi ist nur stellenweise durch niedrige Hügelzüge bezeichnet. Einige Zuflüsse des Mississippi entspringen fast auf dem niedrigen Uferrande des Michigansees, mit welchem der Illinois sogar periodisch in Verbindung steht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 179Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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