FeedHänel
PflanzenreichBrockhaus 1882

Hänel (Jak., auch Händl, Handl und Gallus genannt), deutscher Kirchenkomponist des 16. Jahrh., geb. um 1550 in Krain, Kapellmeister zu Olmütz, später zu Prag, wo er schon 4. Juli 1591 starb. Seine Werke gehören zu den besten ihrer Zeit; der Chor Eece quomodo moritur justusp (von Händel 1737 in seiner Trauerhymney benutzt) ist allgemein bekannt. Hauf (Cannabis sativa), eine zur Familie der Urticaceen (Nesselgewächse) gehörige zweihäusige flanze. Die Staubfädenblüten haben eine fünfblätterige Blütenhülle und fünf Staubgefäße und stehen am Ende der Zweige in Trauben oder Rispen, während die Stempelblüten achselständige Kätzchen bilden und ein einblätteriges, an einer Seite ges paltenes Perigon besitzen. Man kennt nur diese eine Art. Sie wird 1—5 m hoch und hat gegenständige, fingerförmige, etwas gesägte, narkotisch riechende Blätter. Ursprünglich im südl. Asien einheimisch, wird sie doch seit den ältesten Zeiten in Europa angebaut. In denjenigen Gegenden Deutschlands, wo sich der H. in Kultur findet, z. B. längs des Oberrheins, besonders in der ehemaligen Grafschaft Hanau, zwischen Kehl und Rastatt, bezeichnen die Landleute die männliche Pflanze als Hänfin, Fimmel oder Femel (vom lat. femella, Weib) und die weibliche als Bästling oder Maskel (vom lat. mas, Mann), eine von den Römern ererbte Verwechselung, welche irrtümlicherweise die stärkern und höhern weiblichen Pflanzen für die männlichen hielten. Neben dem sog. rheinischen oder badischen H. kennt man noch viele andere im ganzen wenig verschiedene Kulturformen, z. B. den russischen H. ausgezeichnet durch die Haltbarkeit seines Bastes, den chinesischen kleinkörnigen, welcher einen besonders feinen Bast liefert, den ostind. Riesenhanf, wegen seiner sehr ansehnlichen Dimensionen in den Gärten oft als Zierpflanze erzogen, den piemont. oder ital. Riesenhanf, in der Qualität des Bastes dem badischen gleich, aber wegen seiner größern Höhe viel ergiebiger, den spanischen H. (d. von Orichuela), wegen der großen Widerstandskraft der aus seinem Baste gewebten Schiffstaue hochgeschätzt und andere. Der H. verlangt zu seinem Gedeihen einen —.3 lockern, reinen Boden von mäßiger Feuchtigkeit. er Fimmel wird nach der Blüte gerauft, wenn der Blütenstand zu vertrocknen beginnt, der Maskel aber erst sechs Wochen später, nach der Samenreife. Nach Gewinnung der Samen werden beide zusammen wie der Flachs bearbeitet. Je nach der Güte des Saatgutes und der dünnern oder dichtern Aussaat erhält man Schleiß- oder Brechhanf (Spinnhanf). Von dem zweiten unterscheidet man weißen und schwarzen; ersterer wird durch Wasser⸗„ letzterer durch Tauröste gewonnen. Der schwarze gibt in der Regel den besten Spinnhanf und wird deshalb vorzugsweise zu feinen Geweben benutzt, deren dunkle Farbe sich durch Bleiche rasch verliert; der weiße dagegen dient zu gewöhnlichen Geweben, dünnen Seilerwaren u. . w., der Schließhanf nur zur Verfertigung von Schiffstauen und Segeltuch. Die Samen dienen zur Olgewinnung und als Vogelfutter, in Rußland und Asien hin und wieder auch als Nahrungsmittel, ohgleich sie, wie die ganze Pflanze, narkotische Eigenschaften besitzen. Der ostindische H. schwitzt ein eigentümliches Harz aus, das zu medizinischen Zwecken Verwendung findet. Sein Kraut, welches narkotischer ist als das des europäischen, kommt in zwei Sorten in den Handel, als Ginsah und Bang; der daraus gewonnene Extrakt wirkt ähnlich wie das Opium. Im Orient bereitet man aus dem Kraute den Haschisch, eine Art Mus, das als Konfitüre oder als Rauchmittel benutzt wie Opium einen Rausch hervorruft, der meistens in gefährliche Raserei ausartet. Vgl. Löbe, «Anleitung zum rationellen Anbau zeno, Stuttg. 1868). Die Bearbeitung des H. stimmt mit derjenigen des Flachses (s. Flachsspinnerei) im wesentlichen überein, nur daß die zur Anwendung kommenden Maschinen, dem gröbern Material entsprechend, kräftiger gebaut sind. Der bis zum Spinnen fertig bearbeitete H. gleicht im allgemeinen Aussehen dem Flachs, ist aber von mehr gelblicher Farbe, dabei gröber, härter und steifer, daher zu feinen Gespinsten nicht verwendbar. Verhältnismäßig wenig H. wird zu Geweben (Hanfleinwand und Segeltuch) oder zu Zwirnen, der meiste zu Seilerwaren verbraucht. Hanfene Gewebe sind schwerer und von größerer Festigkeit gegen Zerreißen als solche aus Flachs. Die wertvollsten Fasern erhält man von dem männlichen H. (Femel), der zu sehr guter Hausleinwand verarbeitet werden kann, namentlich wenn man ihn durch Kochen mit Lauge verfeinert; der weibliche H. (Bästling) wird oft gar nicht zum Spinnen von Webergarn, sondern nur zu Seilerwaren benutzt. Das beim Hecheln abfallende Hanfwerg (Hanfhede) liefert gleichfalls ein Material zu Gurten, Bindfaden und Stricken; das feinere wird auch zu ordinärem Garn versponnen. Gegenwärtig wird in Europa der meiste H. in Rußland produziert. Der russische H. ist grob und stark und wird deshalb nur zu Tauen, Netzen, Stricken u. s. w. verwendet; feiner sind die in Süddeutschland gewonnenen Hanfsorten, von noch vorzüglicherer Qualität die italienischen. Die Jahresproduktion an H. beträgt in Italien etwa 50 Mill. Kilogr., in Deutschland, Frankreich und Nordamerika je 70, in Osterreich-Ungarn 87, in Rußland 150 Mill. Kilogr. Haufhede oder Hanfwerg, s. unter Hanf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 814Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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