FeedLothringen
GeschichteBrockhaus 1882

Lothringen ist der offizielle Name des häufig auch Deutsch-Lothringen im Gegensatz zu den 1871 französisch gebliebenen Teilen des alten Herzogtums L. genannten, nordwestlichsten der drei Bezirke des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Dieser Bezirk liegt zwischen 48 31 sund 49 31 nördl. Br. und 23* 33 und 25 18 östl. L. (von Ferro) und grenzt im O. und SO. an das Unterelsaß, im NO. an den bayr. Regierungsbezirk Pfalz und die preuß. Rheinprovinz, im N. an Luxemburg, im W. und S. an Frankreich; er umfaßt 6221,4½3 akm Areal, wurde 21. Aug. 1870 aus dem größten Teile des franz. Depart. Mosel und dem kleinern Teile des franz. Depart. Meurthe gebildet, durch den Versailler Präliminarfrieden vom 26. Febr. 1871 und den Frankfurter Definitivfrieden vom 10. Mai 1871 an das Deutsche Reich abgetreten und hatte 1. Dez. 1880 eine Bevölkerung von 492713 E. Der Religion nach war die Bevölkerung zu 90,3 Proz. katholisch, zu 7,½½4 Proz. evangelisch, zu 1,45 Proz. israelitisch, der Rest verteilte sich auf verschiedene christl. Konfessionen, insbesondere Mennoniten. Der Bezirk L. ist eingeteilt in acht Kreise: Bolchen, Chäteau⸗-Salins, Diedenhofen, Forbach, Landkreis Metz, Stadtkreis Metz, Saarburg und Saargemünd, welche zusammen 32 Kantone und 754 Gemeinden zählen. Sitz der Bezirksbehörden ist die Stadt Metz, hier hält auch der Bezirkstag seine Sitzungen. Militärisch gehört der Bezirk zum 15. Armeekorps; in L. befinden sich vier Landwehrbezirkskommandos: Diedenhofen, Metz, Saarburg und Saargemünd, und drei Festungen: Metz, Diedenhofen und Bitsch; Marsal und Pfalzburg sind als solche aufgegeben. Das Wappen von L. zeigt einen schrägrechten roten Balken (mit drei übereinander stehenden weißen Adlern) in goldenem Felde. Von den 754 Gemeinden ist in 373 die Sprache deutsch, in 341 französisch, endlich in 40 gemischt deutsch und französisch. Der größere Teil der Bewohner spricht das Deutsche als Muttersprache; im allgemeinen entfallen, abgesehen von der Stadt Metz, auf das deutsche Sprachgebiet 248000 und auf das französische 140000 E. Sowohl das Deutsche wie das Französische wird vielfach in einem Mischdialekt gesprochen. Fast allgemein ist die deutsche Sprache in den Kreisen Saargemünd, Forbach und Bolchen, die französische in Chäteau-Salins und Landkreis Metz. Im Stadtkreis Metz, welcher früher eine ausschließlich französisch sprechende Bevölkerung hatte, ist das deutsche Clement in starker Zunahme begriffen und beträgt zur Zeit 46 Proz. der Gesamtbevölkerung. Die Flüsse, von denen die Mosel, die Saar, die Seille und die Nied hauptsächlich in Betracht kommen, nehmen 2700, die zahlreichen Weiher 3953 ha ein. Der Rhein-Marne-Kanal mit den Speiseseen von Rixringen und Gondersingen, der Saarkanal, der Salinenkanal und der von Arnaville bis Metz erst 1875 fertig gestellte Kanal befinden sich ganz oder teilweise im Bezirk. L. besitzt 450 km Cisenbahnen und 13202 ha Wegeland, darunter 531 km Staatsstraßen und 2527 km Kreisstraßen. Von der Bodenfläche des Bezirks (622 142 ha) sind 350519 ha Ackerland, 65 487 ha Wiesen, 6256 ha Weinland, 7082 ha Obstgärten, 166 803 ha Wald. L. hat große Eisen⸗ und Kohlenbergwerke, Salinen und Steinbrüche, Eisen⸗ und Stahlhüttenwerke, sowie Glashütten. Vgl. Lang, „Der Regierungsbezirk L.v (Metz 187⁴): derselbe, „Annuaire de la Lorrainen (Metz 1874 fg.); Huhn, eichrlend Cllas-e »(Stuttg. 1875); Luks, „Das Reichsland Elsaß-Lothringen (Metz 1875); Mündel, «Die Vogeseno (Straßb. 1883). (S. El saß-Lothringen.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 189Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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