Silistria (im Mittelalter Driston, Dorostulus oder Durostorus), Stadt im Fürstentum Bulgarien, hart an der Grenze der rumän. Provinz Dobrudscha, am rechten Ufer der Donau und an einem wichtigen übergangspunkte dieses hier nur 760 m breiten Stroms gelegen, gegenüber dem walach. Städtchen Kalarasch, war bis zum Orientkriege von 1853—56 schlecht gebaut und schmutzig und zählte nur etwa 6000 E., hatte sich seitdem aber nicht unerheblich gehoben, sodaß sich die Einwohnerzahl bis 1881 auf 10642 C. hob. Dabei hat dieser Aufschwung infolge des Russisch-Türkischen Kriegs von 1877 und 1878 eine Unterbrechung erfahren, da mehrere hundert muselmanische Familien auswanderten. Wein⸗ und Gartenbau, Fischerei, Handel, Gerberei und Tuchweberei sind die Hauptbeschäftigungen der Bewohner. Bis 1878 war S. eine Festung; nach den Bestimmungen des Berliner Kongresses von 1878 sollen jedoch alle Befestigungsanlagen geschleift werden. Der Platz hat von jeher eine wichtige Rolle in der Kriegsgeschichte gespielt. Nur in dem Russisch-Türkischen Kriege von 1877 und 1878 haben die Operationen ihn unberührt gelassen. S. wurde 584 von den Avaren unter Bajan-Chan erobert, 890 siegte dort der byzant. Kaiser Leo Philosophus mit den Ungarn über die Bulgaren und 971 Kaiser Tzimiskes über die Russen unter Swjätoslaw. S. wurde 1595 von den Türken, 1603 von Radul Weyda verbrannt, 10. Juni 1773 von den Russen unter Romanzow gegen Osman Pascha mit Verlust angegriffen, worauf die Russen unter Weißmann, welcher siel, über Numan Pascha 20. Juli 1773 bei dem Dorfe Kutschuk-Kainardschi (s. d.) siegten und dort 21. Juli 1774 der Friede zwischen Rußland und der Pforte (s. Osmanisches Reich) zu Stande kam. Am 22. Okt. 1809 erlitten die Russen eine Niederlage bei dem westwärts gelegenen Dorfe Tataritza. Unter Langeron schlossen die Russen 1810 abermals die Festung ein und gewannen sie 11. Juni durch Kapitulation. Im Kriege von 1828 wurde S. vom 21. Juli bis zum 15. Sept. unter General Roth, dann unter Langeron und Wittgenstein bis zum 10. Nov. belagert, und 1829 geschah ein Gleiches vom 17. Mai bis zum 5. Juni, und zwar unter dem General Schilder in Gegenwart von Diebitsch, dann unter dem General Krassowfki. Letzterm übergab Hadschi Achmet Pascha 30. Juni 1829 die Festung durch Kapitulation. Im Unterschied vom Feldzuge 1828 —29, in welchem Varna von den Russen 1828 und S. erst später, 1829, bezwungen wurde, machte die Belagerung von S. im Kriege 1853—56 die erste Haupkoperation an der Donau aus. Die Einschließung, welche keine vollständige war, wurde durch Kämpfe in der Umgegend eingeleitet. Die eigentlichen Angriffsarbeiten gegen die vorgeschobenen Werke wurden 12. Mai 1854 eröffnet. Regen und überschwemmungen, tapfere Gegenwehr und heftige Ausfälle hinderten jedoch die Arbeiten, und mehrere Angriffe (29. Mai, 6. und 9. Juni) wurden mit großem Verlust abgeschlagen, sodaß die Russen 26. Juni 1854 die Belagerung aufgaben. Infolge des Waffenstillstandes vom 31. Jan. 1878 wurde S. im Febr. 1878 von den Türken geräumt und von den Russen besetzt. Durch den Berliner autum Balgatien. Juli 1878 kam S. an das Fürstentum Bulgarien.