FeedLukas van Leiden
Bildende KunstBrockhaus 1882

Lukas van Leiden, eigentlich Lukas Jakobsz, einer der bedeutendsten holländ. Künstler aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh., geb. zu Leiden 1494, genoß anfangs den Unterricht seines Vaters Hugo und später des Cornelis Engelbrechtsen. Er malte in Ol, Wasserfarben und auf Glas, stach in Kupfer und zeichnete, obwohl seltener, für den Holzschnitt. Die ältesten Kupferstiche, welche er datiert, sind von 1508 und zeigen bereits große Fertigkeit in Handhabung des Grabstichels. Im 12. Jahre malte er in Wasserfarben einen heil. Hubertus. Im J. 1521 ließ er sich in Antwerpen nieder, wo er Dürers Bekanntschaft machte, der auf seiner niederländ. Reise ihn besuchte und auch porträtierte. Doch siedelte L. bald wieder nach Leiden über und starb daselbst 1533. In der Darstellung des damaligen Lebens, insbesondere des Lebens seines Volks, welches eine scharf verständige und eine phantastische Auffassung der Dinge wenig verschmolzen nebeneinander gehen ließ, bewegt er sich mit Geschick. Mehr als ein anderer Künstler damaliger Zeit zieht er auch das Heilige in den Bereich des Profanen hinab; seine biblischen und legendarischen Darstellungen sind von einem genreartigen Wesen durchdrungen, das oft ans Possen—⸗ hafte streift. Am bekanntesten ist L. durch seine Kupferstiche, deren er gegen 170 in verschiedenen Formaten geliefert. Zu den vorzüglichsten gehören: die Passion Christi (14 Blatt, 1521), die große Ausstellung Christi mit mehr als hundert Figuren (1510), der Kalvarienberg (1517) u. s. w. Zu den seltensten Blättern gehören: eine Ruhe der heiligen Familie in großem Format, die Hagar und der Eulenspiegel. Gegen Ende seines Lebens bemühte sich L., den idealern Stil der Italiener sich zu eigen zu machen, was ihm indes bei seinem wenig vorgebildeten Schönheitsgefühl nicht mehr gelang. Unter seinen Gemälden sind zu nennen: das Jüngste Gericht (auf dem Stadthause zu Leiden), die Schachspieler (in Berlin), die Vision des Augustus (in der akademischen Galerie zu Wien), ein Flügelaltar in Paris, ein anderer zu Antwerpen u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 248Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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