Lotus-Judendorn (izyphus Lotus L., s. Zizyphus), der im nördl. Afrika, jetzt auch im südl. Curopa wächst, zur Familie der Rhamneen gehört und Steinfrüchte von der Größe der wilden Pflaumen mit fast kugeligem Kerne trägt. Diese wohlschmeckenden, süß-schleimigen Früchte, welche von den Arabern Nabk oder Nabka genannt werden, dienten schon in den ältesten Zeiten den Bewohnern Nordafrikas zur Speise und bilden noch jetzt dort zum Teil die Hauptnahrung der Armen. Wahrscheinlich lebten von diesen Früchten Homers Lotophagen (s. d.). Bei den Indiern und Ägyptern sowie bei Dioskorides bezieht sich der Name L. auf mehrere schöne Wasserrosen, namentlich bei den Agyptern auf die blaue (Nymphaea caerulea Sav., s. Nymphaea) und die Agyptische SeeroselNymphaea Lotus L., s. Nymphaea) und bei den Indiern (wie jedoch auch bei den Agyptern) auf die prächtige Nelum bo (Nelumbium speciosum IIilld., s. Nelumbium), welche in stehendem und langsam fließendem Wasser, besonders im Nil und Ganges wachsen und bei diesen Völkern einen hohen Grad der Verehrung genossen. Die Nelumbo, welche in der That, nach der Victoria regia, zu den imposantesten Wassergewächsen gehört, trägt sehr große, schön rosenrote, aber auch weiß, gelb und selbst blau abändernde Blumen und einen sehr dicken, kreiselförmigen Fruchtknoten, in dessen Höhlungen die Samen (im Altertum Agyptische Bohnen genannt) eingesteckt liegen. Von ihr sowohl als von der Agyptischen Seerose wurden und werden noch die Wurzeln, Blatt⸗ und Blütenstiele und die Früchte, aus denen zu Herodots Zeiten, wie noch jetzt zuweilen, Brot bereitet ward, als wohlschmeckende Speise häufig gegessen. Als die schönste und heiligste Abart galt die rotblühende Nelumbo. Bei den Indiern ruht der Weltenschöpfer auf einem L., welche Blume ihnen nach deren ganzem Bau ein Sinnbild der Erde ist. Auch bei den Agyptern war der L. Sinnbild des Universums, und Harpokrates kam aus der geöffneten Lotosblume hervor. Lotrecht, soviel wie senkrecht, s. unter Lot. (Vgl. Perpendikel.) Lötrohr (frz. chalumeau, engl. blow-pipe), ein besonders beim Löten kleinerer Metallstücke benußtes Instrument, mittels dessen ein Luftstrom in eine kohlenstoffreiche Flamme eingeführt wird, um die Temperatur derselben zu erhöhen. (S. unter Löten.) Lötschenthal heißt das Thal der Lonza, eines rechten Zuflusses der Rhöne, im Bezirk West-Raron des schweiz. Kantons Wallis. Die Oberstufe des Thals, die sich 12 kKm lang, an der Sohle höchstens „½ km breit, von der Quelle der Lonza (1980 m am Langgletscher südwestlich bis zu dem Pfarrdorf Ferden (1389 m) erstreckt, ist ein prächtiges Hochthal mit reichen Weiden und Waldungen, von zahlreichen Wasserfällen durchrauscht. Die rechte Thalwand bildet der Hauptkamm der Berner Alpen mit dem Lauterbrunner-Breithorn (3779 m), dem breiten fieldartigen Gletscherrücken des Petersgrats (3205 m) und dem Schilthorn 13297 m), links erhebt sich die Zweigkette der Lötschenthaler Alpen, beherrscht von der gewaltigen Pyramide des Bietschhorns (3952 w), und den Hintergrund des Thals bildet der Lötschenfirn, der seine Eiszunge, den Langgletscher, bis in die Thalsohle vorschiebt. Die linke Thalseite zeigt steile, von vielen Rinnen durchfurchte, meist bewaldete Abhänge, über denen sich magere Schafweiden bis zu den Felsen und Gletschern der Bietschhornkette hinaufziehen; auf den sonnigen Terrassen der rechten Seite dagegen, wo sich die wohlhabenden Dörfer Blatten, Ried, Wyler, Kippel, Ferden u. f. w. als schwarzbraune Häuserklumpen um ihre Kirchen zusammendrängen, gedeihen noch Kirschbäume, Getreide und Kartoffeln. Die Bewohner, 963 (1880) in vier Gemeinden, sind deutscher Zunge und kathol. Konfession und haben in ihren Sitten, namentlich in den altherkömmlichen Volksschauspielen, manches Altertümliche bewahrt. Haupterwerbsquelle ist die Alpenwirtschaft, Mittelpunkt des wachsenden Touristenverkehrs Ried (1509 m). Bei Ferden, wo sich die Lonza nach S. wendet, beginnt die untere Stufe des L., eine wilde, felsige und waldige Schlucht, fast ohne Ansiedelungen, aber mit verlassenen Pochwerken und Erzwäschen. Bei dem Dorfe Steg öffnet sich die Schlucht gegen das Hauptthal des Wallis und 1 km weiter südlich, 634 müber dem Meer mündet die Lonza nach 23 km langem Laufe in den Rhöne und schließt sich der Thalweg bei der Station Gampel an die Simplonbahn an. Von den zahlreichen Pässen des L. werden am meisten begangen: der Gletscherpaß über die Lötschenlücke (3204 m), der in das Gebiet des Aletschgletschers führt, der Gletscherpaß über den Petersgrat nach Lauterbrunnen, der Lötschenpaß (2695 m) ins Gasterenthal und der Restipaß (2639 m) ins Leukthal.