FeedMarius (Gajus)
GeschichteBrockhaus 1882

Marius (Gajus), röm. Feldherr, war der Sohn eines Landmanns und in der Nähe der Stadt Arpinum 155 v. Chr. geboren. Er diente im Numantinischen Kriege unter dem jüngern Scipio Africanus (133), gelangte dann zur Quästur und 119 v. Chr. zum Tribunat. Als Tribun beschränkte er durch ein Gesetz den Einfluß der Nobilität auf die Abstimmung in den Comitien. Im J. 115 bekleidete er die Prätur, dann wurde ihm die Verwaltung Spaniens zuteil. Auch verband er sich um diese Zeit durch seine Verheiratung mit Julia, einer Schwester von Julius Cäsars Vater, mit dem Geschlechte der Julier. Im J. 109 begleitete er als Legat den Quintus Cäcilius Metellus in den Krieg gegen Jugurtha (s. d.), kehrte aber 108 nach Rom zurück, um sich um das Konsulat zu bewerben, das er auch für das J. 107 erhielt. Zugleich wurde er mit der Sschl des Jugurthinischen Kriegs beauftragt. Er schlug den Jugurtha und Bocchus bei Cirta 107 und zum zweiten mal 106, worauf M.“ Quästor Lucius Cornelius Sulla (s. d.) den Bocchus zur Auslieferung des Jugurtha, seines Eidams, vermochte. Der Anteil, den auf diese Weise Sulla an dem Ruhm erlangte, den Krieg beendet zu haben, legte den ersten Grund zu dem eifersüchtigen Haß des M. gegen Sulla. Zum zweiten mal übertrug das Volk, durch die Gefahr, die von den Cimbern und Teutonen drohte, in Schrecken gesetzt, dem M. das Konsulat für das J. 104 und gab es ihm zum dritten, vierten und fünften mal für die J. 103—101. Nachdem M. 1. Jan. 104 seinen Triumph über Rien und gefeiert hatte, ging er in das südl. Gallien und übte sein Heer ein. Als 102 die Teutonen mit den Ambronen in das röm. Gallien einbrachen, suchten sie vergebens den M. aus seinem verschanzten Lager zum Streit zu locken; erst als sie abgezogen waren, folgte er ihnen mit seinem Heer, erreichte sie bei Aquä Sextiä (Aix in der Provence) und vernichtete sie in einer zweitägigen Schlacht. Hierauf zog er 101 nach Italien, wo Quintus Lutatius Catulus als Prokonsul den Cimbern, die im Osten des Landes eingedrungen waren, entgegenstand; M. übernahm den Oberbefehl und lieferte auf den Raudischen Feldern hei Vercellä im August eine Schlacht, die mit der Niederlage des Feindes endete. Auch hier hatte an der Entscheidung Sulla, der sich von M. getrennt und zu Catulus als Legat begeben hatte, Anteil. M. zog im Triumph in Rom ein und ward zum sechsten mal für das J. 100 zum Konsul erwählt. Als solcher unterstützte er anfangs den Volkstribunen Lucius Appulejus Saturninus und den Prätor Gajus Servilius Glaucig in ihren gewaltsamen Feindseligkeiten gegen die Nobilität, durch die der von ihm gehaßte Quintus Metellus Numidicus in die Verbannung getrieben wurde; als aber jene bis zum offenen Aufstand vorschritten, sah er sich durch den Senat genötigt, seine bisherigen Verbündeten aufzugeben und sie selbst zu vernichten. Durch den Sieg der Nobilität und durch sein eigenes Schwanken hatte M. seinen Einfluß verloren; auch wurde Metellus sogleich aus der Verbannung zurückgerufen; M. ging nun aus Rom und reiste in Asien, während Sulla sich im Staate emporschwang; auch im Bundesgenossenkriege seit 91, wo M. wieder als Feldherr thätig war, übertraf ihn Sulla, der als Unterfeldherr ein Kommando führte. Für das J. 88 wurde der letztere, der nun schon an der Spitze der aristokratischen Partei stand, mit dem gleichgesinnten Quintus Pompejus Rufus zum Konsul erwählt und ihm die Führung des Mithridatischen Kriegs durch den Senat übertragen. Wie einst dem Metellus, so wollte M. jetzt ihm den Oberbefehl entreißen, und hierüber begann der erste Bürgerkrieg. M. verband sich mit dem Volkstribunen Sulpicius Rufus. Durch bewaffnete Scharen setzte dieser seine Ansichten gewaltsam durch und ließ dem M. den Oberbefehl übertragen. Sulla aber eilte zum Heere und kehrte mit diesem nach Rom zurück, wo nun die Häupter der Gegenpartei geächtet wurden. M. entkam durch die Flucht zur See; ein Sturm trieb ihn an die ital. Küste; hier irrte er lange umher, bis er entdeckt und gefangen nach Minturnä gebracht wurde. Die Behörde der Stadt beschloß, ihn hinrichten zu lassen; der cimbrische Sklave aber, der ihn töten sollte, vermochte den Anruf des M.: Du wagst es, den M. zu tötenv, und seinen furchtbaren Blick nicht zu ertragen. Man beschloß jetzt in Minturnä, M. freizulassen, und er erhielt ein Schiff, auf dem er über Sicilien, wo er einer zweiten Verhaftung mit Mühe entging, nach Afrika fuhr. Hier verweigerte ihm der Statthalter den Aufenthalt. M. hielt sich nun auf einer kleinen Insel an der afrik. Küste mit seinem Sohne und andern Anhängern auf, bis ihn 87 Cinna zur Rückkehr rief. An der Spitze des einen von vier Heerhaufen rückte er mit Cinna, Quintus Sertorius und Gnäus Papirius Carbo, welche die drei andern befehligten, vor Rom, das ihnen nach vergeblich versuchtem Widerstande übergeben wurde. Auf M.“ Antrieb wurde fünf Tage hindurch gemordet; eine Schar von 4000 Sklaven, die ihm hierbei diente, ließ endlich Cinna selbst niederhauen. Eine große Anzahl von Männern der Gegenpartei, unter ihnen die Konsuln Octavius und Merula, der große Redner Marcus Antonius, auch des M. früherer Kollege, Quintus Lutatius Catulus, verloren ihr Leben; Sulla wurde für einen Feind des Vaterlandes erklärt. Für das J. 86 ernannte Cinna sich und M. zu Konsuln; doch starb letzterer, nachdem er die Würde, die er jetzt zum siebenten mal erhalten, 17 Tage bekleidet hatte. Vgl. Gerlach, M. un Sullav (2. Aufl., Bas. 1856), thor Straten, Rettungen des M.y (Meldorf 1869). Sein Sohn, Gajus M., war 82 mit Papirius Carbo Konsul, wurde von Sulla bei Sacriportus geschlagen, zog sich hierauf nach Präneste zurück und tötete sich, als die Stadt sich dem Sulla übergab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 460Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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