Lucullus (Lucius Licinius), röm. Feldherr gegen Mithridates, geb. um 114 v. Chr., that seine ersten Kriegsdienste 90 v. Chr. im Marsischen Kriege, ging als Quästor nach Asien und zeichnete sich als Unterbefehlshaber des Sulla im ersten Mithridatische Kriege namentlich zur See aus. Aus Feindschaft gegen den marianisch gesinnten Fimbria ließ er jedoch den Mithridates aus einer Seestadt, in welche ihn jener eingeschlossen hatte, wnchen. Nach seiner Rückkehr bekleidete er mit seinem Bruder Marcus die curulische Ädilität (79). Sulla übertrug ihm testamentarisch 78 die Vormundschaft über seinen Sohn Faustus. Nachdem er 78 oder 77 v. Chr. Prätor gewesen war und hierauf die Provinz Afrika verwaltet hatte, wurde er 74 mit Marcus Aurelius Cotta Konsul und ihm selbst die Provinz Asien und Cilicien, dem Cotta Bithynien übertragen. Mithridates, der in Bithynien eingefallen war und so den Krieg (den dritten Mithridatischen) wieder eröffnete, schlug Cotta zu Wasser und zu Lande bei Chalcedon und schloß ihn selbst in dieser Stadt ein, aber L. eilte herbei und zwang Mithridates, die Belagerung aufzuheben. Dieser wendete sich nun gegen Cyzicus, das den Römern treu geblieben war. Doch die kluge Kriegführung des L. vereitelte das Vorhaben des Mithridates, und nachdem dieser den größten Teil seines Heers und viele Schiffe verloren hatte, mußte er, von L. verfolgt, 73 nach Pontus fliehen, wo er ein neues Heer bei Cabira sammelte. Hier suchte ihn L., der indes eine Flotte des Königs bei der Insel Tenedos vernichtet hatte, 72 auf, schlug ihn und nötigte ihn zur Flucht zu Tigranes von Armenien. L. nahm Cabira ein und kehrte darauf nach Asien zurück, während das Land bis 70 durch die Einnahme der Städte, namentlich von Eupatoria, Amisos und Sinope, den Römern unterworfen wurde. Bei der Ordnung der innern Verhältnisse der Provinz Asien, die L. vornahm, verletzte er durch den Schutz, den er den Provinzialen gegen die röm. Vächter und Wucherer erwies, die Interessen des röm. Ritterstandes, der alsbald in Rom feindlich gegen ihn wirkte. Auch die eigenen Truppen, die er unter strenger Zucht hielt, waren unwillig, folgten indes noch seinem Befehle, als er sie 69 gegen Tigranes führte, der die Auslieferung des Mithridates verweigerte. Mit 12000 Mann erfocht L. 6. Okt. einen völligen Sieg über die 220000 des Tigranes und eroberte dann dessen Stadt Tigranocerta. Ein neuer Sieg wurde am Flusse Arsanias 68 über das Heer, welches Mithridates und Tigranes vereint führten, erfochten. Nunmehr weigerten sich aber die Legionen, die Publius Clodius insgeheim aufwiegelte, die Stadt Artaxata zu belagern oder weiter vorzudringen. L. mußte sie südlich nach Mesopotamien führen und nach Eroberung der Stadt Nisibis hier die Winterquartiere nehmen. Inzwischen drang Mithridates wieder in Pontus ein, schlug die röm. Legaten, namentlich bei Zela 67 den Triarius, und eroberte mit Tigranes einen großen Teil des Landes, das ihm L. abgenommen hatte. Nachdem Manius Acilius Glabrio den Oberbefehl gegen Mithridates übernommen hatte, verließ L. 66 Asien. Er lebte von nun an bis zu seinem Tode, der vermutlich 57 v. Chr. erfolgte, von Geschäften zurückgezogen, in üppiger Verschwendung der Reichtümer, die er sich erworben hatte. Lucullische Gastmähler sind sprichwörtlich geworden, und die Gärten des L. bei Rom und seine Villen, namentlich die bei Tusculum und bei Bajä, waren wegen der Pracht und Großartigkeit ihrer Anlagen berühmt. Von Cerasus in Pontus hat er den Kirschbaum nach Europa verpflanzt. Sein Sohn, Marcus, geb. nach 65 v. Chr. von Servilia, wurde unter Vormundschaft seines Oheims Marcus Cato und des Cicero, der mit seinem Vater befreundet gewesen war, erzogen und fand den Tod bei Philippi 42 v. Chr. Marcus Licinius L., der jüngere Bruder des berühmten Lucius, welcher nach seiner Adoption durch Varro (s. d.) M. Terentius Varro Lucullus hieß, war 73 Konsul und zeichnete sich 72 bei Verwaltung der Provinz Macedonien durch seine Kriege in Thrazien aus; er besiegte die Besser auf dem Hämus und drang hierauf bis zur Donau und zum Schwarzen Meer vor.