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ReligionBrockhaus 1882

Loreto, freundliches Städtchen in der Provinz Ancona des Königreichs Italien, auf einem anmutigen, baumreichen Hügel, in sehr fruchtbarer Gegend unweit vom Adriatischen Meer, 24 km im SSO. von Ancona, unweit der Mündung des Musone, Station der Linie Bologna-Otranto der Südbahn, der Sitz eines Bischofs, besteht aus einer einzigen langen Straße voller Verkaufsläden für heilige Gegenstände und hat (1881) 7997 C., die meist ihren Unterhalt von den Fremden gewinnen, welche jährlich zu dem in der Domkirche daselbst befindlichen Heiligen Hause (La casa santa), einem der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt, wallfahrten. Dasselbe hat nach der Legende Maria, die Mutter Jesu, bewohnt und soll von Engeln 1291 aus Nazareth in Galiläa nach Tersate in Dalmatien, von da 1294 nach Italien hinüber in einen der Donna Laureta gehörenden Wald (Lauretum) bei Recanati, endlich 1295 an seinen gegenwärtigen Ort gebracht worden sein. Das Heilige Haus, 8,8 m lang, 359 m breit und 4,2 m hoch, steht mitten in dem von Paul II. 1464 begonnenen und von Sixtus V. 1587 vollendeten Tempel mit festungsartigem Zinnenkranz und rönat achteckiger Kuppel, der sich zur Seite des königl. Palastes erhebt. Er hat drei berühmte Erzthüren, 1605 —21 von Girolamo Lombardo ausgeführt, ist von außen durch Bramante mit Marmor überzogen, durch Sansovino mit plastischem Schmuck bekleidet und aus Ebenholz und Backsteinen gebaut, von innen und außen mit vielen Kostbarkeiten geziert. Das Heilige Haus besaß früher einen ungeheuern Schatz, der durch die Freigebigkeit der Pilger entstanden. Die Einkünfte desselben wurden ohne die Geschenke auf 30000 Scudi, die Zahl der jährlich herbeiströmenden Pilger wird auf 100000 berechnet. Merkwürdig ist das Bild Rafaels, die Madonna darstellend, die einen Schleier über das Jesuskind legt. Die Franzosen beraubten 1798 den Schatz aller seiner Reichtümer, das Marienbild aber gab Bonaparte 1800 zurück. Auf der Treppe vor der Kathedrale steht die Kolossalstatue von Sixtus V., der L. befestigte und es 1586 zur Stadt erhob. Der reich verzierte Campanile ist von Vanvitelli. Vgl. Tursellino, Lauretanae historiae libri Vo (Vened. 1727; neue Ausg., Rom 1837); Martorelli, Teatro istorico della santa casa Nazarena della santa vergine Mariav (3 Bde., Rom 1732—35).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 179Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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