Louvois (Frangois Michel Letellier, Marquis de), Kriegsminister Ludwigs XIV., wurde 18. Jan. 1639 zu Paris geboren. Sein Vater, welcher Kanzler und Staatssekretär im Kriegsdepartement war, kaufte ihm 1654 das Recht der Nachfolge in dem Amte und weihte ihn in die Geschäfte ein; 1662 heiratete er die reiche Marquise von Courtanvaux. Seit 1666 hatte er die Kriegsverwaltung allein in Händen. Reich an Kenntnissen und von unermüdlicher Arbeitskraft hob L. bald Frankreichs Kriegsmacht auf eine hohe Stufe in Bezug auf Mannszucht, Ausbildung und Pflege der Kriegswissenschaften, veranlaßte den König zur Errichtung der Adelsakademien und schuf dadurch ein tüchtiges Offizierkorps. L. gab 1671 den Anstoß zum Bau des Invalidenhotels und leitete später dessen Bau, sowie den von Versailles. Er ward der Schöpfer der Heere, mit denen Ludwig XIV. Frankreich zur kath. Universalmonarchie zu erheben versuchte. Wenn gesagt ist, daß diese Kriege von L. aus persönlichem Ehrgeiz angestiftet seien, daß er den König 1672 gegen die Niederlande, 1681 zu den Reunionen, 1688 zu dem Kriege gegen das Deutsche Reich angereizt habe, letzteres, weil er die Ungnade Ludwigs wegen eines Baufehlers am Schloß zu Trianon gefürchtet und ihn durch einen europ. Krieg habe ablenken wollen, so sind dies leere Behauptungen, die meist aus der Memoirenlitteratur jener Zeit stammen. Die großen Kriege Ludwigs XIV. sind nur aus der Lcber hot der europ. Politik zu erklären. Wohl aber hat L. stets zu denen gehört, welche die kriegerische, kath. und monarchische Propaganda der franz. Krone rücksichtslos vertraten. Der Krieg gegen Holland wurde von Colbert kaum weniger gewollt als von L. Später entwickelte sich allerdings ein Gegensatz zwischen dem Reformator des franz. Staatshaushalts und dem chauvinistischen Kriegsminister, der seine stürmische, unermüdliche Thatkraft immer in kriegerischer Aktion bethätigen wollte. Im J. 1678 war er für Fortsetzung des Kriegs, am 28. Sept. 1681 forderte er selbst Straßburg zur Übergabe auf. So lastet auch auf ihm das Andenken der „Dragonadeno, mit denen die Reformierten bekehrt wurden. Nach Colberts Tode (Sept. 1683) wurde L. der mächtigste Minister: einem Verwandten, Pelletier, verschaffte er das Ministerium der Finanzen, er selbst übernahm die Aufsicht der Bauten; von vier Stimmen im Conseil atte die Familie jetzt drei. So war es sein Einuß, dem Ludwig wesentlich folgte, als er sich im Herbst 1688, durch die engl. Revolution und die damit zusammenhängenden Ereignisse gedrängt, zu dem neuen Kriege entschloß. Dessen Ende erlebte L. nicht mehr. Schon war seine Stellung unter dem Eindruck der ungünstigen Kriegführung und der Zerrüttung des Staatshaushalts untergraben (besonders die Maintenon intriguierte gegen ihn beim König), als er plötzlich starb (16. Juli 1691), wie die Nachrede lautete, an Gift, wahrscheinlich an der Folge eines Aderlasses. Vgl. Rousset, (Histoire de L. et de son administration politique et militaire v (3. Aufl., 4 Bde., Par. 1864).