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ErdkundeBrockhaus 1882

Lucknonti, Ruinenstadt in Ostindien, s. Gaur. Lugon, Stadt im franz. Depart. Vendee, Arrondissement Fontenay-le-Comte, am Nordrande der kanalisierten Marais und am Kanal von L., der in die Bai von Aiguillon führt, Station der Linie Nantes-Coutras der Französischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Bischofs, hat eine große dreischiffige ot. Kathedrale, lebhaften Handel, Fabriken für Hute „Tuch und Liqueur und zählt (1876) 6247 E. Richelieu war von 1607 —24 Bischof von L. Lueretia, in der röm. Sage eine wegen ihrer Schönheit und Tugend gefeierte Römerin, die Tochter des Spurius Lucretius, der sie mit Lucius Tarquinius Collatinus, einem Verwandten des Königshauses der Tarquinier, vermählt hatte. Als einst während der Belagerung von Ardea das Gespräch der Fürstensöhne auf die Frauen gefallen war und jeder die seine pries, beschloß man einen Ritt nach Rom, wo die königl. Schwiegertöchter beim üppigen Mahle saßen, und von da nach Collatia, wo man L. noch des Nachts am Spinnrocken traf. Sextus Tarquinius, der Sohn des Tarquinius Superbus, entbrannte hier in Leidenschaft für L., kehrte nach wenigen Tagen heimlich zurück und wurde als Verwandter ihres Gatten von L. freundlich aufgenommen. Während der Nacht drang nun Sextus in das Schlafgemach der L. und suchte dieselbe zu überwältigen, vermochte dies aber selbst nicht durch die Bedrohung ihres Lebens. Erst als er erklärte, er werde neben ihren Leichnam den eines Sklaven legen und dann aussagen, daß er die verletzte Ehre des Collatinus durch den Tod beider gerächt habe, gab sie, um solcher Schande zu entgehen, ihren Widerstand auf. Am andern Morgen aber ließ L. ihren Gemahl nebst ihrem Vater zu sich rufen, entdeckte ihnen das Geschehene und beschwor sie, den Verlust ihrer Ehre zu rächen. Hierauf stieß sie sich den Dolch in die Brust. Lucius Junius Brutus (s. d.), der hinzugerufen worden, zog den blutigen Dolch aus der Wunde, schwur mit den Anwesenden dem ganzen Geschlecht der Tarquinier Rache und benutzte den Vorgang zum Sturz des Königtums in Rom. Lueretius (Titus Lucr. Carus), einer der bedeutendsten unter den ältern röm. Dichtern, war 98 v. Chr. geboren und machte angeblich, nachdem er infolge eines Liebestranks in Raserei verfallen war, im 44. Jahre seines Alters seinem Leben freiwillig ein Ende (15. Okt. 55). Er verfaßte in sechs Büchern ein hexametrisches Lehrgedicht De rerum naturay, worin er die Grundlehren der Physik, Psychologie, Theologie und, wenn auch nur ganz kurz, der Ethik nach dem System des Epikur darlegt. Den unpoetischen Stoff hat er mit großer Kunst behandelt, dabei ist das ganze Werk durchdrungen von einer wohlthuenden Wärme der überzeugung. Unter den Ausgaben ist vor allem die mit kritischem Kommentar von Lachmann (2 Bde., Berl. 1850; 4. Aufl. 1871) und außerdem die von Munro (neuere Aufl., Cambr. 1873), ferner die Textausgabe von Bernays (Lpz. 1852) und Munro (2. Aufl. 1864), unter den deutschen übersetzungen die noch nach dem alten, von Lachmann vielfach umgestalteten Terte verfaßte von Knebel (2. Aufl., Lpz. 1831), ferner die von Bossart-Orden (Berl. 1865) und Binder (Stuttg. 1868 fg.) zu erwähnen. Vgl. Martha, Le poème de L., morale, religion, sciences (2. Aufl., Par. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 214Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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