FeedDavy (Sir Humphry)
NaturlehreBrockhaus 1882

Davy (Sir Humphry), einer der ausgezeichnetsten Chemiker und Physiker aller Zeiten, geb. 17. Dez. 1778 zu Penzance in Cornwall, war der Sohn eines unbemittelten Künstlers, der sich durch Anfertigen von Holzschnitten nährte. Als Lehrling bei einem Landwundarzt, der zugleich die Zubereitung von Arzneien besorgte, fing er frühzeitig selbständige Raturbeobachtungen an, was ihm jedoch seine Entlassung zuzog. In seinem 15. Jahre kam er zu einem andern Wundarzt, bei dem er nun eifrig die Naturwissenschaften, besonders Chemie, studierte. Eine Bekanntschaft mit Gilbert führte zu einer Verbindung mit dem Naturforscher Beddoes, der den 19jährigen D. als Assistenten in sein Laboratorium zu Bristol aufnahm, wo er jetzt sehr schnelle Fortschritte in seiner Wissenschaft machte. Seinen Untersuchungen über die Natur und die Wirkungen des Einatmens der Gase verdankte er es, daß er 1799 an die Spitze der Pneumatic-Institution in Clifton gestellt wurde, welche die Bestimmung hatte, praktische Experimente über den Einfluß der verschiedenen Gasarten vorzunehmen, wobei er die berauschende Eigenschaft des Stickoxyduls, das jetzt unter dem Namen Lust-oder Lachgas in der Zahnarzneikunde angewendet wird. entdeckte. Im J. 1801 verlieh ihm das Französische Institut für seine Arbeiten über den Galvanismus die Napoleons-Medaille. Bald darauf folgte er dem Rufe als Professor der Chemie an die Royal-Institution nach London und gewann durch seinen glänzenden Vortrag außerordentlichen Beifall. In das J. 1807 fällt seine Entdeckung der Alkalimetalle, des Kaliums und Natriums, die eine Ara in der Geschichte der Chemie bildet; zugleich zog er sich aber durch einen Besuch in Newgate, zu dem Zwecke, die Ventilation in diesem großen und verpesteten Gefängnisse zu verbessern, ein gefährliches Fieber zu. Im folgenden Jahre (1808) zeigte er, daß die alkalischen Erden, Baryt, Kalk, Strontian, Magnesia Metalloxyde seien, die sich, ebenso wie die Alkalien, unter Anwendung des galvanischen Stroms zerlegen lassen. In dieselbe Zeit fällt die folgenschwere Erkennung des Chlors als einfachen Körper, die Entdeckung, daß die Salzsäure eine Verbindung von chau Und Wasserstoff sei, wodurch die ältere Anschauung, nach welcher alle Säuren Sauerstoff enthaltende Verbindungen seien, gestürzt wurde. Nachdem er 1812 die Ritterwürde erhalten, unternahm er 1813 eine Reise nach dem Kontinent, auf der ihn M. Faraday begleitete. Seine weltberühmte Erfindung der nach ihm benannten Sicherheitslampe für Kohlenbergwerke fand im Herbst 1815 statt. Im J. 1820 ward er einstimmig zum Präsidenten der Royal-Society gewählt, und diese Wahl wiederholte sich alljährlich mit derselben Einstimmigkeit bis 1827, wo ein Schlaganfall ihn nötigte, seine Stelle niederzulegen. Vergebens suchte er seine Gesundheit durch einen Aufenthalt in Steiermark und in Italien herzustellen. Nach längern Leiden starb er zu Genf 29. Mai 1829. Die wichtigsten Schriften chiefly concerning nitrous oxid and its respirationo (Lond. 1800) und die beiden ausgezeichneten Lehrbücher: Elements of chemical philosophyn (Lond. 1812; deutsch von Wolf, Berl. 1820) und Die vielseitige Bildung seines Geistes, der sich schon in seinen Jugendjahren auch der Dichtkunst zugewendet hatte, zeigte sich sowohl in der anziehenden Form seiner wissenschaftlichen Leistungen als in zwei Erzeugnissen seines spätern Lebens, den anonym erschienenen geistreichen Dialogen „Salmonia, or days of fly-fishingo (2. Ausg., Lond. 1829 deutsch von Neubert, Lpz. 1840), worin er seinen Lieblingszeitvertreib, das Angeln, beschreibt, und die nach seinem Tode erschienenen „Consolations in travel, or the last days of à philosophero (3. Aufl., Lond. 1831; deutsch von Martius, Nürnb. 1833). Vgl. Paris, Life of Sir Humphry D.5 (2 Bde., Lond. 1831), sowie die von seinem Bruder John D. Ider sich gleichfalls als Chemiker einen ehrenvollen Namen erworben hat) herausgegebenen «Memoirs of the lite of Sir Humphry 5.5 (2 Bde., Lond. 1836; deutsch von Neubert, 4 Bdchn., Lpz. 1840) und Fragmentary remains, literary and scientific, of Sir Humphry D.r (Lond. 1859).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 919Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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