FeedLöwe (Wilh.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Löwe (Wilh.), hervorragender liberaler Politiker, bekannt unter dem Namen Löwe-Kalbe, geb. 14. Nov. 1814 in dem Dorfe Olvenstedt bei Magdeburg, studierte in Halle Medizin und ließ sich dann in Kalbe a. S. als praktischer Arzt nieder. Im J. 1848 wurde er für die Kreise Kalbe und Jerichow I. als Abgeordneter in das franksurter Parlament gewählt und schloß sich dort der demokratischen Linken an. Schon in Frankfurt erster Vizepräsident, wurde L. nach Übersiedelung des Parlaments nach Stuttgart zum Präsidenten gewählt. Von der gegen ihn erhobenen Anklage wegen seiner Teilnahme an den stuttgarter Beschlüssen wurde er vom Gerichtshofe zu Magdeburg freigesprochen; dagegen verurteilte ihn das Obertribunal in contumaciam zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. L. lebte dann zwei Jahre in der Schweiz, zwei Jahre teils in Paris, teils in London und acht Jahre in Neuyork, in den beiden letztern Orten die ärztliche Praxis ausübend. Nach Erlaß der Amnestie vom 12. Jan. 1861 verließ er Amerika, nahm seinen Aufenthalt in Berlin und schloß sich hier dem Nationalverein und der Deutschen Fortschrittspartei an. Vom Frühjahr 1863 bis Frühjahr 1867 vertrat L. im preuß. Abgeordnetenhause den Wahlkreis Bochum-Dortmund, 1868 —70 Berlin und seit 1873 bis jetzt wieder seinen alten Wahlkreis. In den J. 1873 — 76 war er erster Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Dem Reichstage gehörte er seit 1867 an, und zwar zuerst als Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei, bis er im April 1874 infolge seiner Abstimmung über das Militärgesetz mit mehrern Gesinnungsgenossen aus derselben schied. Mit dem Abgeordneten Berger übernahm er hierauf die Führung einer liberalen Gruppe, die in polit. Fragen mit der Fortschrittspartei ging, sich aber der Opposition gegen die wirtschaftl. Reformen Bismarcks nicht anschließen wollte. Infolge dessen wurde L. von seinen frühern Parteigenossen heftig angegriffen und seine Wiederwahl 1881 mit Hilfe der Ultramontanen verhindert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 199Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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