FeedLuneville (deutsch Lünstadt)
ErdkundeBrockhaus 1882

Luneville (deutsch Lünstadt), offene, regelmäßig und schön gebaute Stadt des ehemaligen Lothringen, Hauptort eines Arrondissements im franz. Depart. Meurthe-Moselle, Station der Linien Paris-Avricourt, L.⸗St.⸗Dié und L.⸗Gerbéviller der Französischen Ostbahn, am Zusammenfluß der Meurthe und Vezouze, in einer weiten, fruchtbaren und gut angebauten Ebene, 33 Em südöstlich von Nancy gelegen, ist Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, hat ein Kommunal-College, eine Ackerbaugesellschaft und zählt (1876) 16041 C., welche bedeutende Handschuh- und Fayencefabriken, Woll- und Baumwollspinnereien, Manufakturen in Leinwand, Tüllstickerei und Bonneterie, Rot- und Weißgerbereien, Brauereien, Eisenhütten, Gips⸗ und Kalköfen u. s. w. unterhalten, sowie bedeutenden Handel mit ihren Fabrikaten, mit Korn, Mehl, Hanf, Lein, Branntwein und Holz treiben. L. ist das Entrepöt der Weine und der Leinwand des Departements. Die Stadt hat mehrere Prachtgebäude, die schöne Hauptkirche St.⸗Jacques, 1730 —45 nach Plänen Boffrands erbaut, eine der größten Reitschulen Frankreichs und einen ausgezeichneten Hauptplatz mit prächtigem Springbrunnen. Das große, vom Herzog Leopold I. 1703 —6 erbaute, von König Stanislaus Leszezynski verschönerte Schloß brannte 1755 und 1849 ab, wurde aber wieder aufgebaut und dient jetzt zum Teil als Kavalleriekaserne, sein Park zu Promenaden. L. war 1702—37 Residenz der Herzöge von Lothringen. Im J. 1766 kam es an Frankreich. Geschichklich denkwürdig wurde die Stadt durch den Lunéviller Frieden, der daselbst 9. Febr. 1801 zwischen dem Deutschen Reiche und der Französischen Republik auf der Grundlage des Friedens von Campo ⸗Formio (s. d.) abgeschlossen wurde. Belgien und das linke Rheinufer wurden in demselben an Frankreich, Mailand und Mantua an die Cisalpinische Republik, Venedig aber und das Gebiet bis an die Etsch, Istrien und Dalmatien mit Cattaro an Ssterreich abgetreten. Auch trat Osterreich das Frickthal nebst dem Landstriche zwischen Basel und Zurzach an Frankreich ab, von dem beides 1802 an Helvetien überlassen wurde. Den Breisgau gab Ssterreich dem Herzog von Modena; auch willigte es in die Errichtung des Königreichs Hetrurien, wogegen der Großherzog von Toscana in Deutschland entschädigt werden sollte. Während des Kriegs von 1870 und 1871 wurde L. 13. Aug. 1870 von Truppen der Dritten deutschen Armee ohne Widerstand besetzt und war 15. Aug. Hauptquartier des Kronprinzen von Preußen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 253Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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